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Montag, 2. Juni 2014

516. Post. Und noch eine neue Fundstelle...

in der Nähe der Hornsteinlagerstätte "Blauberg", Sonderbuch.

( Weitere Funde werden nach der Bearbeitung nach gepostet)

Fast schon grenzwertig zum Wunder, taucht innerhalb von zwei Tagen eine zweite Fundstelle auf, was Starkregen zwischen den jungen Maispflanzen zu verdanken ist.
Eine jungeneolithische Pfeilspitze (?), die möglicherweise auch ein Beleg für einen Zeithorizont der gesamten neuen Fundstelle sein könnte, fand sich zuerst. 

Links: Klinge mit Lackglanz (rechtslateral dorsal und ventral)
 und auf den Graten der dorsalen Negative
Mitte: Klinge mit Lateral- und Endretusche
Rechts:wohl jungneolithische Pfeilspitze mit
konkaver Basis  (Basisfragment)

Die Lateralretusche der Klinge (Gebrauch)



Ausgehend von der Arbeitshypothese, dass um die Lagerstätte Blauberg sich ähnliche, durch das Hornsteinvorkommen begünstigte Siedlungsentwicklungen ereignet haben könnten, wurde ich gleich zwei mal fündig. Auf beiden neuen Fundstellen ( wobei noch ab zu klären ist, ob die beiden Fundstellen nicht sogar zusammen gehören oder in zeitlichem Kontext zueinander stehen) sind die Fundverhältnisse ähnlich. Während auf der ersten (Post  515) nur sehr wenige Kerne bisher lagen, sind es hier deutlich mehr. Auf der ersten dominieren bisher die Klingen und Klingenfragmente. Hier die Abschläge) Auf beiden Flächen gibt es erste Anzeichen, die in der Regel mit einem längeren Aufenthalt verbunden sind, das sind gebrauchte Werkzeuge, die also Gebrauchsretuschen oder Lackglanz aufweisen. Die "Fundentwicklung" kann diesen Eindruck natürlich noch verändern. Mehren sich solche Hinweise, wird Siedlungstätigkeit wahrscheinlich. Auf beiden Fundflächen scheint der Hornstein geologisch nicht an zu stehen. Keramik fand sich noch nicht.
Klopfstein 1 aus Kerngrundform

Klopfstein 1

Klopfstein 1- Neben den Schlagnarbenfeldern sind auch zwei erhabene Stellen so abgerundet, dass von der Funktion als Feuerschlagstein aus gegangen werden kann


Klopfstein 2 aus Kerngrundform, Schlagnarbenfelder

Klopfstein 2

Klopfstein 2

Klopfstein 2

Kratzer aus Präparationsabschlag. 

Für die Anlegung der Kratzerstirn wurde der Kortex nicht entfernt, sondern durch die Retuschen gelöst.

Die natürliche Form des Rindenabschlages eignete sich ohne nähere Präparation für die Anlegung einer Kratzerkappe

Kratzer dieser Art kommen auch im Jungneolithikum durchaus vor. Sie sind aber Durchläufer durch fast alle steinzeitlichen Zeithorizonte und kein "Leitfossil".

Kern 1, Bipolarer Klingenkern

Kern 1, Bipolarer Klingenkern

Kern 1, Schlagfläche 1, fazettiert.

Kern 1, Schlagfläche 2, fezettiert.
Besonders in den mittelneolithischen Hinterlassenschaften um Sonderbuch sind fazettiere Schlagflächen eher die Ausnahme. Die Schlagflächenpräparation erfolgte in der Regel durch Wegnahme der gesamten Schlagfläche mittels sogenannter Kernscheiben oder partieller Kernscheiben, auch Kerntablett genannt. Sie kommen auf allen Siedlung häufig vor.
Kern 1 wurde aufgegeben. Bipolare Kerne sind schwerpunktmäßig eine Spezialität des Mesolithikums, kommen aber auch in anderen, jüngeren Zeithorizonten vor ( Vergl. ähnliche Exemplare auf LBK-Zusammenhängen in Sonderbuch). Sie sind geeignet, möglichst lange und gerade Klingen zu erzeugen, wenn das Material mitmacht. Hier sind die letzten Abtrennungen stecken geblieben.
Die zweite, neue Fundstelle ist um einiges größer, als die unter Post 515 vor gestellte. Sie scheint sich mindestens über das gesamte Flurstück aus zu dehnen. In den Randbereichen streuen die Funde bis zur Grenze. Aufgrund des Bewuchses der angrenzenden Flurstücke kann eine mögliche Fortsetzung jedoch derzeit nicht eruiert werden.

