Powered By Blogger

Mittwoch, 9. Dezember 2015

576. Post. Kleiner diskoider Kern...

Die besondere geologische Situation an alten Erdfällen schafft Funde an die Oberfläche...

z .B. diesen diskoiden, stark patinierten Kern.
durch die kompakte, kleine,gedrungene Erscheinung
weitgehend intakt, aber stark bestoßen...

Diskoide Kerne dienten dem Abbau von Abschlagserien .
Sie kommen seit dem frühen Altpaläolithikum vor und
erscheinen gelegentlich noch im Neolithikum. (Lutz Fiedler in:
Steinartefakte, Tübingen 2012)

deutlich: der linsenförmige Querschnitt, zentripetales Abbauschema
 In der fossilen Karstlandschaft der Alb kann das Wasser an der Oberfläche nicht fließen. Boden wird deshalb  am ehesten noch in die nächste Karstspalte geschwemmt. Großflächige Bodenerosion ist deshalb auch auf vegetationsfreiem Gelände an besondere Wetterlagen gebunden, bei denen die Karsthohlräume durch Bodenfrost noch verschlossen sind, während der Oberboden schon aufgetaut sein kann. Wenn die Erosion angreifen kann, wird zuerst der Feinlehm aus den Oberböden in die Senken gespült, wo steinfreie, lößlehmähnliche Feinlehme entstehen, die man oft Lixer oder Lichse nennt, was sich vielerorts auch in Flurnamen niederschlägt. In viel größerem Maße als heute herrschte auf der Alb die Bodenerosion in den vegetationsarmen Kälteperioden des Eiszeitalters, als der Dauerfrost im Untergrund die Verkarstung völlig ausgeschaltet hatte. Damals wanderte der Bodenbrei in der Wasser übersättigten Auftauzone als Fließerde schon bei einem sehr geringen Gefälle hangwärts. Dies scheint auf der Flur Breite der Fall zu sein, wo sich ein ehemaliges Flussbett befinden soll und der Boden besonders und auffallend tiefgründig ist. Hier liegen die besten Böden um Sonderbuch. Eine solche Situation muss auch um die Sonderbucher Erdfälle bestanden haben und das natürliche Gefälle ist heute noch erhalten, zumal Erdfälle oft wie Vulkane zu schlafen scheinen, aber weiterhin aktiv sind und hier Erde neu nachrutschen kann, wenn unterirdisch Kammern einbrechen. Die Verkarstung schreitet ungebremst voran.  Irgendwo an diesen leichten Hängen und Senken muss es wohl der Fall sein, dass tiefer gelegene Schichten am Hang abbrechen und ehemalige Oberflächen zu Tage treten und Hinterlassenschaften früher Siedler oder gar paläolithischer Jäger mit zu Tage treten können.  Die Erdfälle schlucken bis heute wohl das Oberflächenwasser und wohl auch die besten Böden. Dort wo sie über die Jahre zugeschüttet wurden, wurden auch die besten Böden versenkt. Die Erdfälle wirkten wohl während der gesamten Zeit ihrer Existenz als Sedimentfallen und müssen daher auch bei zivilisatorischer Nutzung, wenn dort Menschen sich aufhielten und Abfälle zurückließen, auch deren Spuren bewahrt haben. Bestehende Erdfälle sind in der Regel auch aus anderen Gründen heute meist streng geschützt. In früheren Zeiten dienten sie oft als Müllkippen und mancher Ort auf der Alb kennt irgendeine solche Stelle in der auch ganze Autowracks verschwunden sein sollen. Als Belege für den Karst genießen sie heute vor allem als Naturdenkmale Schutz und nur wenige gerieten in den Fokus von Forschungsmaßnahmen.
Darauf, dass diese temporären bis permanenten Wasserstellen Anziehungspunkte für Mensch und Tier gewesen sein könnten, wurde schon an anderer Stelle ausführlich eingegangen. Dies ist lediglich eine Hypothese, die vielleicht nicht zu beweisen ist.

Dienstag, 8. Dezember 2015

575. Post. Unilateral retuschierter Abschlag.

Aus dem Oberflächenkontext zeitlich differierender, jedoch in der Hauptfundmasse neolithischer Artefakte um einen zugeschütteten Erdfall bei Sonderbuch, stammt ein bemerkenswertes Artefakt aus dunkelgrauem Hornstein.

Auch dieses Artefakt gehört zu Aufsammlungen, die teilweise schon mehrere Jahre zurück liegen und bisher keine Beachtung finden konnten.

Die Grundform zeigt durch teilweise flächige Bearbeitung und entsprechende Reduktion keinen Bulbus mehr. Eine Laterale oder marginale Kante ist flächig sehr flach nach dorsal fein und schuppig retuschiert.

