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Mittwoch, 18. April 2012

340.Post. Unilateral retuschierte, große Klinge.

90mm lange, bis zu 34mm breite, 16mm dicke Klinge mit Gebrauchsretuschen.










Ein Einzelfund aus der Nähe der linienbandkeramischen Siedlung Schlaghau von einem Flurstück, das nur wenige Hornsteinfragmente und drei regelmäßige Kerne bisher lieferte nun dieses Artefakt. Das Distalende trägt eine ursprünglich regelmäßige Kratzerkappe, die aber durch zahlreiche Gebrauchsretuschen überprägt ist. Ebenso weisen beide Lateralkanten Gebrauchsretuschen auf. Sowohl Distal- als auch Proximalende sind verrundet. Ein Multitool, doch zum Gebrauch wäre vielleicht auch an einen Feuerschläger zu denken, wenigstens in einer Sekundärfunktion.

339. Post. Experimentelle Archäologie.Klopfer

Wider die Annahme, dass neolithische Klopfer aus Hornstein unmöglich zur Zerlegung von Hornstein gedient haben können. Sie können.



Ausgangsmaterial waren Knollentrümmer einer Baustelle in Sonderbuch.(Hornstein)  Zufällig gefundenes Material sind sowohl das zur Reduktion bestimmte Rohmaterialstück, als auch der Schlagstein Klopfer.


Ein Abschlag, der das Merkmal des harten, direkten Schages trägt.


Kern links, oben der Schlagstein aus Hornstein, rechts geschlagene Klingen. Durch den Kern zieht eine Kluft, an der die Bruchausdehnung endet ("Steckenbleiber") 


Die Schlagnarben auf der Kortex des Schlagsteines (Hornstein)


Klinge mit Wallnerlinien ( Bruchausdehnung in der Kluft gestoppt)


Klingen


Abschlag
Das Experiment dauerte knapp zwei Minuten.
Ausgangsfrage: Bei der archäologischen Untersuchung des Pingenfeldes Asch-Borgerhau 2007  wurden insgesamt  ca. 30000 Steinartefakte auf genommen. 70% davon sind unmodifizierte Abschläge, 23% Trümmer, 4,5 % Klingen. Der interessanteste Teil sollen hier die modifizierte Geräte sein. Da vor Ort an der Abbaustelle weitestgehend  Grobzerlegungen, eine sogenannte Grundproduktion stattfand.
Aus dem Gesamtinventar herausgenommen machen die modifizierten Artefakte mit 215 Stück lediglich 0,7 % aus. Darunter machen die Schlagsteine (Klopfer) mit 22 Stück 10,2 % der modifizierten Artefakte aus. 
Was machen Schlagsteine (Klopfer) auf den Pingen, wenn nicht als Werkzeuge für die Grundproduktion? Der Einsatz solcher Klopfer für die Werkzeugherstellung wird von vielen Archäologen und Praktikern der experimentellen Archäologie (aus guten Gründen) an gezweifelt. Dass es zumindest temporär ohne großen Schäden am Schlagstein möglich ist, sollte Grund genug sein darüber nach zu denken.

Eine leichte Abrasion der Kortex, aber noch kein klassisches Schlagnarbenfeld hat der Versuch  auf dem Klopfer hinterlassen.
Von der oft gehörten Annahme, dass hier die selben Kräfte enstehen müssen, wie sie beim Schlagen von Glas auf Glas entstehen, dass nämlich sofort "die sprichwörtlichen Fetzen fliegen", trat nichts ein.

Sonntag, 8. April 2012

338. Post. Fertig restaurierter Spaltkeil

Endergebnis einer Restaurierung.





Fertig konserviert und noch nicht bestimmt ist der Keil von Post 337. Im Kern noch sehr massiv, klingt er sogar bei Anschlagen.Der Keil war mit einem Hartholzkeil geschäftet, auf den geschlagen wurde. Der Hartholzkeil könnte auch mit einem Eisenring gegen aussplittern gesichert gewesen sein. 
Eisenrestaurierungen sind äußerst anspruchsvoll und nur unter Laborbedingungen und nicht mit Hausmitteln zu bewerkstelligen, auch wenn in zahlreichen Foren etwas Anderes vermittelt wird. Restauriertes Eisen ist niemals blank. 