Bertsch (Diss. siehe link)
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-510158
kommt in einer Dissertation zu dem wenig überraschenden Schluss, dass an den Hornsteinen vor allem auch optische Veränderungen vor sich gehen, was die Farbe und vermeintliche Textur auf den Oberflächen der Silices angeht. Es finden chemische, geologische, mechanische...Veränderungen statt, die einen rein optischen Vergleich mit dem Material von Lagerstätten nicht zulassen. Erst durch den Schliff und die Schaffung frischer Oberflächen sind vergleichende Analysen weitgehend zuverlässig möglich. Rein optisch gleicht das Rohmaterial auf den beiden neuen Fundstellen teilweise sowohl dem Material vom Borgerhau, als auch dem vom Blauberg. Eine Schwalbe macht keinen Sommer, deshalb ist das Material für die Datierung in einen Zeithorizont noch zu gering. Die Zeit, in der die dort auf gefundene Pfeilspitze datiert, steht in der Regel für Materialvielfalt ( Vergleich Asch, dort sogar französischer Silex) die hier (noch) nicht fest zu stellen ist.
Wichtig ist es, möglichst viel des gesamten Technokomplexes der Steinartefakte zu erfassen ( natürlich auch Keramik) um Schlüsse ziehen zu können. Eine einzelne Pfeilspitze kann auch der Zufall an diese Stelle geführt haben. Die jungneolithischen Jäger bewegten sich sicherlich auf größeren Schweifgebieten außerhalb der Siedlung(en).
Beide Fundstellen Nähe Blauberg waren meines Wissens bisher unbekannt und somit ist wohl das Inventar noch vollständig. Alle Funde die aufgenommen wurden sind mit Geodaten versehen. (Hand-GPS)

Nach Starkregen sammelt sich das Oberflächenwasser in einer Doline, die natürlichen Schlucklöcher der Alb.
Regelrechte Rinnen bilden sich auf diesem Weg...
Erosionsvorgänge

Während das Feinsediment dem Schluckloch zueilt, bleiben schwerere Stücke liegen...

Doline
Wenn die Siedlungssituation in jungsteinzeitlicher Zeit ähnlich war, hat die leichte Hanglage den Vorteil, dass Oberflächenwasser schnell ab geleitet wird.
Feinsedimente verdichten den naürlichen Abfluss und Wasser kann tagelang stehenbleiben. Ist es ein Zufall, dass auf fast allen neolithischen Siedlungen hier in der Umgebung Dolinen vorhanden sind? Würde hier künstlich nachgeholfen, entstünde eine ähnliche Situation wie in den "Hülen", die auf der wasserarmen Alb noch im 20.Jh. der Wasserversorgung dienten. Die heutigen Verhältnisse sind der Status quo einer langen Entwicklung. Möglicherweise standen in früheren Zeiten die Oberflächenwasser hier ohne künstliche Nachhilfe an? Die fortschreitende Karstbildung, die sich ständig vergrößernden Hohlräume, ließen die Vertiefungen irgendwann dann ganz trocken fallen? Forschungen in diesem Zusammenhang sind mir nicht bekannt. Für Hinweise in diese Denkrichtung wäre ich dankbar. Bislang zeigt sich keine dieser Dolinen völlig fundfrei. Viele von ihnen sind heute im Ackerland zu geschüttet und sie liegen mit den Siedlungs- bzw. Fundpunkten  auf ein und derselben West-Ost-Achse.
Oben: Feinsedimente und möglicherweise Frost versperren den raschen Abfluss. Wasser vefüllte Doline bei der neolithischen Siedlung Breite nach starken Niederschlägen, Dez.1991. Foto: Söll.


Regen hat in den Erosionsrinnen Artefakte frei gespült. Kaum zu erahnen, welche Erdbewegungen hier über die Jahrtausende statt fanden.




