Sonntag, 21. Oktober 2018

654. Post. Kern, unbekannter Provenienz.

Ein neuer Kern aus dem Kontext einer Fundfläche, die zahlreiche, paläolithische Artefakte aufweist.

Fast wie Wüstenpatina oder Lackglanz wirken weite Teile eines neu aufgelesenen Kerns am Rande ehemaliger Erdfälle bei Sonderbuch

Auf der neolithischen Siedlungsfläche dominiert ebenso wie in den paläolithischen Komponenten der lokale Hornstein, doch führten ortsfremde Rohmaterialien dereinst zu meiner Entdeckung der mittel- und jungpaläolithischen Fundstelle. So ist das Sammlerauge ständig auf der Suche nach jenen aus der Masse herausragenden Stücken, die eigene Geschichten, oft von einer weiten Reise erzählen.

Für das Mittelpaläolithikum, genauso wie für das Altpaläolithikum ist typisch, dass vor allem lokale Vorkommen von Rohstoffen Verwendung fanden. Jede Region zeigt so ihre Eigenheiten im Rohmaterialspektrum. Das gilt auch für das Jungpaläolithikum. Die jungpaläolithischen Funde dieser Fundstelle sind bislang ausschließlich aus dem lokalen Hornstein gefertigt. Die wenigen Radiolarite beispielsweise kommen bisher ausschließlich aus der Zeit der letzten hier lebenden Neandertaler. Radiolarite und andere silikathaltige Gesteine aus den Alpen gelangten zahlreich in Flussschotter, wo sie im Pleistozän durch Gletscher und Flüsse, hier der Urdonau, weit in das Alpenvorland transportiert wurden. Bei diesen Transporten konnten sich vor allem zähe Stücke erhalten.  In den früheren Zeiten der Steinzeit wurden genau diese Stücke bevorzugt bearbeitet. Meist zeigen die daraus entstandenen Artefakte auch heute noch die Spuren dieser Reise aus den Alpen durch partiell vorhandene Oberflächen, die glatt und abgerollt und mit einer für das Material typischen "Patina" erscheinen. Sie forderten durch ihre Zähigkeit allerdings schon den erfahrenen Steinschmied.

So auch bei dem neuen Kern, der neben einigen Negativen der Ablösungsversuche und Hinweisen einer geglückten Grundproduktion auch verschiedene Stadien eines Verwitterungsprozesses und somit eine lange und besondere Entstehungsgeschichte dokumentiert.
Deutlich zeigt sich an rezenten Beschädigungen, die wohl durch den Pflug entstanden sind das honigfarbene, ursprüngliche, nicht durchpatinierte Rohmaterial.
Die Bezeichnung "Patina", die solche Gesteine zeigen können ist eigentlich irreführend, da es sich um eine Auflösungserscheinung der Oberfläche des Silikat haltigen Materials handelt, die bei dem neu gefundenen Kern erscheint, als überziehe ihn eine weißliche, dünne Schicht, die sich aber erst zeigt, wenn das Stück nach der Bergung völlig getrocknet ist, eine Erscheinung also, die optisch wahrnehmbar von der Austrocknung von Hohlräumen Oberflächen naher Schichten kommt.
Außerdem zeigt der Kern noch teilweise die Originale, abgerollte Oberfläche, die durch den Fluss- oder Gletschertransport (fluvial oder glazial) entstanden sein muss. Partiell glänzt die Oberfläche aber auch fast wie der von neolithischen Sicheln bekannte Lackglanz.

So scheint mir das hier verwendete Rohmaterial selbst ein Indiz für eine Verwendung in paläolithischer Zeit zu sein, auch wenn letztlich die genaue Herkunft (Provenienz) noch unklar ist und der Fundort in neolithisch dominiertem Kontext liegt.

Sonntag, 16. September 2018

653. Post. Alpiner Radilarit.

Und wieder fand sich auf dem Schlaghau in Sonderbuch ein typischer, roter Silex, der aus den Alpen stammt.

Im Jura und in der Kreide bildete sich dieser Silex bankförmig und an seiner Entstehung waren farbgebende Mikrofossilien (überwiegend Radiolarien) beteiligt.

