Samstag, 29. September 2012

424. Post. Kernkantenklinge

Präparationsabschlag, der eine Änderung der Schlagrichtung ermöglicht, in der in Folge weitere Klingen geschlagen wurden.
So schön kann Abfall sein...

Auf der Dorsalseite im Bild links die Klingennegative der vorausgegangenen Schlagrichtung. 




Kernkantenklingen...nicht jeder Sammler bekommt sie zu Gesicht.

423. Post. Amorphe Kerne.

Neben regelmäßigen, konischen Klingenkernen, tauchen auch immer wieder Kerne auf, die wegen ihrem alternierend bifazialen Abbau wie grobe Kerngeräte wirken. Der "Restkern" ist auch meist flach und hat eine zickzackförmige bis gerade Abbaukante. 
Zwei Beispiele  1. von SOND12, Breite.




 zweites Beispiel vom Ascher Brenerhäule:


Diskoider Kern?

Freitag, 28. September 2012

422. Post. Geschoßtauglicher, unmodifizierter Abschlag.

Wenige Retuschen linkslateral am Distalende waren notwendig, einen perfekten Abschlag in eine Projektilform zu "modifizieren". 
Neufund aus Asch von einer Fundstelle mit älterneolithischen, sowie jungneolithischen Komponenten. Werner Schön beschreibt in STEINARTEFAKTE ( Herausgeber Harald Floss) dass aus der Bandkeramik auch recht unregelmäßige, teilweise nur an einer Kante retuschierte und sogar völlig unmodifizierte Abschläge bekannt sind, die aufgrund ihrer Lage und Vergesellschaftung mit eindeutigen Pfeilspitzen in Gräbern ebenfalls als Pfeilbewehrungen angesehen werden müssen. 
Dieses Artefakt scheint mir so ein Fall zu sein, der Beweis allerdings kann kaum geführt werden, meine Meinung bleibt bei diesem Oberflächenfund spekulativ. 
Dorsalseite des Abschlags

Ventralseite. Oben links 4 kleine Retuschen, die die Spitze formen.

421. (jung-)neolithische Artefakte aus Asch.

Auf einer Siedlungsfläche bei Asch tauchten weitere pfeilspitzenartige Klingenfragmente mit umlaufender Lateralretusche nach dorsal auf, die kaum als Kratzer an gesprochen werden können. Die morphologische  Nähe zu Pfeilspitzen ist frappierend.

Zunächst die älteren Artefakte auf post 151:
http://www.google.de/imgres?q=artefakt+sichelglanz&um=1&hl=de&sa=N&biw=1024&bih=651&tbm=isch&tbnid=iltZrnWi_aJa9M:&imgrefurl=http://lesefunde.blogspot.com/2011/05/451.html&docid=bzuJUfC48tPlAM&imgurl=http://2.bp.blogspot.com/-MtqRYVbxvjU/TcarmETJ41I/AAAAAAAAChI/vB5BfZ-N9PQ/s1600/PICT0464.JPG&w=1600&h=1200&ei=hydkULeVBczEsga8_4CYBA&zoom=1&iact=hc&vpx=120&vpy=75&dur=3790&hovh=194&hovw=259&tx=184&ty=113&sig=107152893081650022229&page=2&tbnh=138&tbnw=223&start=15&ndsp=16&ved=1t:429,r:12,s:15,i:163

Das neue Artefakt, ebenfalls wie im Beispiel von 151 mit Lackglanz auf Dorsal- und Ventralseite.

Kratzer, mit Kratzerkappe nach dorsal modifiziert und ebenfalls modifiziert sind beide Lateralkanten. Das war vielleicht einmal länger...

Diagonal verläuft auf der Ventralseite der Lackglanz, während er  sich lateral nach dorsal auf  die Retuschen beschränkt. Ein Beleg für eine Schäftung? 
Edit.: Nachdem noch mehrere, auch vollständige Artefakte dieser Kategorie aufgetaucht sind, kann man  sicher von jungneolithischen Sichelklingen ausgehen, wie sie vor allem aus den Pfahlbauten des Bodensees bekannt sind.  