Frei nach Thackeray könnte der Snobismus auch auf der schwäbischen Alb des 19. Jahrhunderts seine Verbreitung gefunden haben. Wenn nicht, ist der Manschettenknopf wohl ein Beleg von Sonntagsentheiligung...


Nachtrag 5.6.
 Erste Keramikfragmente! Die vorerst wichtigsten Teile der "Blackbox"
Für eine Datierung wichtig: Die Art der Gefäßverzierung.
Da offensichtlich eine gute Oberflächenerhaltung vorliegt,
wird die Bestimmung nicht sehr schwierig werden.
Nach Art der Magerung und Ritzverzierung kommt eventuell
jüngere Linienbandkeramik in Frage. Damit wäre eine weitere
Keimzelle erster Siedlungstätigkeit auf der Blaubeurer
Alb gefunden.

Im Mai regnete es im Gesamten in Sonderbuch 39,5 Liter und spülte auch die neue Fundstelle frei.


Kern 2, opportunistisch abgebaut (amorph)

Präparationsabschlg 1,  von amorphem Kern

Präparatioinsabschlag 1, ventral

Kern 3

Kern 3, Kernfuß, sekundärer Einsatz als Klopfer
(Schlagnarbenfeld)
Umgepflügt:
Das Gewann in dem die Fundstellen liegen, wird 1743 noch mit einem 39 Morgen umfassenden Flurstück so beschrieben: "...welches mit allerhand holtz, aiß buchen, aspen,bürkhen und haßelhecken vermischt ist." War also erst 1772 gerodet und zu Ackerland umgenutzt, also erstmals unter den Pflug genommen worden. Es gehörte wohl ehemals zum Schloss Gerhausen und war Waldweide. Die Landwirtschaft greift hier in den Boden also relativ spät ein. Bewirtschaftet wurde es wohl vom "Niederweiler Hof, das Hofgut des Schlosses, das als "Schloss Gerhausen", die Höhenburg, die nicht in Gerhausen sondern auf der Höhe von Sonderbuch liegt, versorgte. Das Gelände war Teil eines 242 Morgen umfassenden Blockareals ( 1827)  und damit der größte Hof in Sonderbuch. Geschichtsträchtiger Boden. 

Nachtrag, 13.6.2014
zweite, trianguläre Pfeilspitze mit konkaver Basis.
Die Grundform wurde sehr sorgfältig, unilateral, dorsoventral, in Form gebracht. Die Seiten sind gerade, während die erste Pfeilspitze leicht konvexe Seiten aufweist. 



Pfeilspitze 2 links, neu und Pfeilspitze 1, rechts

Vergleiche:
Links im Bild eine Pfeilspitze der LBK/-Linienbandkeramischen Siedlung Sonderbuch/ Schlaghau; rechts die "Neue" der neuen Fundstelle Nähe Blauberg. Klingengrundform, formgebende Kantenretuschen (bifaz.) 
Bei allen Datierungsversuchen sollte berücksichtigt werden, dass Fundstellen oft mehrere Komponenten verschiedener Zeitstellungen aufweisen können, da die Siedlungsplätze aufgrund bestimmter Gunstfaktoren ( z.B. das fruchtbare Ackerland, Wasserversorgung, strategische Verteidigungsüberlegungen, das nahe Rohstoffvorkommen usw.)  über die Kulturen hinweg attraktiv waren und blieben. Das Oberflächeninventar einer derart dicht besiedelten Landschaft wird immer mehrere Zeitstellungen umfassen. Sichere Aussagen liefert nur die Stratigraphie - das sind die ungestörten Schichten unterhalb des Pflughorizonts. 
Zur Zeit der Linienbandkeramik- etwa ab 5500 vor Christus, aber auch noch
 in den mittelneolithischen Folgekulturen,
muss man sich bis zu 30m lange Langhäuser vorstellen.

Nachtrag 20.6.

Ein ziemlich "archaisch wirkender Bohrer" aus dem schon erwähnten, ungewöhnlichen Rohmaterial. Grauer Hornstein mit rötlichem Schimmer. Könnte gut in ein linienbandkeramisches Gerätespektrum passen. Ein älterer Zeithorizont muss jedoch nicht aus geschlossen sein.
Die steilen Lateralretuschen nach dorsal sind von Gebrauchsretuschen überprägt. Die Arbeitskanten sind auch verrundet.