Samstag, 7. April 2012

337.Post. Ein eiserner Spaltkeil.

Ein eiserner Spaltkeil. Alter unbestimmt.

Neuzeitlich? Frühneuzeitlich oder doch älter? Ein Relikt aus einem ehemaligen Waldgebiet bei Sonderbuch.........................................



Vor etwas über einem Jahr fand sich auf Sonderbucher Markung (Schlaghau, 518/8) einen eisernen Spaltkeil. Seit dieser Zeit lag er in einem Entsalzungsbad und hat nach der Trocknung ein Wachsbad vor sich. Fertig restauriert wartet er auf eine genaue Bestimmung.

Ein Relikt aus jüngster Zeit von einem Siedlungshügel, der Artefakte aus der Linienbandkeramik, des mittleren Neolithikums, des Jungneolithikums und der Bronzezeit aufweist. Alles befördern Landwirtschaft und geologische Vorgänge an die Oberfläche. Für Lesefunde gilt: Es findet sich in der Fläche quasi alles vom Faustkeil bis zur Coladose.
Abgelesen wird hier, was bei großflächigen archäologischen Untersuchungen im Normalfall dem Bagger zum Opfer fällt, da in der Regel der Pflughorizont ab geschoben wird. Auch bei diesem Keil wäre ohne die Bergung die Zerstörung eine Frage der Zeit gewesen. Es wurde in der Fläche ein gemessen.  Auch und gerade die Eisenfunde leiden immer stärker unter dem Einfluss von Kunstdüngern und saurem Regen. Grabungen in Gräberfeldern, die mehrere Jahre auseinanderliegen zeigen oft auf drastische Weise wie sehr viel schlechter die Funde aus späteren Grabungen im Vergleich mit denen von früheren Untersuchungen erhalten sind.
Die Tülle nahm  einen Hartholzkeil auf, auf den geschlagen wurde. Meist waren die Hartholzkeile auch noch mit einem eisernen Ring vor dem Bersten gesichert. 
In diesem Falle ein ideales Objekt für eine hoffentlich gelungene Restaurierung. Das fragliche Flurstück war bis um 1900 noch Waldgebiet, ein eiserner Spaltkeil demnach ein schlüssiger Fund. 

 

336. Post. Ein neuer Dechsel vom "Schlaghau," Sonderbuch

400. Einzelpost.

Aus bandkeramischen Zusammenhängen des Siedlungshügels auf dem Schlaghau fand sich ein Dechsel aus Amphibolit mit breiter Schneide. 

Im Frühjahr, der Zeit des "Scherbenkorridors" kann es trotz sehr reduzierter Begehungen nicht ausbleiben die äußerst günstigen Verhältnisse zu nutzen. Es fanden sich auf der Siedlung zahlreiche Scherben, Zeugnisse, die dem ersten Entdecker lange verborgen blieben. Im zeitigen Frühjahr finden sich die zerbrechlichen Scherben nach den ersten Starkregen jedoch ziemlich zahlreich, wenn gleich auch stark fragmentiert. Durch die weitere Bodenbearbeitung und Witterungseinflüsse werden diese im Verlaufe des Jahres jedoch so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass sie ohne das Ablesen verloren gehen. 

Die Oberseite des Dechsels.



Die Unterseite des Dechsels, links die Schneide, rechts der Nacken, der in der Schäftung steckte. Der Schaden könnte durch den Gebrauch entstanden sein.



Eine Längsseite weist eine rezente Beschädigung auf: Bekanntschaft mit dem Pflug.


Oben die Schneide, sie weißt eine feine Politur auf, die durch Gebrauch entstanden ist . Vermutlich wurde das Werkzeug nach geschärft.

