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Mittwoch, 7. Mai 2014

504. Post. Silex unbekannter Provenienz.

Ungewöhnliches Rohmaterial von einer der Borgerhau-Pingen am nächsten gelegenen Siedlung.

Ein deutlicher Schlagkegel ( Hertzscher Kegelbruch) kennzeichnet ein Rohstück (Kerntrümmer) einer neolithischen Siedlung auf Wippinger Markung. Es handelt sich um ein deutlich abgerolltes Flussgeröll. Möglicherweise wurde es aus den alten Donauschottern aus gelesen, könnte aber auch aus einer Endmoräne stammen. 
Vermutlich handelt es sich um Kreidefeuerstein, der hier geologisch nicht ansteht. Ob Menschenhände ihn in seine jetzige Form brachten, bleibt vorerst unklar. 
Das Trümmerstück ...

Oben der Schlag- Kegel, der einen ziemlich gewaltigen Impact belegt.

Ob der Schlagkegel intentionell entstand, bleibt dahin gestellt.  Die Wahrscheinlichkeit, dass das Rohmaterial aber nicht zufällig in den Siedlungsbereich gelangt ist, ist sehr groß. Die Bruchstellen erscheinen so frisch, dass ein rezenter Vorgang nicht aus geschlossen werden kann. 

Grauweiß , patiniert und abgerollt: Die natürliche "Rinde".
Die Siedlungsstelle liegt direkt an den Hornsteinabbaustellen des Borgerhau, heißt die Grundversorgung der Siedler mit dem Rohmaterial Hornstein war sehr gut. Im Umfeld der Fundstelle wurden mehrere mittelpaläolithische Artefakte geborgen. Möglicherweise datiert das hierher verbrachte Material auch in eine Zeit, in der die Lagerstätte des Borgerhau noch nicht erschlossen war. Das Rohmaterialspektrum aller Siedlungs bzw. Fundstellen ist fast ausschließlich auf den lokal anstehenden Hornstein beschränkt. Nur wenige Funde wie dieser belegen auch andere Quellen, falls ein zufälliges, möglicherweise sogar rezentes Einbringen in die Fundfläche aus geschlossen werden kann. Sicherheiten bieten nur intakte Befunde, aus ungestörter Stratigraphie.
Vergleichbarer Kreidefeuerstein vom Ostseestrand (Travemünde, Exkursion 1994)

Freitag, 11. April 2014

503. Post. Durchbohrtes Gerät aus Felsgestein (vermutlich eine Axt bzw. ein Breitkeil) ...

oder die Jagd nach dem "grünen Gestein"...

Auf einem völlig neuen Fundplatz gab der staubige Acker heute ein Gerät aus Felsgestein frei...

(siehe auch: http://www.steinzeitwissen.de/durchlochte-felssteingerate...)

Unweit einer 2005 entdeckten Siedlungsstelle lag das Fragment auf einem ansonsten Fund freien Acker und die Entwicklung dort bleibt ab zu warten. Eventuell handelt es sich nur um einen einzelnen "Verlustfund" aus der Peripherie der schon bekannten Siedlung. Da die Oberflächen frisch bestellt und äußerst trocken sind, ist es durchaus noch möglich, dass sich dazu noch Silices einstellen. 
Eine der vollständig erhaltenen Oberflächen, die leicht in der Längsachse an einer Kante facettiert ist. 
Die Siedlungsstrukturen um die Hornsteinabbaustelle Borgerhau sind nicht hinreichend erforscht. Sie geben sich auf den Oberflächen durch unvergängliche Materialien zu erkennen. Dort, wo sich vor allem die Hornsteinfragmente aus der Geräteproduktion häufen, sind zentrale Aktivitätszonen, respektive Siedlungen an zu nehmen. Um den Borgerhau gibt es einen sehr weiten, mal dichteren, mal weniger dichten Verflechtungsraum von Ansiedlungen, oft mit wenig Nichtsiedelgebiet zwischen Fundpunkten mit sehr dichter Fundstreuung. Vielleicht bot das lokale Hornsteinvorkommen einen entsprechenden Gunstfaktor, dass hier eine so reiche, dichte und über lange Zeit und Kulturstufen hinweg, also dauerhafte Besiedlung erfolgte. Auch kann wohl von einer gewichtigen Bedeutung des Rohstoffvorkommens im Umland aus gegangen werden. Auch um die Kernsiedlungen gab es Aktivitäten wie Rodung, Feldbestellung usw. die in einen Bezug der nahen Siedlungsstellen zu bringen sind. Während der Jungsteinzeit nicht begangene Flächen dürfte es aufgrund der sehr zahlreichen Siedlungsstellen kaum gegeben haben. Somit ist jeder Acker potentielles Fundgebiet und wird auch ohne Auffälligkeiten immer wieder erneut begangen, wenn es die Verhältntisse erlauben.  Hier gilt in ähnlicher Weise, was für die heutigen Ansiedlungen gilt. Auch um die alten Dörfer mehren sich die Funde- meist Abfall oder Verluste wie Münzen- oder der sogenannte Scherbenschleier. Hier sind aus neolithischer Zeit Verluste von Sicheln, Sichelklingen, Pfeilspitzen und eben auch Beile, Äxte und Dechsel, vor allem wenn sie vor Ort unbrauchbar wurden, denkbar. Sollten keine weiteren Fundbelege an dieser Stelle mehr auftreten, ist es wohl auch mit dieser "Axt" (bzw. diesem Breitkeil)  so.