Die heute gefundene Rohknolle scheint artifiziell auf Gebrauchsfähigkeit getestet worden zu sein. (partiell)
Sie passt vom Material gut in die hier liegenden Donauschotter der Schweizer Alpen, könnte aber auch vom Menschen hierher verbracht worden sein. Der Schotter zeigt die typisch vernarbte Rinde, die durch den Transport im Fluss oder durch einen Gletscher entstanden ist. 

Radiolarit ist nach dem Jurahornstein im Paläolithikum der Schwäbischen Alb das am zweithäufigsten verwendete Rohmaterial und aus der Nähe der heutigen Fundstelle stammen auch mittelpaläolithische Schaber und Abschläge aus dem Lavalloisekonzept des Neandertalers aus diesem Material. Was auch immer an diesem Artefakt versucht wurde, die Antwort auf diese Frage und vor allem auf die Frage in welcher Zeit dies geschah, muss wohl offen bleiben. In den ausgedehnten Fund- und Siedlungsflächen des Neolithikums tauchen immer wieder paläolithische Komponenten auf.
 https://docplayer.org/59714658-Palaeolithische-oberflaechenfunde-von-der-blaubeurer-alb.html

Sonntag, 6. Mai 2018

652. Post. Sonderbucher/ Blaubeurer Mesolithikum!

Nicht nur, aber vielleicht auch in Bezug auf ein mögliches Mesolithikum in Sonderbuch scheinen mir die Bewertungen und näheren Analysen von Artefakten der Sammlung in der Masterarbeit von Benjamin Schürch eben in dieser Beziehung wichtig, doch will ich der Veröffentlichung oder Verbreitung der Masterarbeit nicht vorgreifen. Dort geht es ja doch vor allem um paläolithische Funde im Freiland.

Auch wenn lange Zeiträume und Einwanderungsbewegungen eine Rolle spielen, deren Umfang große Unbekannte bleiben werden, ist es doch reichlich unwahrscheinlich, dass bei aller Dichte an neolithischen Siedlungspunkten auf der Blaubeurer Alb, das Neolithikum ohne die mittelsteinzeitlichen Vorläufer allein denkbar gewesen wären. Und keiner weiß, ob und wie lange ein Nebeneinander und wo und wie lange ein Miteinander bestand. Die heutige Bevölkerung geht zwar global gesehen in der Mehrheit auf die eingewanderten Bauern und weniger auf die Jäger und Sammler der Mittelsteinzeit zurück. Sie vermischten sich auch, und in dieser Zeit sehr komplexe Entwicklungen anzunehmen, scheint mir opportun. Paläogenetiker gehen davon aus, dass sich die eingewanderten Neolithiker 70 Prozent, mit ihrer Lebensweise und Innovationen zu 100% durchgesetzt haben. Verschiedentlich bin ich in diesem Blog auf meine Gedanken dazu schon hier näher eingegangen. Irgendwie ja auch logisch, dass ein Jagd- und Sammelgebiet sehr viel größer sein muss, um seine Nutzer ernähren zu können. Der Neolithiker vermehrt an festem Standort auf kleineren Flächen seine Ressourcen. Die Mobilität spielte eine untergeordnete Rolle und so finden sich auch Konzentrationen der lithischen Hinterlassenschaften in den Siedlungen.
Wenn die eingewanderten Bauern also auf der Blaubeurer Alb auf eine wie auch immer offene oder abgegrenzte Bevölkerung stießen, ist in jedem Falle auch mit Zeugnissen dieser Zivilisation im offenen Gelände zu rechnen, ganz sicher, wenn die Hornsteinlagerstätten nicht nur eine lokale, sondern regionale oder vielleicht sogar wie sich mehr und mehr abzeichnet, überregionale Bedeutung hatten. Zeugnisse die wir vielleicht abgrenzen können, Zeugnisse vielleicht eines Nebeneinanders und oder auch des Miteinanders, des Voneinander Lernens. Dieses Voneinander Lernen sollte sich auch  morphologisch in den Artefakten finden.

