Montag, 27. Januar 2014

494. Post. Sondengänger in Baden-Württemberg.

Umdenken in Baden-Württemberg...

Metallsonden und Denkmalpflege in Baden Württemberg. Geht jetzt etwas zusammen, was hier bislang "nicht zusammen gehört?"
Eine neue Einstellung, ein neuer Wind weht durch die Amtsstuben der Baden- Württembergischen Denkmalpflege.

Am 13.11.2012 tagte die Archäologische Kommission Baden Württemberg in ihrer 31. Sitzung zum Thema "Illegale Ausgrabungen"
Illegale Ausgrabungen beschäftigt die Denkmalpflege in allen Bundesländern und ist keineswegs nur ein Thema in Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt. Auch die "zivilisierte Welt" ist zumindest von Finanzkrisen geschüttelt und der Denkmalschutz scheint oft an mangelnden Ressourcen zu scheitern.
Dazu wird durch Plünderungen archäologischer Fundstätten tagtäglich Fundmaterial auch in Baden Württemberg seinem historischen Zusammenhang entrissen und verliert damit seinen wissenschaftlichen Wert. Hier geht es zu einem Bericht dazu bei Archäologie online:



Noch bei einem Kolloquium des Verbandes der Landesarchäologen 2005 war nicht erkennbar, dass sich in absehbarer Zeit oder überhaupt jemals etwas an der strikten Amtsdoktrin in Baden Württemberg ändern könnte. - siehe:
Wer stiehlt unsere Vergangenheit?

http://www.landesarchaeologen.de/fileadmin/Dokumente/Dokumente_Kommissionen/Dokumente_Illegale-Archaeologie/Auszug_Koll05_Hassmann_mit_Ablaufplan.pdf

Aus einem Protokoll der Sitzung 2005 (Das ich im Netz mittlerweile nicht mehr auffinden kann) resümiert Andreas Maaßen, dass "fest zu stellen sei, dass in vielen Bundesländern bereits ein "zartes Pflänzchen der Zusammenarbeit zwischen Sondengängern und Denkmalpflege aufkeime - von nicht zukunftsfähigen Ansichten wie aus Baden Württemberg einmal ab gesehen..."
Das hat sich inzwischen geändert. Man beschreitet neue Wege. 

Das neue Programm, der Richtungswechsel, der bereits seit über einem Jahr sukzessive umgesetzt wird, wird nun auch durch eine Veröffentlichung der Denkmalpflege bekannt gemacht: Hier wurde der Anfang der Integration von Sondengängern in das Ehrenamt der Denkmalpflege gemacht. Benannt ist das Projekt so: "Qualifikation und Integration von Sondengängern in die Archäologische Denkmalpflege."

http://www.denkmalpflege-bw.de/denkmale/projekte/archaeologische-denkmalpflege/metallsondenprospektion.html


Die Veröffentlichung lässt keinerlei Zweifel daran erkennen, dass sich im Prinzip nicht wirklich viel ändern soll. Für jede Nachforschung mit der Sonde ist auch in Zukunft wie bei jeder archäologischen Forschung bisher  eine Genehmigung erforderlich. Auf die rechtlichen oder gar strafrechtlichen Folgen wird sehr deutlich hin gewiesen. Ehrenamtlich beauftragte "Sondengänger" sind mit einem schriftlichen Auftrag und einem Ausweis versehen und absolvieren entsprechende Schulungen, die gewährleisten sollen, dass in diesem Rahmen die wissenschaftlichen Standards ein gehalten werden.   Einer der Kernsätze: "...Dabei wurde der Wahrung des öffentlichen Interesses zum Schutz der Denkmalsubstanz höchster Stellenwert eingeräumt."

Der bekannte flyer Sondengänger wurde entsprechend modifiziert: ( link dazu gibt es auf der Projektseite) 
http://www.denkmalpflege-bw.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/Flyer_Raubgraeber-Sondengaenger_01.jpg

Edit: März 2014.  Siehe auch: Öffentliche Akzeptanz als zentrales Problem...
R. Schreg in seinem blog Archaeologik:

http://archaeologik.blogspot.de/2014/03/offentliche-akzeptanz-als-zentrales.html

Vieles in diesen Zusammenhängen erinnert mich an Goethes "Zauberlehrling"


Kommentare:

  1. Guter Beitrag zu einem wichtigen Thema! Meiner Meinung nach ist die Zusammenarbeit ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung.

    Ich habe mich über die Entwicklungen in Niedersachen auch schon einmal ausgelassen ;)

    http://found-places.blogspot.de/2013/12/metallsuche-im-dienste-der-wissenschaft.html

    Viele Grüße aus NDS & weiter so!
    Hendrik

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  2. Das Blog UMGEPFLÜGT stellt Funde vor, die ohne technische Hilfsmittel ( zunehmend lediglich unter Zuhilfenahme einer Brille) zustande kommen. Das angelaufene Projekt wird die Prospektionsmethoden und das Bild der Landesarchäologie langfristig verändern und hoffentlich die Ziele erreichen, die der Wandel mit sich bringen soll. Jeder Archäologe, der sich um eine Grabungsgenehmigung bemüht, muss seine Bodeneingriffe ausreichend begründen und letztlich auch die daraus entstehenden Kosten einkalkulieren, die durch Auswertung, Restaurierung etc.entstehen.. Meines Wissens liegt der allgemeine Trend in allen Bundesländern nicht unbedingt in die dafür notwendige Richtung, nämlich die Denkmalpflege für die nun wachsenden Kosten und den vermehrten Personalbedarf aus zu statten. Damit so etwas erfolgreich werden kann wird mehr nötig sein, als Nachforschungsgenehmigungen zu erteilen. Es geht hier in erster Linie um überplante Flächen und stellt meiner Meinung nach lediglich eine Ergänzung der klassischen Vorgehensweise dar, nämlich Erkenntnisse im Pflughorizont zu gewinnen, in der Deckschicht über den ungestörten Horizonten, die bislang oft nur großflächig ab geschoben werden. .

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