Donnerstag, 27. September 2012

420. Post "JohnDeerefakt"

Die Landmaschine hat zu geschlagen! Ein schönes Beispiel, wie Retuschen auch entstehen können: Ein landwirtschaftliches Gerät schrammte diese Klinge so geschickt, dass an einer Lateralkante retuscheähnliche Ausbrüche entstanden. Sie sind sehr unregelmäßig und nicht im 90-Grad-Winkel entstanden, ähneln so aber immer noch verblüffend Retuschen, wie sie durch den Gebrauch eines Werkzeuges entstehen können. Der frische Bruch im Kontrast zu Klinge und Erdreich, weist den Vorgang als rezent, beim letzten Pflügen entstanden aus. Ein Beispiel dafür, wie genau man oft hinsehen muss, wenn Funde nicht stratifiziert und jahrelang den Beschädigungen im Pflughorizont aus gesetzt sind. Ist die Kante über lange Zeit der Witterung aus gesetzt, wird die Unterscheidung mit bloßem Auge immer schwieriger. Vor allem bei "buchtenähnlichen Ausbrüchen" ist die Unterscheidung von Beschädigung und artifiziellem Ursprung oft schwierig.  
Da als Grundform eine Klinge vorliegt, ist diese "Retusche" besonders perfide.

27.9.2012.Asch.Brennerhäule.

Mittwoch, 26. September 2012

419. Kleinstartefakte.

Zum Sisyphismus würden Absammlungen, wenn alle Kleinstartefakte eingemessen würden, die die klassische Archäologie auch bei Grabungen nicht erfassen kann, wenn das Aushubmaterial nicht gesiebt oder geschlämmt wird.
Förmlich auf den Knien muss man gehen, wenn man auf den Oberflächen auch Absplisse, Retuschierabfälle und ähnlich kleine Reste von der Geräteherstellung aufnimmt. Hier ein Beispiel von 1630 solcher kleinsten Artefakte, Zeugnisse der Geräteindustrie von SONDERBUCH-GRUND, Belege für die Herstellung von Werkzeugen vor Ort, innerhalb der Siedlung. Viele davon kommen wohl nicht aus Gruben, sondern blieben auch auf den Oberflächen zurück. Einmessen bedeutet hier 1630 Fundpunkte zu erfassen. Damit entstehen auf kleinster Fläche umfangreiche Datenbanken, die sich kaum mehr graphisch darstellen lassen, da sich auf Dauer die einzelnen Punkte überlagern. Die Sinnhaftigkeit von Einmessungen hat vielleicht auch ihre Grenzen...  
Anhäufungen können die Aktivitätszone als Schlagplatz ausweisen...Solche kleinen Abtrennungen kamen nicht zufällig in die Siedlung, sind Belege für die Zerlegung des Rohmaterialspektrums vor Ort.

Sonntag, 23. September 2012

418.Post. Rohmaterial von der Frankenalb.

In der 1. Hälfte des 5. Jahrtausends vor Christus versorgten sich große Teile des südwestlichen Mitteleuropa mit Plattenhornstein aus dem Bergwerken von Abensberg Arnhofen (Bayern) 
Er kommt vereinzelt in linienbandkeramischen Zusammenhängen, verstärkt aber erst im Mittelneolithikum vor. Das Rohmaterialspektrum von SOND008, Schlaghau, weist ebenfalls das ein oder andere Plattenhornsteinfragment auf. 
Der Plattenhornstein gibt sich durch einen Wechsel von hell- und dunkelgrauen Bänderungen zu erkennen und ist von hoher Qualität. Meist wurden aus ihm Klingen geschlagen.
Hier ein Beispiel von Sonderbuch-Schlaghau : Abschlag. Die Lateralkanten weisen einige wenige Retuschen auf.. 