Eine sehr ergiebige Hornsteinlagerstätte, deren Vorkommen vor allem durch landwirtschftliche Eingriffe reichlich auf den Oberflächen liegt ist die Lagerstätte am Blauberg, um die sich auch neolithische Siedlungen gruppieren, die in den letzten Jahren erstmals lokalisiert werden konnten. Eine besonders spannende Stelle in diesem Zusammenhang erscheint mir die Flur "Bödemle" zu sein, an der vorbei ein auch heute noch vielbegangener Weg zwischen der Hochfläche und dem Tal besteht. An der Peripherie der Lagerstätte könnte sich hier eine mehr oder weniger temporär wichtige Aktivitätszone gebildet haben, etwa als zeitweises Lager zur Herstellung von Artefakten oder als Schnittpunkt von Verteilungswegen. So sprechen Rohknollen, Trümmer oder intakte Kernscheiben mal für das Eine, also kurzfristige Aufenthalte, benutzte Werkzeuge und vereinzelte Keramik mal für das Andere, wie eine feste Siedlungsstelle. Selten erschien mir das Inventar eines einzigen Ackers derart inhomogen und  unmöglich in eine sichere Zeit zu stellen.  Es fällt eine relativ geringe Fundfrequenz bei großer Vielgestalt der Artefakte auf. 

Und dann war da heute vor Allem dies:





 Getemperter, (früh?-) mesolithischer Kern, auf allen Abschlagnegativen stark glänzend.


Eine andere Entstehungszeit als das Mesolithikum, in der Kompositgeräte,  mit Holz geschäftete,  kleine Abschläge und Klingen eine Rolle spielten, kommt für dieses Artefakt nicht in Frage. 

Entscheidend für das Tempern ist hier der Glanz auf den Ventralflächen, der nicht immer mit einer Farbveränderung ins Rötliche einher gehen muss. 
Wie man an einem so kleinen Werkstück derart winzige Zielabschläge verletzungsfrei lösen kann, wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Dagegen erscheint die Theorie, dass der Mangel an Rohmaterial dazu führte, dass die Geräte immer kleiner wurden bei so einem Stück schon glaubhafter, aber niemals, wenn man um die reiche, nur vielleicht 200 m weiter liegende, sehr reiche Lagerstätte weiß.
siehe auch:http://lesefunde.blogspot.de/2014/12/524post-hitzeauswirkungen-am-hornstein.html
Frühmesolithikum (9600–7000/6500 v. Chr.)Spätmesolithikum (ca. 7000/6500–5500/4500 v. Chr.)

Kratzer, Klingen und eine Kernscheibe aus ortsfremdem Bohnerzhornstein:
Das hier verwendete bzw. zurückgelassene Rohmaterial ist sehr unterschiedlich
in Patinierung und Provenienz der Rohmaterialien.
Erste Funde mit mesolithischen Komponenten fanden sich bereits im April 2016
http://lesefunde.blogspot.de/2016/04/606-post-neue-fundflache-am-rande-des.html
Jeder aufgenommene Fund wird mit Geodaten magaziniert

4 von 8 amorphen Kernen, die aufgrund ihrer Verteilung in der Fläche 

nur wenige Meter voneinander entfernt aufgefunden- aus ein- und
demselben zeitlichen Kontext stammen sollten.

Und dann war da noch etwas zum Thema:

Nur Amateure versuchen sich am Schwierigsten:


Das Rohmaterial: ein wenn überhaupt, dann nur sehr leicht verkieselter Kalkstein mit meiner Meinung nach artifiziell entstandener, bifaziell angelegter, einseitiger Kantenretusche...

Das Stück zeigt eine singuläre, in der Seitenansicht gerade Schneide mit gegenüberliegendem Rücken, eine Seite zeigt sich flach, die andere deutlich aufgewölbt. 



 

eines der Stücke vom Bödemle, das Aufmerksamkeit verdient!

Jede weitere amateurhafte oder semiprofessionelle Bemerkung muss warten. Auch Christa Seewald titelt ihren Aufsatz: http://www.quartaer.eu/pdfs/1974/1974_07_seewald.pdf  
über Kalksteinartefakte dahingehend, dass sie prinzipiell problematisch sind. quartär.edu, 1974.:"Zur Problematik der aus Kalkstein gefertigten Artefakte."