Keramik. aufgrund einer Bruchstelle auf dem erhabenen "Zapfen", wohl einer Handhabe eines etwas feineren, aber an dieser Stelle unverzierten Gefäßes muss zunächst offen bleiben, ob es sich um eine Knubbe, einer Art Grifflappen - oder eine Öse handelt. 



Sonntag, 1. Juni 2014

515. Post. Neue Fundstelle Nähe Blauberg, Sonderbuch.

Eine Neue Fundstelle auf der Gemarkung Sonderbuch, die möglicherweise mit der nahe gelegenen Lagerstätte "Blauberg" im Kontext steht, erbrachte auf Anhieb zahlreiche Abschläge und erste, retuschierte Werkzeuge.

(Weitere Funde werden nach der Bearbeitung nach gepostet)
Eine Auswahl an Kernen,
Abschlägen und retuschierten Stücken

Oben: das war mal etwas größer. Dorsoventrale Kantenretusche
auf grauem Hornstein (ventral),
rezent gebrochen.
Unten: Kratzerkappe aus weißem Hornstein,
rezent gebrochen

das graue Artefakt dorsal
Während der Kratzer zum Einsatz kam - Die steilen Retuschen der Kratzerstirn sind von Gebrauchsretuschen überprägt- sind die Retuschen des grauen Fragments weder verrundet, noch aus gesplittert.

Unilateral nach dorsal retuschierte Klinge. Die feinen Retuschen wurden wohl gedrückt. Das Proximalende fehlt.
Die Fundstelle unterscheidet sich bisher kolossal von der Lagerstätte Blauberg, da hier sowohl jedwedes Rohmaterial, sowie die Artefakte der Grobzerlegung fehlen. Der Hornstein steht hier wohl nicht mehr an. Auf der Lagerstätte streuen die Trümmer und Artefakte der Grobzerlegung dagegen sehr dicht. Eine Ausführliche Begehung wird in den nächsten Tagen folgen - die Funde werden nachträglich gepostet. 
Klingenbruchstück  (Proximalfragment) mit glänzender Retusche
Schon bei der ersten Begehung ist die große Zahl an Klingen bzw. Klingenbruchstücken augenfällig. Es sind hier bei den Klingen nur Schlagflächenreste zu finden, bei der man von Punchtechnik ausgehen muss, was den Zeithorizont ihrer Entstehung weitgehend eingrenzen könnte.
Im Gegensatz zu den Abschlägen, die hier aufgrund der sehr ausgeprägten Bulben mit der direkten, harten Schlagtechnik gelöst worden sind. Diese Schlagtechnik wurde hauptsächlich beim Zurichten eines Rohstückes zu einem Kern und die weitere Zerlegung in Grundformen an gewendet. Diese Technik wurde seit dem Altpaläolithikum angewendet. Außer dem jeweils ausgeprägten Bulbus fallen damit einhergehende Schlagnarben und deutliche Radialstrahlen auf. Auch die Wallnerlinien sind stark aus geprägt.
Schlagflächenreste der Abschläge mit großem Bulbus

Zielabschläge, Klingen und -Fragmente
Die Funde dünnen nach 20 - 30 Metern nach zwei Richtungen aus und es tritt Fundleere ein. Vermutlich kann auf diesem Flurstück nur ein Ende der Fundfläche erfasst werden und sie dehnt sich in benachbarte Flurstücke aus, die jedoch derzeit aufgrund des Bewuchses nicht begangen werden können. Weiteres wird die nächste Saison zeigen.

514. AUSGEPFLÜGT. Eine neue Lagerstätte beim Borgerhau.

Nicht spektakulär, sondern eher zu erwarten sind weitere, kleinere Vorkommen von Hornstein außerhalb des Borgerhau, die sich aber dort konzentrieren, und einen Abbau im größeren Stil erlaubten.

