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Freitag, 9. Mai 2014

507. Post. Aus mittelneolithischem Kontext ( Stichbandkeramik und Oberlauterbach) kommen...

151 Bohrer von einer einzigen Siedlung...

Neufunde wurden und werden nachträglich ergänzend an gehängt.
Foto 1 - 52 Bohrer, meist geschultert, und Bohrerspitzen (Dorne)

Foto2, Bohrer 53 bis 82 
Foto 3, Bohrer 83-89 aus 2014

Sonderbuch "Grund" ist die erste, 2006 durch Grabungsbefunde belegte, mittelneolithische Siedlung auf der südöstlichen schwäbischen Alb. Das Grabungsinventar( gesamt 7300 Artefakte) , das überwiegend aus unmodifizierten Abschlägen besteht ( 5012) sowie 1193 Klingen, spiegelt auch, dass das Vorkommen von Bohrern hier sehr hoch ist.  Unter 107 modifizierten Artefakten, das sind 1,5 % des Gesamtinventars, sind allein 62 Bohrer. Aus den Absammlungen von Herrn Helmut Mollenkopf, Treffensbuch,  wurden ca. 6800 Artefakte in die Auswertungen ein bezogen. Einzelfundeinmessungen fanden zu diesem Zeitpunkt nicht statt. Die Grabungsmannschaft hat zusätzlich 3800 Oberflächenfunde in der Fläche per Hand-GPS eingemessen. Meine Sammlung weist momentan 151 Bohrer auf, wobei der Inhalt zahlreicher Fundtüten noch keiner näheren Begutachtung und Reinigung unterzogen wurde. (Gesamtanzahl Bohrer,  213 bisher erfasst) Die Keramik konnte der mittelneolithischen Zeit der Stichbandkeramik zugeordnet werden. Ebenfalls wurden hier Scherben der zeitgleichen Oberlauterbach-Gruppe gefunden. Die Sonderbucher Sammlung fand keinen Eingang in die Auswertungen. Es handelt sich bei allen Bohrern fast ausschließlich um Klingenbohrer.

Nachtrag: ( 21.05.2014)
Foto 4. Bohrer  90 bis 99 aus 2014
Bevorzugtes Siedelgebiet des Mittelneolithikums waren neben Flussläufen auch höher gelegene Orte oberhalb von Flusstälern, wie es in Sonderbuch der Fall ist. Das gilt sowohl für die Stichbandkeramik, wie auch die mit ihr verwandte Oberlauterbacher-Gruppe. Die letztgenannte war vor allem in Niederbayern, der südlichen Oberpfalz und im bayrisch Schwaben verbreitet. Diese war lange ein Stiefkind der Archäologie. Bei beiden Kulturträgern handelt es sich nicht um Einwanderer, sondern sie stammen von den voran gegangenen Linienbandkeramikern ab. Wie sie wohnten sie in 30m langen, deshalb Langhäusern. Entsprechend groß sind die Fundflächen aus den Aktivitätszonen im Kontext auch nur eines Hauses. Die Siedlung Grund ist wohl eine stichbandkeramische Siedlung. Als Studentenweisheit gilt, dass nicht überall wo Meißner Porzellan gefunden wird auch Sachsen wohnen. Es wurde öfter auf die hohe Rate des gemeinsamen Vorkommens von Stichbandkeramik und Oberlauterbach hingewiesen (bsp. Bayerlein 1985) Man geht überwiegend davon aus, dass es sich um zwei verschiedene Kulturgruppen handelt, das gleichzeitige Vorkommen aber am ehesten auf Austausch beruht. Wenn hier zeitgleiche, aber kulturell zu trennende Siedlungen nicht in räumlicher Nähe zueinander standen, könnte die Oberlauterbacher Keramik ein Import aus dem niederbayrischen Kerngebiet sein. Die Stichbandkeramik und die Oberlauterbach Gruppe datieren etwa 4900 bis 4500 vor Christus.