Ventral. Die Bruchausdehnung lässt den Schlagflächenrest
auf dem Bild unten vermuten. 


flache Flächenretusche nach dorsal. Der graue Hornstein zeigt auf allen Negativen Fettglanz
und somit Hitzeeinwirkungen auf das Rohmaterial vor der Modifikation, nur die beiden größeren
Flächen auf der Dorsalfläche erscheinen matt.


Die gegenüberliegende Seite mag eine Rückenstumpfung sein, jedoch fällt hier eine steile, bis übersteilte (Nach-)Retuschierung auf, so daß wohl von zwei Arbeitskanten, bzw. unilateralem Einsatz ausgegangen werden muss.
Rückenretusche, Rückenstumpfung bzw. Schaber/Kratzerfunktion

dorsal


die steile Retusche könnte die Grundform auch als Kernfuß und
damit als Präparationsabschlag zu erkennen geben, da die langen Grundretuschen
 wie eine Reihe einer hier auslaufenden Klingenserie wirken. Davon unabhängig
ist die Kante von einer Reihe weiterer Retuschen überprägt, die teilweise
zumindest als Gebrauchsretuschen zu werten sind.

oben: Ein weiteres Stück mit flacher Retusche aus diesem Areal, (Frostscherbe) deren Entstehung ungeklärt ist...

Montag, 7. Dezember 2015

574. Post. Sie sind der Meinung: das war "Spitze"...? oder ein spitzer Schaber?

Spitzen werden für das Neolithikum nicht explizit definiert und doch kommen sie auch in neolithischen, oft jungneolithischen Zusammenhängen vor.

In den Sonderbucher Inventaren um ehemalige Erdfälle wären sie durch ihr Auftreten und neueren Erkenntnissen nach deshalb interessant, weil hier auch paläolithische Funde auf zu treten scheinen und die  große Variationsbreite von Spitzen auch und vor allem eine Erscheinungsform des gesamten Mittelpaläolithikums darstellt. Noch weniger als Spitzen werden für das Neolithikum Schaber definiert. 

Deshalb sind "Spitzen" wie diese neu aus der Oberflächenabsammlung erkannte von besonderem Interesse: 
Alle Retuschen gehen nach dorsal, Spitze rechts, die nicht das
Distalende der Grundform darstellt.

breite Umrissform...das patinierte Artefakt ist auch ziemlich dick.

Die Modifikation zeichnet sich aus durch eine relativ grobe, steile Retuschierung und eine feinere Nachschärfung der geraden Kanten, die zu einem symmetrisch geformten Schmalende, einer Spitze aufeinander zulaufen. 

Die unbearbeitete Ventralseite zeigt ein einzelne "Retusche"
resp. Beschädigung durch Gebrauch, was eine Funktion und demnach
auch Definition mit dem Schwerpunkt Spitze nahe legt.
Der Schlagflächenrests sitzt auf der Zentimeterskala bei
Ziffer 6 Somit definiert die Spitze des Gerätes nicht das
Distalende der Grundform.

Im Falle des vorgestellten Artefakts erscheint mir die Abgrenzung zwischen Schaber
und Spitze schwierig. Wie immer ist es gut, wenn nach Fundmeldungen Archäologen
ein Auge darauf werfen. Zeitstellung offen. 
Eins, zwei oder drei....Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn euch ein Licht aufgeht...
Schon einmal eingestellt: Es gibt zahlreiche ähnliche Stücke um Sonderbuch...

Sonntag, 6. Dezember 2015

573. Post. Unikate...

..Für grobe Bifaces und Unifaces gibt es keine verlässliche Morphologie, was das Neolithikum anbelangt.

Das Neolithikum hat morphologisch eine begrenzten Typenkanon, jedoch eine unerschöpfliche Vielfalt an nicht sicher an zu sprechenden Artefakten, die sich von früheren Zeitstellungen nur schwer abgrenzen lassen. 