417. Post. Zwei Pfeilspitzen.

Zwei (eingemessene) unterschiedlich zu datierende  Pfeilspitzen von ein und demselben Flurstück bei Sonderbuch.
Die größere, 38mm lang und 5,3 g schwer,  ist wohl linienbandkeramisch und datiert somit in die Zeit um 5ooo vor Christus, während die kleinere mit 1,1 g Gewicht und 25mm Länge in die Zeit des Jungneolithikum gehört. Jungeneolithische Kulturen sind um Sonderbuch jedoch nur anhand von Steinartefakten und noch nicht durch Keramik nach gewiesen worden. Auch in dieser Spätzeit, bis hinein in das Endneolithikum wurde im nahen Borgerhau Hornstein abgebaut. Die beiden Spitzen lagen nur wenige Meter voneinander entfernt und sind... 

...Belege dafür, wie auf engem Raum über Jahrtausende hinweg immer wieder dieselben Flächen bevorzugt begangen und besiedelt worden sein müssen. Ein Gunstfaktor dafür war sicherlich der für die Landwirtschaft geeignete Lössboden. 
Durch Pflug und Co. schon in Mitleidenschaft gezogen aber nicht wesentlich beschädigt sind diese beiden Pfeilspitzen aus unterschiedlichen Zeiten. Vor allem die Rostspuren bezeugen, dass sie mehrfach Kontakt mit Eisengeräten gehabt haben mussten.


416. Neolithischer Dolch?

Leider nur ein Fragment ist ein (neues) Artefakt aus Sonderbuch, das mit einiger Sicherheit als Dolch an gesprochen werden kann. Zeitlich kommt das Jungneolithikum in Frage.
Das...war also ursprünglich einmal etwas länger und die beiden Lateralkanten lassen sich zeichnerisch so fortführen, dass die ursprüngliche Länge wohl mindestens 70mm betragen haben könnte. Das Artefakt ist flächig bifazial retuschiert und erinnert so an paläolithische Artefakte. Ein Projektil kommt der Größe wegen kaum in Frage. Leider ist der Fundbeleg rezent gebrochen, in jüngster Zeit also in Kontakt mit einer Landmaschine gekommen. Somit auch ein Beleg dafür, dass die Oberflächenfunde dringend ab gelesen werden müssen, wenn sie intakt bleiben sollen. Datierbar bleiben freilich auch Fragmente, von denen mindestens noch ein Spitzenfragment auf dem Acker in unmittelbarer Nähe liegen muss. Es ist für den Sammler in so einem Falle nicht einfach das Denkmalschutzgesetz ein zu halten. Das Durchsieben des umgebenden Sediments zur Auffindung der restlichen Fragmente wäre sicher erfolgversprechend gewesen. So bleibt nach Einmessung die Hoffnung zu späterer Zeit einmal auf weitere Teile davon zu stoßen. 

Da kein Bulbus und ebenfalls kein Schlagflächenrest zu erkennen ist, bleibt unklar ob es sich um ein Kerngerät  handelt, oder ob die Grundform eine Klinge oder ein Abschlag war. 





Die rezente Bruchfläche im Profil

die flächigen Retuschen an der Basis



Samstag, 22. September 2012

415. Post. Lange LBK-Klingen

Selten kommen aus dem Pfluhorizont nicht zerbrochene , lange Klingen. Kleinere Klingen haben dagegen relativ gute Chancen von landwirtschaftlichen Maschinen verschont zu bleiben.

Die beiden vorgestellten Klingen ( Klingendefinition: Abtrennungen, die mindestens zweimal so lange wie breit sind, werden als Klingen definiert.) weisen eine Originallänge von 65mm und 68mm auf. Da sie frisch aus dem Kolluvium bzw. aus einer Grube gepflügt wurden, sind sie nur leicht beschädigt und weisen scharfe Lateralkanten auf. Die schmalere der beiden Klingen stammt von BÖTT2, einer Linienbandkeramischen Siedlung bei Bollingen in der Nähe der Autobahn. Die etwas breitere Klinge stammt von SOND8 bei Sonderbuch, ebenfalls von einer Linienbandkeramischen Siedlung. Die Schlagflächenreste belegen eine weiche Schlagtechnik, etwa einem Schlagintstrument und einem Geweihzwischenstück. Gezielte Abtrennungen sind für serielle Klingenproduktion nur mittels dieser Punchtechnik zu bewerkstelligen. Der Schlagpunkt kann in Ruhe festgelegt werden, während im freien Schlag die Trefferquote einen Kern schnell ruiniert, zumal der Schlagwinkel eine entscheidende Rolle spielt.  
Eine Lateralkante der unteren Klinge zeigt vielleicht Gebrauchsspuren. Eine Verwendung als "Messer" ist in beiden Fällen denkbar. Glanz ist bei beiden nicht zu erkennen.