Foto 5. Bohrer 100 bis 110 aus 2014
Die Bohrer, auf Siedlung "Grund" in sehr auffällig großer Zahl gefunden, müssen eine sehr ausgeprägte Verwendung gehabt haben. Definitionsgemäß weisen Bohrer zwei retuschierte Kanten auf, die sich in einer deutlichen Spitze treffen. Die hier steilen Retuschen sind überwiegend dorsal an gebracht, können aber auch ventral oder alternierend angelegt worden sein (Vrgl. Gehlen, Steinartefakte 2012) Die Bohrerdorne vom Grund sind häufig durch eine mehr oder weniger deutliche Schulter vom übrigen, meist kurzen Teil der Kante abgesetzt. Bei einer zweiten Form führen zwei kontinuierlich retuschierte Kanten auf die Spitze zu. Abgrenzungsprobleme zu Spitzklingen sind bisher nicht erkennbar, da die Letztgenannten bisher fehlen. Sie wurden in Sonderbuch nirgends gefunden bzw, nicht erkannt.
Foto 6. Bohrer 111 bis 120 aus 2014
Wozu diese Bohrer, und warum in so auffällig großer Zahl? Die Stichbandkeramiker, wie auch die Leute der Oberlauterbach Gruppe waren wie ihre Vorfahren in erster Linie Ackerbauern und Viehzüchter. Die Jagd spielt keine wichtige Rolle. Sie Bauten Getreide, Linsen, Erbsen an und hielten Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine. Sie tauschten mit Saatgut, Getreide und Mehl, aber auch ihren Tieren, Tongefäße, deren Verzierung den Kulturen ihren Namen gab, sowie seltenen Steinarten wie etwa den bayrischen Plattensilex. Letzterer kommt auch vereinzelt auf der Siedlung Grund vor, in Form von langschmalen Klingen, deren in der LBK einsetzende Bevorzugung sich im Mittelneolithikum fort setzt und die mit ein Grund für die systematische Ausbeutung des Plattensilex war.
Foto 7. Bohrer 121 bis 131 aus 2014
Über den Einsatz von Bohrern weiß man nicht allzu viel. Sie fanden schon im Paläolithikum Verwendung. Sie wurden zum Durchlochen sehr unterschiedlicher Materialien verwendet. Dabei ist auffällig, dass sie ungeachtet der Materialien die damit bearbeitet wurden sehr in Breite, Dicke genormt erscheinen, egal ob sie nun aus der Grundform Abschlag oder Klinge gefertigt wurden. Sie erscheinen hier im Mittelneolithikum grundsätzlich etwas kleiner als in der Linienbandkeramik. Die ebenfalls eher kleinen Bohrer der ältesten Linienbandkeramik bringt man mit der Herstellung von Steinperlen in Verbindung. Außerdem geht man in der Regel von Schäftungen aus. Die Längen der Bohrerdorne und Geräte insgesamt sind variabler als die Breiten und Dicken ( Birgit Gehlen, Steinartefakte, 2012) Das spricht wohl für den Abnutzungsgrad der Dorne.
Foto 8. Oben Bohrer 132 bis 136
unten: Halbfabrikate. Sie weisen nur eine Schulter und noch keinen fertigen Dorn auf.
ebenfalls aus diesem Jahr/ 2014
Was etwas Licht in das Dunkel der Frage nach der Verwendung/  dem Gebrauch  bringt, sind die makroskopisch untersuchten Gebrauchsspuren der Bohrer. Die Mikrogebrauchsspuren sind bislang am häufigsten an Bohrern der Linienbandkeramik untersucht worden. Jean-Paul Caspar (1984) kommt dabei auf die Verwendung durch das Bohren von Holz und Haut. Auch in den mittelneolithischen Siedlungen Südostbayerns ist eine markante Rolle dieser Geräte feststellbar. Im südmittelfränkischen Alpenvorland (Gehlen, Davis 1975, Grillo 1997) soll es Bohreranteile bei den modifizierten Geräten von bis zu 30 % geben. Doch nicht alle Bohrer waren geschäftet. Es sind generell auch Arbeitsspuren an den Kanten von Bohrern zu beobachten, sogar Lackglanz kommt vor.
Eine mögliche Verwendung von Bohrern ist die Durchbohrung von Kalksteinperlen. In Gaimersheim (Kreis Eichstätt) in Bayern wurden Perlen einer vermutlich mittelneolithischen Schmuckwerkstätte gefunden, die der Oberlauterbach Gruppe zu geschrieben wird. Oben Sammlung R.Bollow, Bilder C.Fuchs.
aus: Steinzeitwissen.de)