Das Auge des Wissenschaftlers durch das Binokular und eine solide Rohmaterialanalyse und eine ebenso solide Einschätzung morphologischer Gesichtspunkte erfahrener Archäologen wird zeigen, was das Bauchgefühl eines alten Sammlers von einem staubig trockenen Acker selektiert hat. 
Neue Erkenntnisse zu diesem Artefakt werden gegebenenfalls nacheditiert.
auch neu von hier, aber dafür eindeutig: dreieckige Pfeilspitze, frühneolithisch.
Edit.: Sonderbucher/ Blaubeurer Mesolithikum! Glanznegative und Farbveränderung
durch Temperung im Frühmesolithikum (Beuronien) 
vom 19.5.2018. Der kleine, vollständig abgebaute Kern wiegt noch 7,5 Gramm

Bis zur Masterarbeit von Benjamin Schürch 2018 galten alle, wenn auch teilweise gemeldeten, mesolithischen Fundplätze als unbestätigt (Fisher, Knipper et.al.) Entscheidend sind natürlich diagnostische, retuschierte Formen, die sogenannten Mikrolithen. Kerne wurden im freien Feld schon oft gefunden. Entscheidend sind aber Fundplätze mit Stratigraphie, die wie frühmesolithische des nicht weit entfernten Helga Abri am Hohle Fels, sowie auch Funde aus dem Geißenklösterle und erst nachrangig solche wie die im Altental von Albert Kley und vom selben Sammler vom Blaubeurer Rucken. Dass auch Oberflächenfunde von den Äckern Beachtung finden, ist nicht selbstverständlich. Ähnlich wie bei den wenigen paläolithischen Oberflächenfunden wird sich das vielleicht einmal ändern. Vor allem das frühe Beuronien von A bis C ist in den Sammlungen vertreten, ansatzweise ist auch von spätmesolithischen Funden bei zugänglichen Informationen die Rede. Zur Diagnose gibt sich das Frühmesolithikum durch Dreiecksmikrolithen, das Spätmesolithikum durch Trapezmikrolithen und Makroklingen zu erkennen. Sollten sich die neuesten Erkenntnisse zu den Erhaltungsbedingungen im Freiland dahingehend entwickeln, dass auch dort noch intakte Stratigraphien zu finden sind, wird das den Forschungsstand entscheidend verändern. Man mag den zufälligen Oberflächenfunden wenig Bedeutung zumessen. Wenn wir die geologischen Prozesse der Alboberfläche verstehen und die Verlagerungs- und Sedimentationsprozesse besser nachvollziehen können, werden eines Tages vielleicht auch die eher geschmähten Ackerfunde in den Fokus geraten. Wenn alle Höhlen ausgeräumt sind, kommt vielleicht auch hier einmal sowas wie eine wissenschaftliche Pflicht und nach der Pflicht die Kür.  

  • Frühmesolithikum (9600–7000/6500 v. Chr.)
  • Spätmesolithikum (ca. 7000/6500–5500/4500 v. Chr.)

siehe auch:
Zur Untersuchung steinzeitlicher... (PDF Download Available). Available from: https://www.researchgate.net/publication/235665420_Zur_Untersuchung_steinzeitlicher_Landschaften_Die_Besiedlung_und_Nutzung_der_Blaubeurer_und_Ulmer_Alb_im_Palaolithikum_Mesolithikum_und_Neolithikum [accessed May 21 2018].




siehe auch:
https://www.academia.edu/10163878/Hitzebehandlung_Tempern
_._In_Steinartefakte_vom_Altpal%C3%A4olithikum_bis_in_die_Neuzeit.
_T%C3%BCbingen_Publications_in_Prehistory_T%C3%BCbingen_2012_105-116

Der Deckel zum Paläolithikum ist geöffnet. Das Mesolithikum ist ohne das Paläolithikum und auch nicht ohne das Neolithikum zu erklären und zu verstehen. Die Blaubeurer Alb scheint auch ohne ihre Höhlen über viele Jahrtausende der Steinzeit intensiv genutzter Lebensraum gewesen zu sein.