Bruchbild


Akinolith- Hornblendschiefer- (Amphibolith) 


Das neue Fragment - rechts- im Vergleich zu einem schmalhohen, seitlich durchbohrten Dechsel aus Erbach Ringingen. Der Querschnitt des Neufundes spricht für eine Axt oder einen Breitkeil, nicht für einen Dechsel. 


Der gewaschene, glänzende "Grünstein"...


Die konische Hohlbohrung. Bei dieser Bohrtechnik blieb ein Kern als Abfall zurück

Situation der Auffindung

Oberflächenfund bei absoluter Trockenheit

Ohne Bohrung wäre das Stück vielleicht nicht erkannt worden...

vor der Reinigung
 Bei der Wahl des Akinolith- Hornblendschiefers zeigt sich eine Entscheidung für einen Rohstoff mit sehr hoher Zähigkeit, was an seinem Gefüge liegt.  Die Gebiete, in denen er vorkommt (Provenienz) sind sehr weit entfernt. Die Eigenschaften des Rohmaterials machen es während der Bandkeramik, der Stichbandkeramik und der Rössener Kultur nahezu konkurrenzlos. Das Material weist große Diversität auf, was die Bestimmung des Herkunftsortes nicht einfach macht. Auch die schlechteren Qualitäten fanden reichlich Verwendung. 
Rekonstruktionsversuch. So kann, muss es aber nicht aus gesehen haben.
Zur Problematik der Repräsentaitivität von Sammlerfunden hat Ch. Schad ( Besielungsgeschichte der Bandkeramik in der Mörlener Bucht/Wetterau.BBM) aufschlussreiche Beobachtungen mit geteilt. Bei einem Vergleich mit akribischen, wissenschaftlich orientierten Aufsammlungen zeigten sich im Vergleich mit den Sammlungen von Hobbyarchäologen bemerkenswerte Unterschiede. Einer davon resultiert aus dem Interesse von Hobbyarchäologen auf Hauptfundstreuungen von Fundstellen, im Falle von etwa bandkeramischen Siedlungen die ehemals mit Häusern bebauten Flächen, wobei sich die Hobbyforscher weniger für die wichtigen Streufunde zu interessieren scheinen, die das wirtschaftliche Umfeld kennzeichnen. In Sonderbuch soll das anders sein. Streufunde wie dieser vor gestellte sind wichtig, ebenso die, die eher von Hobbysammlern als unattraktive Fundstücke liegen gelassen werden. Oft sind in solchen selektiven Absammlungen aussagekräftige, aber wichtige Fundbelege wie unverzierte Scherben, Brandlehm oder Mahlsteinfragmente unterrepräsentiert. Wenn es Ziel sein soll, alle erkennbaren und einer Zeit zuzuordnenden, auch kleinteilige Fragmente und Rohstoffe unabhängig von ihrer Erhaltung und ihrem Bearbeitunszustand auf zu lesen, wird sicher klar was es bedeutet, diese auch noch konsequent ein zu messen.  

Dienstag, 1. April 2014

502. Post Modifizierte Kernkantenklinge aus unbestimmtem Material

Eine rötliche (sekundäre) Kernkantenklinge ist die Grundform für ein unspezifisches Werkzeug.

Die Lateralen, sowie das Distalende sind sowohl nach dorsal, als auch partiell nach ventral retuschiert. Da die Negative der Ventralretuschen starken Glanz aufweisen, ist wohl von einer thermischen Behandlung aus zugehen, wie sie im Frühmesolithikum hier regelhaft auftritt. Die Distalpartie glänzt auf beiden Seiten und die Funktion ist im Bereich "Schneiden" im Distalbereich eventuell auch "Bohren" zu suchen.
Der thermischen Behandlung des Rohmaterials wegen möglicherweise aus dem Frühmesolithikum- dem Beuronien, in dem diese Behandlung -der Verbesserung der Schlageigenschaften wegen - regelhaft auftritt.