Nicht zu unterschätzen sind, wie schon häufiger an geführt, auch kleinere, sporadische, weniger bedeutsame Vorkommen, die neben geologischen Ereignissen vor allem der Pflug an die Oberfläche fördert und akribische Suche auf den Oberflächen zeitigt dann auch Anzeichen für die Anwesenheit des Menschen, der hier auf der Suche nach geeignetem, spaltbarem Material fündig wurde und seine Spuren und Intentionen belegte.


Frisch gewaschen...
Bisher auf genommenes Material im Überblick.
Die Farben sind nicht maßgeblich für eine Identifizierung
des Materials, da sie sich durch viele sekundäre,
 auch rezente Einflüsse verändern können.


Unweit des Borgerhau, quasi am Waldrand hat der Pflug eine solche Lagerstätte an geschnitten, auf der auch durch die Zerstörungen an den Knollen durch Landmaschinen das Material sichtbar wird.
Derber Impact, derber Abschlag

Einmal der Pflug, aber auch der frühe Mensch hat ihr ein gegriffen. Das Material zeigt neben den sehr viel häufigeren Schäden durch den ein oder anderen Impact landwirtschaftlicher Geräte,  auch artifizielle Spuren. Man fragt sich dann immer wieder, wie wohl die Menschen damals auf diese Vorkommen gestoßen sein mögen. Das Material des Bergwerkes in Arnhofen liegt beispielsweise sehr tief (Auch die Gruben im Borgerhau sind 2m tief und tiefer) und doch blieb es den frühen Menschen nicht verborgen. 
Negative einer Abschlagserie

Die neuen Belege für ein natürliches Vorkommen sind noch gering und die Fundfläche dürfte sich vor allem nach Norden in den angrenzenden Acker fortsetzen. Der Bewuchs lässt aktuell keine weiteren Nachforschungen zu. Im Herbst wird eine weitere Prospektion mit Einmessungen stattfinden, um die Ausdehnung der Fläche zu eruieren. 


Mittels dieses Abschlages wurde das Rohstück geöffnet. Die Rückseite zeigt einen Hertzschen Kegelbruch. Der muschelige Ausbruch  nach dorsal ist nicht rezent, wie man annehmen könnte. Die ockergelbe Fläche ist eine natürliche Kluft im Stein.

Erste Abschläge zeigen, was sie unzweifelhaft als artifiziell ausweist:
Bulbus, Schlagnarbe, Schlagflächenrest, Wallnerlinien... 

Steile Endretusche?... an einem Abschlag, ob artifiziell oder nicht sei dahin gestellt.

Negative einer Abschlagserie
Die Fundstelle zeigt also - ähnlich wie die Flächen der Haldenlandschaft im Borgerhau - Belege der Grundproduktion wie sie für Steinwerkzeuge typisch sind.

Donnerstag, 29. Mai 2014

513. Post. Ein neues Dechselfragment von der Siedlung GRUND,Sonderbuch

Mit einem Fragment eines durchbohrten Felssteingerätes aus Amphibolit erhöht sich die Geräteklasse auf nunmehr zwei Artefakte.

Neufunde werden nachträglich an gehängt.
                                                    
So unterschiedlich kann der Hornblendschiefer ausfallen. Genau so unterschiedlich kann auch die Erhaltung sein. Das Material war sehr beliebt und praktisch konkurrenzlos. Auch mindere Qualitäten wurden verarbeitet. 
Links im Bild ein ( vermutlich Rössener, also mittelneolithischer quer durchbohrter Dechsel aus der Siedlung Erbach Ringingen.. Die beiden Fragmente rechts stammen ebenfalls aus Ringingen und kommen aus dem linienbandkeramischen Kontext. Durch die Hohlbohrung bleiben Bohrkerne zurück. Ein solcher, ebenfalls aus Ringingen,  liegt neben dem neu gefunden Fragment (also dem mittleren Stück) ) (Siedlung GRUND)
Das Fragment weist nur noch wenige Reste der ursprünglichen,
fein geschliffenen Oberfläche auf.
 Das Bodenmillieu hat für fast ganz flächige Erosion gesorgt.

Selbst die Bohrung weist nur och Reste der alten Oberfläche auf und diese zeigt
die charakteristischen Rillen die durch die Drehbewegung des Bohrers
entstanden sind.