Nachtrag: 22.05.2014
Foto 9. Bohrer 137 bis 146 aus 2014
Nachtrag; 30.5.2014
Foto 10. Bohrer 147 bis 151 aus 2014
Nachtrag 15.6.2014
Möglicherweise derselbe Zeithorizont: Zum Verwechseln gleiche Bohrer aus einer Siedlung bei Wippingen, also schon Ulmer Alb, die sich  nicht an die modernen Grenzen halten will. Sie liegt unmittelbar auf Wippinger/Sonderbucher Grenze und dem Pingenfeld Borgerhau am nächsten. Sie kommen wohl nicht nur aus einem vergleichbaren Technokomplex und Zeithorizont, sondern scheinen auch hier häufig zu sein.

 premier visiteur de Kamerun./ beaucoup de plaisir sur mon blog!

506. Post. Ein ausgesplittertes Stück aus Wippingen

Wie ein grober "biface", dem die Spitze abhanden gekommen ist,  erscheint auf den ersten Blick ein aus gesplittertes Stück aus Wippingen. 

Die Grundform war ein mehr oder weniger gezielter Abschlag, möglichweise ein Präparationsabschlag der Grobzerlegung.
Dorsalseite eines breit-kurzen Abschlages. Links die Arbeitskante (Distalende der Grundform), rechts die Gegenseite (Proximalende der Grundform)

Die Ventralseite der Grundform. Links Mitte der Sitz des ehemaligen Schlagflächenrestes, der durch den Gebrauch abhanden kam.

Auf diese Kante wurde ein Gegenstand geführt, etwa um die Arbeitskante gegenüber in ein Werkstück zu treiben, also etwas zu zertrümmern oder zu spalten bzw zu zerteilen.  . Platt gesagt, hier wurde drauf geschlagen. Das Proximalende der Grundform ist durch diesen wiederholten Impact zertrümmert.


Das Distalende der Grundform, die Retuschen der Arbeitskante

ventral sind die Auswirkungen des Gebrauchs weniger ausgeprägt als

Dorsal, auf denen sich die unregelmäßigen Ausbrüche (durch den Gebrauch entstanden)  zeigen. Diese Tatsache bezeugt wohl  einen geneigten Schlagwinkel, heißt, das hier vorliegende Zwischenstück wurde nicht senkrecht aufgesetzt. Bei  vielen Techniken des Zerspanens sind geneigte Schneidewinkel notwendig.
Siehe auch: http://www.steinzeitwissen.de/artefakttypen/ausgesplittertes-stuck
 Vergleiche auch: Post Nr. 500 

Mittwoch, 7. Mai 2014

504. Post. Silex unbekannter Provenienz.

Ungewöhnliches Rohmaterial von einer der Borgerhau-Pingen am nächsten gelegenen Siedlung.

Ein deutlicher Schlagkegel ( Hertzscher Kegelbruch) kennzeichnet ein Rohstück (Kerntrümmer) einer neolithischen Siedlung auf Wippinger Markung. Es handelt sich um ein deutlich abgerolltes Flussgeröll. Möglicherweise wurde es aus den alten Donauschottern aus gelesen, könnte aber auch aus einer Endmoräne stammen. 
Vermutlich handelt es sich um Kreidefeuerstein, der hier geologisch nicht ansteht. Ob Menschenhände ihn in seine jetzige Form brachten, bleibt vorerst unklar. 
Das Trümmerstück ...

Oben der Schlag- Kegel, der einen ziemlich gewaltigen Impact belegt.

Ob der Schlagkegel intentionell entstand, bleibt dahin gestellt.  Die Wahrscheinlichkeit, dass das Rohmaterial aber nicht zufällig in den Siedlungsbereich gelangt ist, ist sehr groß. Die Bruchstellen erscheinen so frisch, dass ein rezenter Vorgang nicht aus geschlossen werden kann. 