Mittwoch, 11. April 2018

651. Post. Grabung in Sonderbuch, März 2018

Links Prof. Harald Floss, rechts Benjamin Schürch mit Lesefunden der Sammlung Bollow.
Sie gaben neben den Veröffentlichungen in UMGEPFLÜGT den Anstoß zur Forschung an
dieser Stelle.
 Mit freundlicher Genehmigung der SÜDWEST PRESSE 

von links: Ortsvorsteher Pfetsch, Prof. Harald Floss, Benjamin Schürch

Montag, 9. April 2018

650. Post.Neolithische Klopfkugel aus Hornstein.

Im Frühjahr dominieren Scherben und nach dem Pflügen große Stücke...

Nach der Schneeschmelze zeigt sich ein Effekt, den ich Scherbenkorridor nennen möchte, da beim schnellen Abtrocknen der Oberflächen die im Winter durch die Niederschläge freigewaschenen Keramikscherben die Feuchtigkeit länger halten als die sie umgebende Oberfläche...

Effekt: Die Keramik erscheint kurzzeitig deutlich dunkler und durch den temporären Kontrast sind sie leicht zu erkennen und mancher Acker, der bisher als scherbenleer galt, zeigt nun für kurze Zeit die entscheidenden Relikte von Siedlungsplätzen-

So auch auf einem Siedlungsplatz bei Sonderbuch in der Nähe metallzeitlicher Nekropolen, der sich bisher als eindeutig neolithischer Siedlungsplatz zu erkennen gab. Zahlreiche amorphe Kerne und vereinzelt Klingenkerne waren über Jahre der einzige Hinweis. Nun zeigten sich dieses Frühjahr auf derselben Stelle auch Scherben, die eindeutig metallzeitlich zu sein scheinen und damit eine Fortsetzung in der Besiedlungsgeschichte nach der ausgehenden Steinzeit. Sie wurden zur näheren Bestimmung dem Denkmalamt zugeführt. 

Nach der ersten Bearbeitung durch den Landwirt ist diese Chance vertan. Dafür brechen größere Steinartefakte auf der vermutlich neolithisch dominierten Siedlungsfläche aus den Schollen, wie diese neolithische Klopfkugel.

Schlagsteine oder Klopfer zeigen zur morphologischen Einordnung eine bis mehrere Schlagnarbenfelder, die von der Benutzung herrühren und nicht extra dafür zugerichtet wurden. Dieser Klopfer ist auf seiner gesamten Oberfläche von Schlagnarben übersät und im Dauergebrauch waren diese vielleicht auch formgebend.
Dies Siedlungsfläche selbst scheint also zumindest seit dem Neolithikum bis hinein in die Metallzeiten ihre Gunstfaktoren nicht eingebüßt zu haben. Der leichte Südhang entwässert in Richtung Blautal in ein Flurstück, das "Brünnele" heißt und vor allem im Frühjahr kleine Quellen zeigt.
Es ist die klassische Augensuche, ohne Zuhilfenahme technischer Hilfsmittel, die hier die Metallzeit anhand von Keramikfunden auf der Oberfläche nachgewiesen hat. Nichtinvasive Methoden auf der Spur der "Leitfossilien", auch da, wo geringe Metallreste längst vergangen sind, oder nicht erfassbar tief im Boden liegen.

Edit.: Es scheint sich zu bestätigen: Neben allgemeinen bronzezeitlichen Aspekten, zeigen einzelne Scherben deutliche Hinweise für eine Ansiedlung der Urnenfelderkultur, die in Mitteleuropa am weitesten verbreitete Kultur der Spätbronzezeit, datierend 1300 bis etwa 800 vor Christus. Sie konnte auch schon unweit davon im Bereich des Sonderbucher Friedhofs nachgewiesen werden. Es dürfte sich hier damit eine ähnliche Siedlungsabfolge abzeichnen, wie ein Jahr zuvor in Bollingen, wo sich neolithische und bronzezeitliche Siedlungsstrukturen überschneiden. 

Sonntag, 24. Dezember 2017

649. Post. Umgepflügt wünscht schöne Feiertage!


UMGEPFLÜGT
wünscht schöne Feiertage!

Das Jahr schloss mit 650320 Aufrufen, eigene eingeschlossen.

Sonntag, 22. Oktober 2017

648. Post. Das archäologische Jahr in Sonderbuch 2017

Wird noch UMGEPFLÜGT...und liefert es neue Erkenntnisse?