Vermutlich ist das Stück in alter Zeit schon zerbrochen.
Ohne die charakteristische Bohrung wäre das Artefakt
wohl nicht erkannt worden.



Vergleich mit einem langen, schmalhohen Dechsel.

So könnten sie ausgesehen
haben, die beiden Felsstein
geräte vom GRUND- kann sein
muss aber nicht.


512. Post. Alle bisherigen (16) Pfeilspitzen und -fragmente

von der Stichbandkeramischen Siedlung GRUND, Sonderbuch.
16 sehr unterschiedliche Pfeilspitzen stehen bisher über 140 Bohrern aus der Oberfläche gegenüber. 
Neufunde werden laufend nachträglich an gehängt.

Die Pfeilspitzen erscheinen in höchst unterschiedlicher Ausführung und man gewinnt den Eindruck, dass sie unterschiedlichen Zeithorizonten angehören. 

Länge der rechten Pfeilspitze: 8mm, Mitte 22,5mm links 32mm
In der Vergangenheit erwiese sich die Fundfrequenz in Oberflächeninventaren oft nicht identisch mit denen aus Grabungen. Aus Lesefundinventaren gibt es so auch mehr Pfeilspitzen und Bohrer, die wohl weniger in die Gruben gelangten sondern von den alten Oberflächen kommen.
Die Rolle, die die Jagd in dieser Zeit noch spielte, kann man wohl in der Regel als eher bescheiden bezeichnen. Vielleicht sorgte man durch das Erlegen von Wildtieren für Abwechslung auf dem Speisezettel. Aus den stichbandkeramischen Siedlungsgruben von Erfurt wurden Knochenreste von Braunbären, Auerochsen, Rothirschen, Rehen und Hasen gefunden. Sehr viel zahlreicher fand man dort die Reste von domestizierten Tieren wie (überwiegend:) Rindern, sowie von Schafen, Ziegen und Schweinen.
Die Oberlauterbacher Gruppe von Künzing Unternberg scheint aber ihren Fleischbedarf weitgehend durch die Jagd auf Rothirsche gedeckt zu haben. Dort beträgt der Knochenanteil bei den gefundenen Säugetierknochen mehr als ein Viertel. Deutlich weniger finden sich dort die Reste von Rehen, Wildschweinen, Elchen, Wildpferden und Braunbären. Die Zerlegungsspuren weisen sie eindeutig als Mahlzeitabfälle aus. Insgesamt wurden auf dieser Siedlung im Kreis Deggendorf über 10 000 Tierknochen bestimmt. Das Klima in Niederbayern war zur Zeit des Atlantikums warm und niederschlagsreich. Davon zeugen Reste von Perlfischen, Döbeln und Huchen und bis zu 1 Meter langen Forellen, sowie 2,5 Meter langen Welsen.  Im Donautal lebten durch das warme Klima auch Sumpfschildkröten.
Außer für die Jagd, so wird angenommen, soll die Distanzwaffe "Pfeil und Bogen" auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Zeitgenossen ein gesetzt worden sein. Richtig gesetzt tötet ein mit einer lithischen Spitze bewehrter Pfeilschaft lautlos auf Distanz. Ein waid wund geschossenes Tier ließ sich anhand seiner Spuren im Gelände verfolgen, wozu es theoretisch nur notwendig war, die Eingeweide zu verletzen. Pfeilköpfe gingen sicher oft verloren oder mussten wegen Aufprallschäden entfernt werden, ließen sich aber relativ schnell wieder, vielleicht auch durch mitgeführtes Material ersetzen. Größeren Aufwand erforderte der Pfeilschaft, wie experimentelle Archäologie vermuten lässt und muss als "wertvollerer und gehüteterTeil" des Kompositgerätes angesehen werden, ganz zu schweigen vom Bogen. Erhaltung von den organischen Teilen der Jagdausrüstung, dem Holz, kennen wir nur aus Feuchtbodenmillieu. (Seen und Moore)
Die Radiocarbondatierungen aus der Sonderbucher Grabung Grund liegen ca. 5050 - 4650 vor Christus- (C.Knipper, L. Fisher et.al.) Auch das Inventar, nicht zuletzt die Große Menge an Artefaken der Grundproduktion , sprechen für eine lange Belegung des Siedlungsplatzes in zeitlich direkter Abfolge der ersten Siedler der Bandkeramik.
Zwei zeitgleiche Pfeilspitzen der mittel neolithischen Siedlung
 GRUND mit fast gerader ,bzw. leicht konvexer Basis.
Links vollständig, rechts mit Aufprallschaden.
Länge links 33mm

