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Samstag, 17. September 2016

625. Post.Weiterer Lesefund zum Thema: Bifacielles aus Sonderbuch

Zu einem in der Nähe des neuen Fundortes gefundenen und schon vorgestellten "Glisbeil", das wohl in das Jungneolithikum datieren dürfte,

gesellt sich ein weiteres Stück, mit ähnlicher Morphologie...

Das beidsetig, flächenretuschierte Werkzeug zeigt unilateral eindeutig eine überprägende Formgebungsretusche. Die Grundform ist unklar. Entweder handelt es sich um einen dicken Abschlag, oder es ist ein bifaziales Kerngerät.

Die Funktion ist ebenfalls unklar. Ähnliche Geräte wurden oft als (bifacielle) Schaber bezeichnet, auch wenn sie aus eindeutig jungneolithischem Kontext stammen. Der Zeithorizont ist hier jedoch unklar.   






Eine Lateralretusche wirkt schuppig und zeigt, dass es sich hier
eventuell dorch um die Ventralfläche einer Abschlagsgrundform handelt.



durch Gebrauch verrundete Kante

...Glisbeil & Co von einem über lange Zeiträume belegten Siedlungshügel bei Sonderbuch, der überwiegend Artefakte der Linienbandkeramik, aber auch paläolithische, sowie mittel- und jungneolithische Artefakte zeitigte. Dazu gibt es einige getemperte Silices, Stücke die einer Hitzebehandlung unterzogen wurden, wie sie im hiesigen Frühmesolithikum vorkommt und ebenfalls sehr kleine Kerne. Damit zeigt dieser Platz alle steinzeitlichen Zeithorizonte und die zeitliche Einordnung der von der Oberfläche geborgenen Artefakte kann sich dementsprechend schwierig gestalten. Eine vergleichbar spannendere Freilandfundstelle ist mir  auf der Blaubeurer Alb nicht bekannt,zumal es wohl auch noch eine bronzezeitliche Komponente in Form von Grabhügeln gegeben haben muss, die inzwischen alle abgepflügt wuden. Zudem hat sich durch Zusammenlegung von Fluren mittlerweile die bisherige Pflugrichtung geändert und die urspüngliche Fundeinteilung auf vier Parzellen/Flurstücke  ist hinfällig und alte Absammlungen müssen mit den alten Karten verortet werden. Durch das heutige Aufnahmesystem mittels GPS ist dies zwar unerheblich, aber zeigt, welche Halbwertszeit die ohnehin reduzierte Genauigkeit einer Fundmeldung die sich auf Angabe des Flurstückes beschränkt, haben kann...Mehr als die Angaben von Flurstücksnummern, notfalls deren Teilbereiche sahen die alten Fundmeldungen nicht vor. Einmessungen erfolgten meinerseits durch Einsicht ohne Vorgaben der Denkmalpflege und sollten heutigentags Standard sein. Ausreichende Daten liefert heute jedes mobile Telefon für die es auch schon lange passende Apps gibt.

Erster und zweiter Eindruck eines Laien können jedoch die wissenschaftliche Analyse nicht ersetzen und ergibt oft neue Aspekte und völlig andere Ergebnisse. Gut, dass jetzt größere Teile der Sammlung in wissenschaftliche Arbeiten einfließen können.

Wie archaische Werkzeuge wirken auch die zahlreichen diskoiden Kerne von diesem Flurstück:

Symmetrie am Kern...oder doch ein Kerngerät? Kerne wie dieser
kantenretuschierte, diskoide Kern führten dazu, dass diese gelegentlich als
Schaber angesrpochen werden.

Das bifacielle Werkzeug - keine Garantie für das paläolothische Novum

Freitag, 16. September 2016

624. Post. Bilder vom Tag der offenen Höhle am Geißenklösterle Blaubeuren

Alle Jahre wieder- mit altbekannten und neuen Gesichtern 2016 während eines scheinbar nicht mehr enden wollenden Sommers...



Fundbestimmung und Anlaufstelle für alle Fragen der Artefaktmorphologie, 
diesmal mit Oberflächenfunden der Blaubeurer Alb- ua.
aus der Sammlung Robert Bollow.
Mehrere Jahre ein Beitrag von Professor Müller-Beck. zum Tag der offenen
Höhle..ein altbekanntes Gesicht, das fehlt.


Ein neues Gesicht, nicht nur zu Fragen der Artefaktmorphologie:
Benjamin Schürch, Bachelor und Masterstudent der
Eberhardt Karls Universität Tübingen, der sich seit einiger Zeit
mit den Oberflächen-Sammlungen der Blaubeurer Alb beschäftigt.
Vorstandsmitglied der GfU (studentischer Vertreter des erweiterten
Vorstands)
Vorgelegt:
Aus der Sammlung Bollow (u.a.) 




Nachgefragt...
bei Hannes Wiedmann


Was Du bist, bin ich gewesen,
was ich bin, das wirst Du sein...

Ein Mitteldeutscher aus dem Mittelalter spricht
zu den Besuchern


Vorgestellt:
Ergebnisse der Aktion UMGEPFLÜGT...und ausgewertet,
irgendwo muss man ja mal anfangen...unter den Zehntausenden
von Artefakten...

Eingenebelt,
beim Stockbrotbacken

Abgeschabt,
Wie ein Speer entsteht...
einer der beiden Künstler am Silex
"Gefaked"
Zu schön um wahr zu sein...
Marek Thomanek bringt perfekte Werkzeuge unter die
heutigen Jäger und Sammler, die einmal durch ihre Perfektion,
zum anderen durch zahlreiche Varietäten des Rohmaterials beeindrucken.

Abgefeuert


Eingehakt und
Weggeschleudert

Eingehakt:
Ende einer Speerschleuder
Experimentelle Archäologie

Experimentelle Archäologie

Nachgebaut:
Vorschlag zur Verwendung mittelpaläolithischer Spitzen.
Experimentelle Archäologie

Schöningen lässt grüßen:
Experimentelle Archäologie


Perfekt erklärt...

Nachgekocht:
 Der Klebstoff der Steinzeit/ Birkenteer

Wer traut sich?

Selbstverständlich ist auch an solchen Tagen immer noch Zeit nach zu schauen, was auf der Alb herausgepflügt wurde:

Hochglänzender und eventuell getemperter Klingenkern
aus dem Bereich mit paläolithischen Funden und einem neolithischen
Schwerpunkt

der Kern hat eine fazettierte Schlagfläche

Abschlaggerät- mit Retusche nach ventral am Proximalende.
Hier wurde der Bulbus weg genommen, um eine gerade
(Arbeits-?)Kante zu erzielen.


Auch die letzten Jäger des Neolithikums sandten morgens einen Gruß
zum Tag der offenen Höhle...
(Stichbandkeramische Siedlung, mittleres Neolithikum, Sonderbuch)