 Da die Lateralretuschen sehr unregelmäßig sind, dürften sie teilweise wohl durch Gebrauch entstanden sein.
Ventralfläche mit den glänzenden Retuschen der  linken Lateralkante

Distalende mit retuschierter, linker Lateralkante (rechts)
Kernkantenklingen sind Belege für den regelhaften Abbau einer Grundform. Sie wurden angelegt (Präparation) , um einen Leitgrat zum Abbau eines Kernsteins zu erwirken. Mit dem ersten Abschlag dieser langen Kernkante (der primären Kernkantenklinge) entstanden diese Klingen, die wegen ihrer groben Negative ohne weitere Funktion blieben ( "Abfall") Oft wurden sie, wegen ihrer Größe und Länge wohl ideal ausgeprägt als Feurschlagsteine ein gesetzt. Das belegen eindeutig verrundete Enden solcher Klingen. Die sekundäre Kernkantenklinge weist bereits das Negativ der primären Kernkantenklinge auf, zeigt also neben der Lateralen mit Negativen der vorbereitenden Abschläge bereits eine gerade Lateralkante, die diese Negative nicht hat.

Primäre Kernkantenklinge - kein Abfall, sondern Multitool: Das Distalende (oben) mündet als Bohrer mit einer entsprechenden Modifikation. Die Negative der Zurichtung für die Kernkante sind von Retuschen überprägt, während das Proximalende ( unten) die untrüglichen Verrundungen eines Feurschlagsteins aufweist. 
Modifizierte, sekundäre Kernkantenklinge Gemarkung Asch. Feuerschlagstein Wippingen, Nähe Borgerhau. 

Sonntag, 30. März 2014

501. Post. Fundeinmessung und Markierung.

Prospektiert man eine größere Fläche, ist es sinnvoll die einzelnen Fundpunkte zunächst nur zu markieren...

Dazu kann der Fund gleich in entsprechende Fundtüten gesteckt werden. In einem weiteren Arbeitsschritt werden die einzelnen Funde mit GPS ein gemessen. Mit einem wasserfesten Folienschreiber können die Geodaten entweder direkt auf die Fundtüten geschrieben werden, oder es kann ein Fundzettel angelegt werden, auf dem der Fund auch gleich nummeriert oder mit einer kurzen Ansprache

                                             Gemarkung: Sonderbuch
                                                            Gewann:  Im Geflinse
                                                            Flurstücknummer:  296
                                                            Fundart:    Keramik, Randstück,  MA
                                                            Fundnummer:  23
                                                            Geodaten, GK, Hochwert:       3589576
                                                                                       Rechtswert:    5383330

 versehen werden kann. ( Angaben frei erfunden)

Der Markierungsstäbe  stecken im Fundpunkt

Schon im Gelände bekommt man einen ersten optischen Eindruck über die Fundverteilung und eventuellen Konzentrationen...
Für diesen Zweck habe ich mir handelsübliche Pflanzenstecker wie sie im Fachhandel für Gartenbedarf erhältlich sind mit längeren Stäben modifiziert. Auf eine auffällige Farbe sollte man achten. 
Nimmt man die Prospektion nicht alleine vor, lassen sich die einzelnen Schritte gut aufteilen. 

Dienstag, 18. März 2014

500. Post. Ein neu gefundener Meißel (Ausgesplittertes Stück)

Eine besondere Artefaktkategorie sind die Ausgesplitterten Stücke

und je nachdem welche Merkmale im Vordergrund stehen werden diese Stücke mal als Kerne, manchmal als Werkzeuge oder gar als Abfälle bezeichnet.
Im Falle des heutigen Fundes gehen wir also zunächst einmal von einem (bipolaren Klingen-) Kern aus. Nachdem er auf gegeben wurde, fand er eine sekundäre Funktion als Meißel, der an beiden gegenüberstehenden Enden Aussplitterungen aufweist. Ein Ende zeigt eine lineare, zermürbte Schneide, gegenüber liegend zeigen sich Schlagspuren. Diese Negative sind also keine Retuschen. Die wenigen Ausbrüche lösten sich beim Gebrauch des Stückes. 
Fundsituation