Mittwoch, 28. Mai 2014

511. Post. Ein Feuerschlagstein aus Sonderbuch

Aus einer 50mm langen Klinge besteht ein in der Nähe (Peripherie) der LBK-Siedlung Schlaghau/Sonderbuch gefundener Feuerschlagstein.

Dorsalseite mit dem verrundetem Funktionsende oben
Es gibt grundsätzlich keine spezielle Technik zur Herstellung von Feuerschlagsteinen, demnach auch keinen spezifischen Typenkanon. Sie beschränken sich auch räumlich und zeitlich nicht auf bestimmte Formen. Eine günstige Ausgangsform war die Voraussetzung, wie sie mit allen geläufigen Techniken der Steinbearbeitung entstehen. Aus unmodifizierten Flintknollen ( langschmal) entstanden sie ebenso wie aus Grundformen, Restkernen oder auch aus Geräten wie Sticheln und Kratzern. Auch an vielen Griffenden von Flintdolchen lassen sich die Spuren des Feuerschlagens erkennen. Robuste und wie hier langschmale Formen scheinen zu dominieren. Die Existenz von Feuerstellen wird seit dem Mittelpaläolithikum als regelhaftes Vorkommen aller urgeschichtlichen Siedlungen belegt. Voraussetzung dafür dürfte auch die bewusste Feuererzeugung gewesen sein. 
Eine zerrüttete Laterale (rechts)




Die Ventralfläche zeigt Glanz

Das andere Ende ( vermutlich das Distalende der Grundform) weist Zerrüttungen auf und ist möglicherweise ein zweites Funktionsende


Auch die Gebrauchsretuschen der Laterale zeigen Glanz

 Zu Feuerschlagsteinen hat eine sehr gute Abhandlung verfasst: C.Fuchs in Steinzeitwissen.de

http://www.steinzeitwissen.de/feuer/feuerschlagstein

Umfassend berichtet Jürgen Weiner in Steinarktefakte (Hrsg. H.Floss) ab Seite 943 über Feuerschlagsteine, die eine eigene Gerätegruppe bilden und in der Literatur nur wenig Erwähnung finden. Mit großer Wahrscheinlichkeit scheint das Feuerschlagen erstmals in Mittelpaläolithikum, sicher aber ins Jungaläolithikum zu datieren. Das älteste bekannte "Feuerzeug" wenn man so will, stammt aus dem Aurignacien der Vogelherdhöhle und die Verbindung Feuerstein und Schwefelkies scheint die älteste Form der Feuererzeugung zu sein, auch wenn sich ohne Belege die Methode des Feuerbohren grundlos weiter zu halten scheint. Der jetzt aufgefundene Feuerschlagstein wurde aktiv geführt.
Europäische Schlagfeuerzeuge bilden nach Weiner ein Ensemble aus drei Bestandteilen: einem Funkenlöser (vorgestelltes Artefakt) einem Funkenspender und einem Funkenfänger ( sog. Zunder) 
Als Funkenspender kommt Schwefelkies in Frage. Bei kurzen bzw. kleinen Stücken, die eindeutige Verrundungen durch Feuerschlagen zeigen, geht man davon aus, dass sie wohl geschäftet gewesen sein müssen. Schwefelkies, das dazu noch eindeutige Gebrauchsspuren in dieser Funktion zeigt hat sich in der Regel nicht oder sehr selten erhalten. C.Fuchs zeigt ein solches spektakuläres Stück auf seiner Steinzeitseite.

Der Feuerschlagstein in Verbindung mit zwei Schwefelkiesknollen aus dem
Schlämmabfall des Geißenklösterle, die entweder nicht beachtet
oder nicht erkannt wurden. Geologisch lässt sich das Vorkommen
 im Höhlensediment vermutlich nicht erklären.