Die Ventralseiten der Klingen. Die breitere weist am Distalende Kortex auf

links: die Proximalenden mit dem jeweiligen Schlagflächenrest

Auch ohne Modifikationen (Retuschen) brauchbare, fertige Werkzeuge. Der Anteil an unretuschierten Klingen ist in der Zeit der Linienbandkeramik relativ hoch. 

Mittwoch, 19. September 2012

414.Post. Getemperter Kern aus Hornstein.

Den typischen Glanz von getempertem Hornstein zeigt dieser bei Sonderbuch (Breite) gefundene Kern, an dem ursprünglich lange Klingen geschlagen und nach einigen letzten unglücklichen Versuchen auf gegeben wurde.





Eisenanteile werden für das Verfärben ins Rötliche, Mangananteile in das Verfärben ins Graue verantwortlich gemacht. Hitzebehandlungen des Rohmaterials wurde vor allem im Frühmesolithikum (Beuronien) vor genommen, kommt aber auch in neolithischen Zusammenhängen noch vor aus dem dieser Kern stammt.

413. Post. Ein ungewöhnlicher Kratzer aus Asch.

Für gewöhnlich zeichnet sich der Kratzer durch eine konvexe Kratzerkappe aus, die nach dorsal modifiziert ist. Für die Herstellung von Kratzern eignen sich sowohl Klingen, als auch Abschläge. Für gewöhnlich wird deren Distalende modifiziert. So auch bei dem vor gestellten Stück im Vergleich mit einem Klingenkratzer.
Dem Steinschläger ist es nicht gelungen, die Retuschen durch zu schlagen. Die Bruchausdehnung blieb unvollkommen und blieben stecken. Dennoch ist eine feine, regelmäßige Kratzerkappe entstanden. 

Profil: unten rechts die Kratzerretuschen, alle steckengebliebene hindges. 


links im Vergleich ein Klingenkratzer, bei dem die Retuschen nicht stecken blieben. 

412. Post. Keramik vom Ascher Brennerhäule.

Keramik sind die Leitfossilien der Archäologie und nicht selten werden ganze Kulturen und Kulturgruppen nach der Keramik benannt. (Beispiele: Linienbandkeramik, Stichbandkeramik, usw.) Wenn keine stratifizierten Funde vorliegen, liefern Keramikscherben somit nicht selten die einzigen datierbaren Belege auf den Oberflächen. Im Umfeld des Ascher Brennerhäule gibt es bislang sehr wenig keramische Belege, alle stammen von den Oberflächen. Der Pflughorizont lässt jedoch keine dauerhafte Erhaltung zu und es ist notwendig, sie entsprechend ein zu messen und zu bergen. Maschinelle Bearbeitung und Frost sorgen sonst in kurzer Zeit für Totalverlust. 
NEU ist ein Fragment eines Gefäßrandes. Die Grundform des Randabschlusses ist rund und leicht nach außen umgeschlagen. Das Gefäß, zu dem er gehörte, entstand noch nicht auf der Töpferscheibe. Das Randprofil kommt bei verschiedenen neolithischen Kulturen vor. Der reduzierend gebrannte Scherben ist etwas rau, die Oberfläche jedoch sorgsam geglättet. Im Bruch und auf den Oberflächen sind mit bloßem Auge Glimmer und Bohnerzkügelchen zu erkennen. Die Randscherbe wurde nur vorsichtig mit klarem Wasser von anhaftender Erde befreit. 








die Bruchfläche

Das Keramikfragment ging als Fundmeldung zur Denkmalpflege nach Tübingen. Etwaige nähere Bestimmungen werden nach gepostet.