So erschöpfen sich die Ansprachen auf morphologische Merkmale, die eine Modifikation und deren Lage am Artefakt beschreiben, ohne einer Funktion und einem Zweck näher zu kommen.
Typen beschreiben im allgemeinen einen bestsimmten Zweck und Funktion, weshalb beispielsweise die Kratzer nicht als Typen gelten, da sie für die unterschiedlichsten Funktionen wie kratzen, schaben oder sogar bohren herangezogen wurden oder die vermeintliche "Kratzerkappe" lediglich das Schäftungsende gewesen sein kann. 
Da sich auch teilweise die Herstellungstechniken im Neolithikum nur wenig von den paläolithischen unterscheiden, macht es auch eine Trennung bzw. Unterscheidung nicht einfach, wenn die Artefakte von den Oberflächen kommen. Die schwierigste Nummer ist, wenn paläolithische Artefakte in neolithischen Siedlungen und Schlagplätzen streuen und es bedarf neben genauer Analyse auch einem gehörigen Bauchgefühl und einer großen Erfahrung, die aus gesicherten Inventaren entstand und dort ihre Gewissheit schöpft, um hier einigermaßen sicher zu gehen. Da die Oberflächenveränderungen (Patina) allen Artefakten gleichermaßen widerfahren, ist auch sie nur ein in seinen Aussagen begrenzter Aspekt bei der Beurteilung und Ansprache eines Artefaktes. 

Hornstein geht so einen Verwitterungsprozess ein, während härtere Materialien wie Radiolarit sich über die Jahrtausende nur wenig davon beeindrucken lassen. Wie stark, hängt sicher von vielen Faktoren ab. Was sich länger im Oberboden und damit auch im späteren Pflughorizont bewegt kann deshalb sehr "Alt und archaisch" wirken, muss es aber nicht sein. 
Beispiel:
Mehr Oberflächenveränderung geht nicht: Klingenkern mit zwei Schlagflächen aus einem neolithischen Kontext. Bei modernen Pflasterbelägen, die ein solches Aussehen durch einen Bestoßungsprozess in einer Trommel erhalten, nennt man das Modell: Gerumpelt. Da in diesem Areal auch paläolithische Artefakte nachgewiesen sind, wird so ein Auftritt aber wieder spannend.





Oben und unten: ein Vertreter der Kategorie grobe Unifaces. Ein levalloid wirkender
Abschlag mit Arbeitskante/Retusche


Ein stark patinierter Abschlag mit zwei Bulben, bzw, Hertzschem
Kegelbruch.. Mehr direkter, harter Schlag geht nicht.
Ventralfläche 1

Ventralfläche 2

 Oben und unten: Durch direkten, harten Schlag gelöste Grundform. Lateralretuschen. links nach dorsal, rechtslateral nach ventral. 

zwei Schneidenschläge am Distalende
Grober Uniface


 und grobe Bifaces
ventral 1

dorsal 2

Ansprechend, doch wie ist das mit der Ansprache? Lateralretuschen oder marginale Retuschen...müssen oft erstmal reichen...

ventral 3
Bestimmte Werkzeuge sind jeweils für einen bestimmten Zweck? So einfach ist das nicht mit der Ansprache, denn schließlich lässt sich mit einer Zange auch sehr effektiv ein Nagel in die Wand schlagen...mit der Kante eines Steines schlagen, zermürben, zersägen, kratzen, schaben, hämmern, zerstoßen, zerhacken, spalten,..etc.pp..oder "form follows funktion?" Die heute teilweise möglichen Gebrauchsspurenanalysen bringen etwas Struktur in bloße Spelukationen und Klarheit in falsche Annahmen...Die Artefaktmorphologie wird noch in Bewegung bleiben...
dorsal 3
Genau genommen sind alle Steinartefakte Unikate - und sie ähneln damit den Schneeflocken. Es gibt keine, die genau so aussieht wie eine zweite - Sie zu typologisieren ist eine Möglichkeit Ordnung da hinein zu bringen, doch trifft die Morphologie nicht immer den Nagel auf den Punkt und man muss sich wohl jedem einzelnen Stück nach allen Regeln der Kunst annehmen. 

Samstag, 5. Dezember 2015

572. Post. Huntig patinated, weathered artifacts...

Und weiter geht die Suche nach patinierten, verwitterten Artefakten...im Umfeld ehemaliger Erdfälle bei Sonderbuch...im Magazin und nicht auf den winterlichen Feldern...

Rindenabschlag mit marginaler Retusche

alle Retuschen gehen nach dorsal


Rindenabschlag mit marginaler Retusche

eine grobe Retusche ist von Gebrauchsretuschen überprägt


links Abschlag mit lateraler, einfacher Retusche, rechts dicke Klinge mit Kratzerkappe

patinierte Klinge, unmodifiziert


Abschlag mit marginaler (End-) Retusche, Sfr oben. 
Zuletzt noch ein Artefakt aus dem Bereich des Ascher Brennerhäules, der auch diverse ältere Artefakte mit Paläolithikumverdacht hervor brachte:  

Unten: folgende: Rindenabschlag mit unilateraler teilweise stufiger Retusche.
 -ein Stück mit langer, quasi bewegter Geschichte im Pflughorizont, also schon lange ex situ und deshalb  mit entsprechenden Schäden durch Pflug & Co.