Anhand des enormen Rückgangs meiner Posts entsteht der Eindruck, es tue sich nichts (mehr) auf den Feldern, doch gehen die Landwirte weiterhin ihrer Tätigkeit nach, das Fundaufkommen wäre auch dementsprechend hoch, doch was stagniert ist das Sammeln, da es auf den bis jetzt bekannten Flächen stark eingeschränkt wurde und auch weiterhin eingeschränkt bleiben wird. Neue Fundflächen sind nicht hinzugekommen.

Wie der vorangegangene Post bereits andeutet, beschränkt sich meine (ehrenamtliche) Tätigkeit auf das Überwachen schon bekannter Flächen in Bezug auf bedrohliche Eingriffe über die Feldbestellungen der Landwirte hinaus und kommt mehr und mehr der oft gehörten Forderung nach Belassen "in situ" entgegen. Mit einer Sammlung "die aus allen Nähten platzt" ist niemand und keiner Sache gedient. 

Die Wissenschaft, die Denkmalpflege... braucht diese Fundmassen nicht in Bereichen, die fast hinreichend bekannt sind und an allgemeinen, neuen Erkenntnissen nur wenig zu liefern vermögen. Von Interesse sind archäologisches Neuland und jene Denkmalbereiche, denen zum Beispiel im Sog der "Unesco-Welterbeernennung" auch wissenschaftliche und öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wird wie eben die von mir entdeckten  Fundstellen des Paläolithikum. Die Euphorie des jahrelangen Entdeckergeistes ist deshalb besonders im Verlaufe eines Jahres der für mich persönlich nüchternen und nur nach und nach einsehbaren  Aufarbeitung von Teilen der Sammlung durch den Masterstudenten B. Schürch gewichen und mit einem deutlichen Rückgang der Sammelleidenschaft verbunden. Es kann nicht sein, dass sie in den Verruf von Erfüllung egomanen Selbstzwecks gerät und subjektiv sinnvoller erscheint, als objektiv nach Abwägung aller Gegenargumente tatsächlich ist. Ein kleines Echo fand die Sammlung dieses Jahr in der hier vorgestellten Präsentation im Ascher Rathaus mit Funden  aus ausschließlich Ascher Fundflächen.

( http://lesefunde.blogspot.de/2017/02/632-post-ausstellung-zur-ortsgeschichte.html)

Der Steinzeit soll in einem Aufsatz im geplanten Ascher Heimatbuch ein eigenes Kapitel gewidmet werden. Meine Autorenschaft wurde angefragt.
Pfeilspitze des frühen Neolithikums, der Bandkeramik aus 2017,
Sonderbuch