Grauweiß , patiniert und abgerollt: Die natürliche "Rinde".
Die Siedlungsstelle liegt direkt an den Hornsteinabbaustellen des Borgerhau, heißt die Grundversorgung der Siedler mit dem Rohmaterial Hornstein war sehr gut. Im Umfeld der Fundstelle wurden mehrere mittelpaläolithische Artefakte geborgen. Möglicherweise datiert das hierher verbrachte Material auch in eine Zeit, in der die Lagerstätte des Borgerhau noch nicht erschlossen war. Das Rohmaterialspektrum aller Siedlungs bzw. Fundstellen ist fast ausschließlich auf den lokal anstehenden Hornstein beschränkt. Nur wenige Funde wie dieser belegen auch andere Quellen, falls ein zufälliges, möglicherweise sogar rezentes Einbringen in die Fundfläche aus geschlossen werden kann. Sicherheiten bieten nur intakte Befunde, aus ungestörter Stratigraphie.
Vergleichbarer Kreidefeuerstein vom Ostseestrand (Travemünde, Exkursion 1994)

Freitag, 11. April 2014

503. Post. Durchbohrtes Gerät aus Felsgestein (vermutlich eine Axt bzw. ein Breitkeil) ...

oder die Jagd nach dem "grünen Gestein"...

Auf einem völlig neuen Fundplatz gab der staubige Acker heute ein Gerät aus Felsgestein frei...

(siehe auch: http://www.steinzeitwissen.de/durchlochte-felssteingerate...)

Unweit einer 2005 entdeckten Siedlungsstelle lag das Fragment auf einem ansonsten Fund freien Acker und die Entwicklung dort bleibt ab zu warten. Eventuell handelt es sich nur um einen einzelnen "Verlustfund" aus der Peripherie der schon bekannten Siedlung. Da die Oberflächen frisch bestellt und äußerst trocken sind, ist es durchaus noch möglich, dass sich dazu noch Silices einstellen. 
Eine der vollständig erhaltenen Oberflächen, die leicht in der Längsachse an einer Kante facettiert ist. 
Die Siedlungsstrukturen um die Hornsteinabbaustelle Borgerhau sind nicht hinreichend erforscht. Sie geben sich auf den Oberflächen durch unvergängliche Materialien zu erkennen. Dort, wo sich vor allem die Hornsteinfragmente aus der Geräteproduktion häufen, sind zentrale Aktivitätszonen, respektive Siedlungen an zu nehmen. Um den Borgerhau gibt es einen sehr weiten, mal dichteren, mal weniger dichten Verflechtungsraum von Ansiedlungen, oft mit wenig Nichtsiedelgebiet zwischen Fundpunkten mit sehr dichter Fundstreuung. Vielleicht bot das lokale Hornsteinvorkommen einen entsprechenden Gunstfaktor, dass hier eine so reiche, dichte und über lange Zeit und Kulturstufen hinweg, also dauerhafte Besiedlung erfolgte. Auch kann wohl von einer gewichtigen Bedeutung des Rohstoffvorkommens im Umland aus gegangen werden. Auch um die Kernsiedlungen gab es Aktivitäten wie Rodung, Feldbestellung usw. die in einen Bezug der nahen Siedlungsstellen zu bringen sind. Während der Jungsteinzeit nicht begangene Flächen dürfte es aufgrund der sehr zahlreichen Siedlungsstellen kaum gegeben haben. Somit ist jeder Acker potentielles Fundgebiet und wird auch ohne Auffälligkeiten immer wieder erneut begangen, wenn es die Verhältntisse erlauben.  Hier gilt in ähnlicher Weise, was für die heutigen Ansiedlungen gilt. Auch um die alten Dörfer mehren sich die Funde- meist Abfall oder Verluste wie Münzen- oder der sogenannte Scherbenschleier. Hier sind aus neolithischer Zeit Verluste von Sicheln, Sichelklingen, Pfeilspitzen und eben auch Beile, Äxte und Dechsel, vor allem wenn sie vor Ort unbrauchbar wurden, denkbar. Sollten keine weiteren Fundbelege an dieser Stelle mehr auftreten, ist es wohl auch mit dieser "Axt" (bzw. diesem Breitkeil)  so.

Bruchbild


Akinolith- Hornblendschiefer- (Amphibolith) 


Das neue Fragment - rechts- im Vergleich zu einem schmalhohen, seitlich durchbohrten Dechsel aus Erbach Ringingen. Der Querschnitt des Neufundes spricht für eine Axt oder einen Breitkeil, nicht für einen Dechsel. 


Der gewaschene, glänzende "Grünstein"...