Besonders günstig ist der Umstand, dass die Keramik ihre Feuchtigkeit nach dem Abtrocknen der Oberfläche noch lange behält und ein starker Kontrast sie leicht zu erkennen gibt. Dieser Umstand führte auch zur Entdeckung des Dechsels, der im feuchten Zustand sich sehr viel dunkler vom Lössboden abhob.

Bei dieser Gelegenheit fand sich der vorgestellte Dechsel, früher verwirrender Weise "Schuhleistenkeil" genannt, eine Bezeichnung, die einem noch oft in der Literatur begegnet. Der Dechsel war geschäftet und wurde u.a. zur Holzbearbeitung ein gesetzt. Grabfunde beweisen, dass diese Geräte auch als Waffe eingesetzt wurden.Es gibt Schädelfrakturen in Form von Löchern, in die genau die Querschnitte dieser Dechsel passen. Die experimentelle Archäologie konnte nachweisen, dass in relaitv kurzer Zeit damit ein Baum zu Fall zu bringen ist. Neben einem flachen Beil, einer "Flachhacke" nunmehr ein zweiter Dechsel, der
erste, 2010 gefunden (1.Mai) ist schmalhoch, während der neue breit und flach ausgeführt ist.
siehe auch:
http://www.blogger.com/blogger.g?blogID=5486790017099944322#editor/target=post;postID=4892924366047159989

Auf dem letzten Bild (vorne der neue, flachere Dechsel, dahinter der 2010 gefundene, hohe Dechsel- Beide weisen denselben Winkel an der Schneide auf.



Samstag, 17. März 2012

335.Post. Im Märzen der Bauer...

Auf Sonderbucher Markung liegen mehrere eisenzeitliche Grabhügel. Durch jahrelanges Überpflügen treten immer wieder große Steine der Abdeckung an die Oberfläche, die von den Landwirten ab gelesen werden. Im Herbst 2011 versäumte ich die Gelegenheit dies zu dokumentieren, was ich hiermit nachholen möchte. Durch größere Steinansammlungen, die im Gelände auffallen ist es durchaus möglich, dass schon kleinere Grabhügel nivelliert und vollkommen aus gepflügt wurden. 

Die Wölbung des großen Hügels unterbricht die vertikalen Linien der Acherfurchen


Auffällige Steinansammlungen in den  Flächen unterbrechen die homogene Oberfläche, vielleicht Reste  nivellierter Hügel?


Die Hügel unterscheiden sich vom Umfeld durch abweichenden Bewuchs...



alle großen Steine wurden vom Landwirt bereits im Herbst ab gelesen und weg geschafft. Alle Jahre wieder... Von einer sicher sehr kompakten Abdeckung (Steinpackung) ist so bald nichts mehr übrig....
Die bekannten Hügel wurden alle schon nach 1900 zentral ausgeräumt und geplündert. Dass auch heute noch unerkannte Nachbestattungen neben der zentralen Hauptbestattung erkannt werden, zeigen die Funde vom Burrenhof und anderen Nekropolen. Auch verflachte Hügel wurden bei den Altgrabungen nicht erkannt. 

Sonntag, 11. März 2012

334.Post.Angepflügte Gruben der Linienbandkeramik

Umgepflügt...


eine rezent fragmentierte Gefäßwand...(oben) Die einzelnen Scherben liegen noch im Verbund.





...und ausgepflügt zeigen sich Artefakte und Keramik auf einer linienbandkermischen Siedlung bei Böttingen, die als Gunstfaktor wenigstens aufweisen kann, dass Teile davon in einem Waldstück liegen. Zumindest dort scheint der Erhalt der Befunde auf längere Sicht sicher zu sein. Die empfindliche Keramik die durch das Pflügen an der Oberfläche erscheint geht ohne Absammeln zu Grunde. Frost und Hitze im Wechsel und die weitere Bearbeitung der Ackerkrume löscht hier aus, was Jahrtausende sicher in der Erde geborgen war. Teilweise erscheinen ganze Gefäßwände rezent durch den Einsatz von "John Deere" zerbrochen.