Gemessen an der Aufmerksamkeit von Wissenschaft, Denkmalpflege und Öffentlichkeit wirkt das Sammeln wirklich oft als reiner Selbstzweck und sollte aus meiner Sicht schon über das eigene Leben und persönliche Interessen und Motive hinausweisen, und einen wissenschaftlich fundierten Sinn  erfüllen, und von der Philosophie alleine und ohne Bestätigung ernährt sich das Ego im Tagesgeschäft oft nur mühsam. Aufgrund der frugal erscheinenden neuen Erkenntnisse und Ereignisse muss sich ein Jahresresümee ausmachen wie der vielzitierte Lärm um nichts. Großer Aufwand erwartet nicht nur Resonanz, sondern auch Anerkennung. In der Tat wollte mir scheinen, dass durch das Ehrenamt und die Funktion eines amtlich geschulten Sondengängers die Arbeit leicht zu lästiger Pflicht werden könnte, doch blieben die Aufträge mit deren Zuwachs ich rechnete weit hinter den Erwartungen zurück. Weit hinter den Erwartungen zurück blieb für mich auch der Sinn der Sondengängerei an sich und hat sich in der Praxis in noch mehr Ambivalenz wiedergefunden, als schon theoretisch im Vorfeld der Schulung und in der Ausübung hat sich nicht mehr Sinn erschlossen.
Ein Bauer kann unkontrolliert  und unter Wahrung aller Rechte und Gesetze zum Schutz von Bodendenkmalen eine Wiese, die seit Menschengedenken Wiese war zu einem Acker umbrechen und ist lediglich den Gesetzen der Landwirtschaft verpflichtet. Eine Erlaubnis, eine Wiese mit der Sonde zu prospektieren ist dagegen in Baden Württemberg  fast unmöglich und im Vorfeld einer Umnutzung nicht vorgesehen und nicht erwünscht. Da eine landwirtschaftliche Umnutzung denkmalpflegerisch nicht meldepflichtig ist und so  an der Denkmalpflege vorbei geht, leistet ein modernes Schutzgesetz der Zerstörung Vorschub. Offenbart die Umnutzung die Zerstörung eines Bodendenkmals, haben alle aufgrund eines absurden Schutzgesetzes verloren, allen voran das Denkmal. Illegal hätte es vielleicht erkannt werden können, aber einen legalen Weg gibt es hier für die Sonde nur, wenn auf einem Acker oder einer Wiese etwa ein Gebäude errichtet werden oder ein Flurstück einer Straße weichen soll, also "überplant" ist. Hier hat dann vielleicht ein illegaler "Sondengänger" längst eruiert, vielleicht auch längst ausgegraben, was einem legalen verborgen bleibt. Absurd. Absurd auch, dass ein Landwirt fortschreitend zwischen und auf keltischen Großgrabhügeln Landwirtschaft betreiben kann, was auch sein gutes Recht ist, die Sonde aber auf einer eingetragenen Denkmalfläche nicht zum Einsatz kommen darf. Die Regel scheint es auch zu werden, dass sie selbst auf überplanten Flächen erst zum Einsatz kommt, wenn die Bagger schon ganze Arbeit geleistet haben, weil hier die Bürokratie weit hinter der Idealvorstellung zurückbleibt, oder Meldepflichten nicht sehr ernst genommen werden oder nicht einmal eine Eintragung in die Denkmalliste schützend greift. Einen Schuldigen findet man dann vielleicht nicht mehr, was ja auch unerheblich ist, weil man mit Beantwortung der Schuldfrage ohnehin keine Zerstörung rückgängig machen kann. Die amtlich genehmigte Sondengängerei bleibt Fragment und Ergänzung  in einem Flickenteppich auch fragwürdiger und teilweise unzureichender Maßnahmen, die unter dem Begriff Denkmalpflege subsummiert sind. Ein sich verändernder Weg bleibt das Ziel, das zudem in Gänze von finanziellen und personellen Engpässen diktiert wird. Mit zunehmendem Alter und den damit verbundenen, fortschreitenden Einschränkungen werden derartige Resümees auch irgendwie zu Lebensbilanzen.
Auch das ehrenamtliche Tun muss sich so laufend seinen Weg suchen, anpassen und modifizieren, damit derlei Erkenntnisse kein Schlusswort in einem blog oder schlimmer noch, der Tätigkeit selbst ergeben.

Ein weiteres Schlaglicht auf die paläolithischen Funde und einen Ausblick auf die Forschungen, die 2018 im Gelände fortgeführt werden sollen bietet der Aufsatz von Benjamin Schürch im Band 60 der Reihe Ulm und Oberschwaben, der Zeitschrift für Geschichte, Kunst und Kultur, erschienen bei Thorbecke.

Stand der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Sammlung R.Bollow in der Zeitschrift Ulm und Oberschwaben...Band 60,  2017. Hier zum Kauf und zur Lektüre empfohlen.
http://www.schwaebische.de/panorama/kultur_artikel,-Buchvorstellung-Ulm-und-Oberschwaben-Band-60-_arid,10787088.html
http://www.schwaebische.de/panorama/kultur_artikel,-Buchvorstellung-Ulm-und-Oberschwaben-Band-60-_arid,10787088.html
Hier die Bestelladresse bei Thorbecke:
http://www.thorbecke.de/ulm-und-oberschwaben-p-2283.html?cPath=316_412

ISBN: 978-3-7995-8050-2
Mehrschlagstichel, Paläolithikum, wohl Aurignacien, Sonderbuch
Freizeit im Ehrenamt, oder was vom ( anonymisierten...) Leben bleibt...
siehe auch:
https://www.academia.edu/35208180/Floss_et_al_2017_Open_Air_Occupations
_in_a_Cave_Dominated_Archaeological_Landscape
_-_New_Perspectives_on_the_Palaeolithic_of_the_Swabian_Jura