Die konische Hohlbohrung. Bei dieser Bohrtechnik blieb ein Kern als Abfall zurück

Situation der Auffindung

Oberflächenfund bei absoluter Trockenheit

Ohne Bohrung wäre das Stück vielleicht nicht erkannt worden...

vor der Reinigung
 Bei der Wahl des Akinolith- Hornblendschiefers zeigt sich eine Entscheidung für einen Rohstoff mit sehr hoher Zähigkeit, was an seinem Gefüge liegt.  Die Gebiete, in denen er vorkommt (Provenienz) sind sehr weit entfernt. Die Eigenschaften des Rohmaterials machen es während der Bandkeramik, der Stichbandkeramik und der Rössener Kultur nahezu konkurrenzlos. Das Material weist große Diversität auf, was die Bestimmung des Herkunftsortes nicht einfach macht. Auch die schlechteren Qualitäten fanden reichlich Verwendung. 
Rekonstruktionsversuch. So kann, muss es aber nicht aus gesehen haben.
Zur Problematik der Repräsentaitivität von Sammlerfunden hat Ch. Schad ( Besielungsgeschichte der Bandkeramik in der Mörlener Bucht/Wetterau.BBM) aufschlussreiche Beobachtungen mit geteilt. Bei einem Vergleich mit akribischen, wissenschaftlich orientierten Aufsammlungen zeigten sich im Vergleich mit den Sammlungen von Hobbyarchäologen bemerkenswerte Unterschiede. Einer davon resultiert aus dem Interesse von Hobbyarchäologen auf Hauptfundstreuungen von Fundstellen, im Falle von etwa bandkeramischen Siedlungen die ehemals mit Häusern bebauten Flächen, wobei sich die Hobbyforscher weniger für die wichtigen Streufunde zu interessieren scheinen, die das wirtschaftliche Umfeld kennzeichnen. In Sonderbuch soll das anders sein. Streufunde wie dieser vor gestellte sind wichtig, ebenso die, die eher von Hobbysammlern als unattraktive Fundstücke liegen gelassen werden. Oft sind in solchen selektiven Absammlungen aussagekräftige, aber wichtige Fundbelege wie unverzierte Scherben, Brandlehm oder Mahlsteinfragmente unterrepräsentiert. Wenn es Ziel sein soll, alle erkennbaren und einer Zeit zuzuordnenden, auch kleinteilige Fragmente und Rohstoffe unabhängig von ihrer Erhaltung und ihrem Bearbeitunszustand auf zu lesen, wird sicher klar was es bedeutet, diese auch noch konsequent ein zu messen.  

Dienstag, 1. April 2014

502. Post Modifizierte Kernkantenklinge aus unbestimmtem Material

Eine rötliche (sekundäre) Kernkantenklinge ist die Grundform für ein unspezifisches Werkzeug.

Die Lateralen, sowie das Distalende sind sowohl nach dorsal, als auch partiell nach ventral retuschiert. Da die Negative der Ventralretuschen starken Glanz aufweisen, ist wohl von einer thermischen Behandlung aus zugehen, wie sie im Frühmesolithikum hier regelhaft auftritt. Die Distalpartie glänzt auf beiden Seiten und die Funktion ist im Bereich "Schneiden" im Distalbereich eventuell auch "Bohren" zu suchen.
Der thermischen Behandlung des Rohmaterials wegen möglicherweise aus dem Frühmesolithikum- dem Beuronien, in dem diese Behandlung -der Verbesserung der Schlageigenschaften wegen - regelhaft auftritt.

 Da die Lateralretuschen sehr unregelmäßig sind, dürften sie teilweise wohl durch Gebrauch entstanden sein.
Ventralfläche mit den glänzenden Retuschen der  linken Lateralkante

Distalende mit retuschierter, linker Lateralkante (rechts)
Kernkantenklingen sind Belege für den regelhaften Abbau einer Grundform. Sie wurden angelegt (Präparation) , um einen Leitgrat zum Abbau eines Kernsteins zu erwirken. Mit dem ersten Abschlag dieser langen Kernkante (der primären Kernkantenklinge) entstanden diese Klingen, die wegen ihrer groben Negative ohne weitere Funktion blieben ( "Abfall") Oft wurden sie, wegen ihrer Größe und Länge wohl ideal ausgeprägt als Feurschlagsteine ein gesetzt. Das belegen eindeutig verrundete Enden solcher Klingen. Die sekundäre Kernkantenklinge weist bereits das Negativ der primären Kernkantenklinge auf, zeigt also neben der Lateralen mit Negativen der vorbereitenden Abschläge bereits eine gerade Lateralkante, die diese Negative nicht hat.

