Montag, 6. September 2010

120.Post. Bohnerzhornstein aus dem Schwarzwald



Edit zu den Kommentaren: die feine graue Linie auf dem Bulbus ist ein Einschluss  für die Identifizierung
120.Post. Bohnerzhornstein  Eines Tages klingelte es an der Haustüre und ein älterer Herr, Landwirt aus der Gegend legte mir eine Tüte mit Steinen vor, die er von verschiedenen Äckern gelesen hatte. Er hatte eines Tages von meiner Ausstellung in der Zeitung gelesen und wollte mir die Steine schenken. Ein schöner, gezielter Abschlag von einem Bohnerzhornstein, der freundlicherweise inzwischen vom Forum steine-scherben.de als solcher identifiziert wurde und möglicherweise aus dem Raum Mühlheim stammt...zeigt alle Merkmale des gezielten "Hertz'schen Kegelbruchs". Ein Abschlag mit Negativen auf der Dorsalseite und stammt von einem steinzeitlichen Steinschläger. Leider konnte der Herr nicht mehr sagen von welchem Acker er genau stammt. Alle seine Äcker liegen auf -Winneder Gemarkung. -
Bohnerzhornstein kommt vereinzelt, selten auf den Fundstellen der Blaubeurer Alb vor. Er steht hier nicht geologisch an. Es ist ein Import und Beleg für Handelsbeziehungen. Neuerdings gibt es sogar Untersuchungen wonach die Verwendung bestimmter Rohmaterialien in der Bandkeramischen Zeit die soziale Struktur einer Siedlung wieder zu geben scheint, bzw. Rückschlüsse auf Familienclans zu lassen könnte. Es scheinen sich Verwandschaftsverhältnisse daran zu knüpfen. Jedoch ist das Vorkommen auf allen Fundstellen verhältnismäßig selten, zumindest als Oberflächenfunde, die jedoch oft erstaunlich repräsentativ sind, wenn sie geschlossen vorliegen.

Ein Forumsmitglied von steine-scherben.de schrieb über die außerordentlichen Rohmaterialvorkommen südlich von Freiburg einen Beitrag über die Bohnerzhornsteine vom Isteiner Klotz und von Auggen und Schliengen. Von letzter Stelle kommt der "Winneder Abschlag" mit großer Sicherheit. Die Geologie des Raumes Mühlheim wird durch tertiäre Bohnerztone geprägt. Dort finden sich die Rauracienhornsteine. Das Besondere an den Materialien sind ihre Verbreitung. Es finden sich Werkzeuge und Grundformen in weiten Gefilden und allen Zeiten ( Aurignacien - Neolithikum) Im Gravettien von Steinacker, der direkten Umgebung sind 100% Bohnerzhornstein vorhanden. Es findet sich im 180 Kilometer entfernten Hohle Fels ebenso wie im Geißenklösterle, in der Bärenhöhle, dem Vogelherd oder auch in Gönnersdorf in über 300 km Entfernung. und: auf der Blaubeurer Alb und der heute vorgestellte Vertreter von einem unbekannten Fundort bei Winneden.

Kommentare:

  1. Hallo Lesefunde Blaubeuren!
    Bin gerade zufällig (als Dauerleser Deines Blogs) auf diesen Beitrag gestoßen.
    Meiner Meinung nach handelt es sich hier eindeutig um Radiolarit.
    Dafür spricht auch die Quarzader auf dem letzten Bild.
    Der wurde aber gerade auch im Gravettien der Alb besonders gern verwendet.
    Dennoch:
    Weiter so!

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    1. Was Du für eine Quarzader hältst ist keine! Es handelt sich gerade dabei um den sicheren Beleg auf den Bohnerzhornstein von Auggen. Mit bloßem Auge erscheint ein leicht schimmernder Einschluss, ähnlich einem Bleistiftstrich oder hat Ähnlichkeit mit einer frischen Streifspur wie sie Eisen auf Silex hinterlässt. Das Material hat Markus Siegeris (prehistoric lithothek, Co-Autor von "Steinartefakte",Hrsg.Floss,) persönlich identifiziert und beschreibt dieses Merkmal auch in seiner Lithothek allgemein. Viele Grüße und Danke für das dauernde Interesse.R.B.

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