Die Schlagfläche an einem der beiden Enden.
 Ein Ausgesplittertes Stück kann durch senkrechtes Aufschlagen mittels eines harten Schlagsteins längs der Achse eines mit der Schmalseite auf einer mehr oder weniger kompakten Grundlage aufgesetzten Artefakts entstehen ( Zit.: Foni Le Brund-Ricalens, in Steinartefakte)
Die gegenüber liegende Schmalseite
 Die genaue Funktion der Ausgesplitterten Stücke ist schwer zu ermitteln. Sie wurden im Rahmen verschiedener Aktivitäten eingesetzt. Neben der Herstellung von Gerätegrundformen ist die Zurichtung von harten, organischen Materialien wie Holz, Geweih, Knochen etc. aufgrund der zur Verfügung stehenden Gebrauchsspurenanalysen erwiesen  ( Foni Le Brund-Ricalens, in Steinartefakte)
Quasi ein "Zwischenstück" zur Nutzung als "Werkzeug" zum Brechen, Spalten, Aufsplittern, Zurichten, Einschneiden, Ausgraben usw. Leroi-Gourhan unterscheidet je nach Arbeitswinkel zwischen "Keil" und "Meißel" (Lindner 1960).
siehe auch: http://www.steinzeitwissen.de/artefakttypen/ausgesplittertes-stuck

Sonntag, 9. März 2014

499. Post. Oberflächenfunde: neolithische Keramik

Dass sich auf der Blaubeurer Alb nur sehr geringe Keramikerhaltung zeigt hat verschiedene Gründe, wie weiter unten schon auf geführt.
Besonders im Frühjahr gibt es das Phänomen einer Art "Scherbenkorridors".  Der Pflug legt die Keramik im Herbst frei und nachdem der Frost über die auf der Oberfläche liegenden Scherben ging, treten sie im Frühjahr für kurze Zeit gut sichtbar zu Tage. 
Scherben bilden im trockenen Erdreich kaum einen Kontrast und sind besonders schwer zu erkennen. Wenn die Oberflächen im Frühjahr abtrocknen, speichert das Material etwas länger die Feuchtigkeit als die sie umgebende Erde und sie treten für kurze Zeit deutlich erkennbar hervor.

Scherben gleichen sich beim Trocknen in Farbe und Struktur der zunehmend konturlosen Oberfläche an und werden vom bloßen Auge nicht mehr wahr genommen. 

UMGEKLAPPT
Die Unterseite ist noch feucht und zeigt, wie sich durch den Frost die Oberflächen langsam auflösen. Intakte Oberflächen könne wohl nur im Befund erwartet werden. Wer einmal auf der Alb einen heftigen Regenguss erlebt hat kann dazu noch nachvollziehen, wie er auf den Oberflächen dazu noch für starke Bewegung der Sedimente sorgen kann. 

498. Post. Diskoide Kerne

Diskoide Kerne aus linienandkeramischem Kontext ?

Diskoide Kerne dienten wie die regelmäßigen Klingenkerne dem Abbau von Abschlagserien. Auf einem Siedlungsplatz, auf dem linienbandkeramische Artefakte deutlich überwiegen und die LBK auch eindeutig nachgewiesen werden konnte, liegt aber auch inzwischen eine Reihe von diskoiden Kernen vor. Heute lagen drei davon auf der Oberfläche. Diskoide Kerne kommen seit dem frühen Altpaläoliothikum vor, erscheinen gelegentlich aber auch noch im Neolithikum. (Bekannte Problematik bei der Bestimmung von Oberflächenfunden tritt hier deutlich hervor) (Siehe: Lutz Fiedler, in Steinartefakte, Kerns Verlag 2012, Hrsg. Harald Floss)

Seit dem Paläolothikum wurden verschiedene Methoden des Abbaues von Serienabschlägen entwickelt, wovon auf der Fundfläche die regelmäßigen Klingenkerne des frühen Neolithikums und des Jungneolithikums überwiegen. Die technologische Vielfalt und auch die formale Vielfalt sind insgesamt groß. 

Der hier vorgestellte Kern besitzt eine annäherend ovale Kontur, wirkt auf den ersten Blick wie ein Kerngerät, wirkt linsenförmig. Die Abbaurichtung der Abschläge ist umlaufend zentripetal. Richtungswechselnde Abschläge auf beiden Flächen sind vorhanden, wobei zum Ende des Abbaus eine Präferenz für eine Seite aus zu machen ist.


Die Abbaukante: Es wurden jeweils die Negative der vorausgegangenen,  auf der Gegenseite produzierten Serie als Schlagflächen der folgenden benutzt.

Eine der Abbaukanten zeigt eine Überprägung durch Gebrauch in einer sekundären Funktion., siehe nächstes Bild:

Die Kante ist zerrüttet.

An dieser Stelle blieben letztlich die Ablösungen in die entgegengesetzte Richtung stecken. 

Drei der heute aufgenommenen Kerne mit gleicher Abbautechnik, die aus der Masse der hier gefundenen Belege herausragen.
Als Neufunde sind diese Kerne im Gegensatz von Altfunden ein gemessen. Es ist auffällig, dass ihr Auftreten auf einem bestimmten Bereich einer im weiteren Verlauf nach Norden abfallenden Hochfläche begrenzt zu sein scheint.