Primäre Kernkantenklinge - kein Abfall, sondern Multitool: Das Distalende (oben) mündet als Bohrer mit einer entsprechenden Modifikation. Die Negative der Zurichtung für die Kernkante sind von Retuschen überprägt, während das Proximalende ( unten) die untrüglichen Verrundungen eines Feurschlagsteins aufweist. 
Modifizierte, sekundäre Kernkantenklinge Gemarkung Asch. Feuerschlagstein Wippingen, Nähe Borgerhau. 

Sonntag, 30. März 2014

501. Post. Fundeinmessung und Markierung.

Prospektiert man eine größere Fläche, ist es sinnvoll die einzelnen Fundpunkte zunächst nur zu markieren...

Dazu kann der Fund gleich in entsprechende Fundtüten gesteckt werden. In einem weiteren Arbeitsschritt werden die einzelnen Funde mit GPS ein gemessen. Mit einem wasserfesten Folienschreiber können die Geodaten entweder direkt auf die Fundtüten geschrieben werden, oder es kann ein Fundzettel angelegt werden, auf dem der Fund auch gleich nummeriert oder mit einer kurzen Ansprache

                                             Gemarkung: Sonderbuch
                                                            Gewann:  Im Geflinse
                                                            Flurstücknummer:  296
                                                            Fundart:    Keramik, Randstück,  MA
                                                            Fundnummer:  23
                                                            Geodaten, GK, Hochwert:       3589576
                                                                                       Rechtswert:    5383330

 versehen werden kann. ( Angaben frei erfunden)

Der Markierungsstäbe  stecken im Fundpunkt

Schon im Gelände bekommt man einen ersten optischen Eindruck über die Fundverteilung und eventuellen Konzentrationen...
Für diesen Zweck habe ich mir handelsübliche Pflanzenstecker wie sie im Fachhandel für Gartenbedarf erhältlich sind mit längeren Stäben modifiziert. Auf eine auffällige Farbe sollte man achten. 
Nimmt man die Prospektion nicht alleine vor, lassen sich die einzelnen Schritte gut aufteilen. 

Dienstag, 18. März 2014

500. Post. Ein neu gefundener Meißel (Ausgesplittertes Stück)

Eine besondere Artefaktkategorie sind die Ausgesplitterten Stücke

und je nachdem welche Merkmale im Vordergrund stehen werden diese Stücke mal als Kerne, manchmal als Werkzeuge oder gar als Abfälle bezeichnet.
Im Falle des heutigen Fundes gehen wir also zunächst einmal von einem (bipolaren Klingen-) Kern aus. Nachdem er auf gegeben wurde, fand er eine sekundäre Funktion als Meißel, der an beiden gegenüberstehenden Enden Aussplitterungen aufweist. Ein Ende zeigt eine lineare, zermürbte Schneide, gegenüber liegend zeigen sich Schlagspuren. Diese Negative sind also keine Retuschen. Die wenigen Ausbrüche lösten sich beim Gebrauch des Stückes. 
Fundsituation




Die Schlagfläche an einem der beiden Enden.
 Ein Ausgesplittertes Stück kann durch senkrechtes Aufschlagen mittels eines harten Schlagsteins längs der Achse eines mit der Schmalseite auf einer mehr oder weniger kompakten Grundlage aufgesetzten Artefakts entstehen ( Zit.: Foni Le Brund-Ricalens, in Steinartefakte)
Die gegenüber liegende Schmalseite
 Die genaue Funktion der Ausgesplitterten Stücke ist schwer zu ermitteln. Sie wurden im Rahmen verschiedener Aktivitäten eingesetzt. Neben der Herstellung von Gerätegrundformen ist die Zurichtung von harten, organischen Materialien wie Holz, Geweih, Knochen etc. aufgrund der zur Verfügung stehenden Gebrauchsspurenanalysen erwiesen  ( Foni Le Brund-Ricalens, in Steinartefakte)
Quasi ein "Zwischenstück" zur Nutzung als "Werkzeug" zum Brechen, Spalten, Aufsplittern, Zurichten, Einschneiden, Ausgraben usw. Leroi-Gourhan unterscheidet je nach Arbeitswinkel zwischen "Keil" und "Meißel" (Lindner 1960).
siehe auch: http://www.steinzeitwissen.de/artefakttypen/ausgesplittertes-stuck