Powered By Blogger

Dienstag, 21. Mai 2013

455. Post. Aggsbach's, paleolithic blog.

Aggsbach.- DAS blog zum Stöbern....
Freude entsteht, wenn man beim blogroll direkt unter dem link zu LASCAUX den eigenen blog wiederfindet.
Schööön und vielen Dank.

http://www.aggsbach.de/

Sonntag, 12. Mai 2013

454. Post. Ein neues Dechselfragment aus Sonderbuch

Zu einem im vergangenen Jahr auf gefundenen Schneidenfragment eines schmalhohen Dechsels gesellt sich seit heute das Fragment eines Nackens.
Der Nacken des schmalhohen Dechsels ist vermutlich in der Schäftung gebrochen. Ähnlich dem zum Vergleich eingestellten Dechsels von der Siedlung "Breite" weist das Fragment Beschädigungen im Nackenbereich auf, die wohl vom Gebrauch herrühren. Das Fragment besteht aus Amphibolit. Um so ein Stück zu finden sind im anstehenden Schotter (hier mundartlich Geflinse, "Fleis") nicht nur gute Augen (-respektive ein adäquater Sehstärkenausgleich), sondern sehr gut abgeregnete Flächen notwendig.
Links ein vollständiger schmalhoher Dechsel zum Vergleich,  rechts das neue Fragment , an entsprechender Stelle zum Vergleichsstück positioniert. 

Das Fragment des neuen Dechsels spricht für ein schmaleres, nicht ganz so hohes und demnach vielleicht auch kürzeren Stück. Die Oberflächen sind rundum zumindest teilweise erhalten, sodass der Querschnitt noch klar belegbar ist, bzw. sich das Stück zeichnerisch weitgehend ergänzen lässt.

Rechts oben das im letzten Jahr auf gefundene Schneidenfragment eines ähnlichen Dechsels von der selben Fundstelle.

Samstag, 11. Mai 2013

453.Post. Alles ist möglich...

Zu den ärgerlichsten Funden zählen Wetz- und Schleifsteine, die es durch alle Kulturen gibt, in denen Metalle eine Rolle spielen, - zumal, wenn sie auch noch frappierende Ähnlichkeit mit urgeschichtlichen Felsgesteingeräten besitzen. Da werden oft runde Wetzsteine als Bohrkerne interpretiert. Die Materialien die zu Schleifzwecken ein gesetzt wurden zeigen ebenfalls eine erstaunliche Bandbreite durch die Jahrhunderte bei der Wahl des Rohmaterials. 
Da kommt mir der Untertitel meines blogs sehr entgegen, das sich allen Lesefunden widmet, die der Pflug zum Vorschein bringt. 

Als Schleif- oder Wetzstein kann wohl ein Stein bezeichnet werden, der mindestens eine Schliffacette aufweist, wie es beim vorliegenden Fund der Fall ist. Alle Seiten und Enden des Stückes sind roh gebrochen und nur eine Seite weist einen feinen Schliff auf. Möglicherweise handelt es sich um ein Fragment, doch scheint mir das (moderne?) Artefakt erstaunlich symmetrisch. Der Querschnitt ist nahezu quadratisch.
Die fein geschliffene Seite 

drei Seiten zeigen einen rohen Bruch

Die gegenüberliegende Seite der Schliffazette scheint erodiert zu sein
Die für gewöhnlich aufgefundenen neuzeitlichen Wetzsteine zeigen vor allem an den Kanten gegenständige Fazetten, meist bei der Verwendung bei Sensen  die für einen wechselseitigen Gebrauch an der Gegenseite des Sensenblattes sprechen. Das fehlt hier völlig. 
Die Fundstelle zeitigt sonst gemischt neolithische und mittelpaläolithische Funde.

Das Beispiel zeigt, wie schwierig bis manchmal unmöglich es ist, einen Oberflächenfund zu datieren, wenn er also nicht aus einem ungestörten Befund stammt. Das macht zwar generell die Absammlung von Oberflächenfunden nicht zur unsinnigen Tat, wobei dafür gewisse archäologische Standards ein zu halten sind, aber denken wir die ausschließliche Oberflächenabsammlung  einmal konsequent zu Ende: Hätten wir nur Gegenstände die nicht aus intakten Befunden kommen und damit meist datierbar sind, gäbe es auch keine sicheren Vergleiche. Wären die Metalldetektoren lange vor der Archäologie in Mode gekommen, an welcher Chronologie sollte man dann die Altfunde orientieren? Eine absolute Chronologie wäre nicht mehr möglich. Viele Sammler orientieren sich bei herausragenden Funden an sogenannten "Beifunden" und verlassen sich auf ihr Bauchgefühl. Ein wissenschaftlicher Beweis ist damit so nicht zu führen. Oder anders herum gesagt: Befindet sich bei einem Faustkeil eine Coladose mit im Pflughorizont, muss damit das Gründungsjahr von Coca-Cola nicht zwingend in Frage gestellt werden. 

452.Post. Symmetrische Spitze.

Aus einem Kontext, aus dem sowohl bandkeramische, als auch jungneolithische Komponenten auf der Oberfläche erscheinen, konnte Prof.Müller-Beck auch ein mittelpaläolithisches Artefakt identifizieren. 
Von dieser Fundstelle stammt neu eine symmetrische Spitze mit geraden, dorsal retuschierten Kanten, wie sie schon seit dem Mittelpaläolithikum datiert werden. Der Umriss ist dreieckig und relativ breit. 
In welche Zeit die Spitze datiert ist für einen Oberflächenfund nicht leicht zu entscheiden, Derartige kommen im Neolithikum jedoch nicht als gängiger Typus und nicht sehr häufig vor und sind auch in diesem Falle schwer an zu sprechen. Als Geschossspitze kommen sie aufgrund ihrer Größe kaum in Betracht. 
Länge: 50mm, maximale Breite: 34mm. Die Kanten sind durch Gebrauch leicht verrundet.

Siehe auch: http://lesefunde.blogspot.de/2011/04/232.html
und auch:http://lesefunde.blogspot.de/2011/03/210.html



451.Post. Klingenkerne ohne Rücken

Neue Klingenkerne aus Sonderbuch (Grund) zeigen die Besonderheit, dass sie rundum ab gebaut wurden und nur noch Reste eines ursprünglichen Rückens, beziehungsweise gar keinen Rücken mehr aufweisen.

Material ist Jurahornstein aus sekundärer Lagerstätte, wie er im Borgerhau/ Asch vorkommt. Die rötlichen Spuren, besonders auf den Graten der Klingennegative stammen vom Kontakt mit den Eisengeräten des Landwirtes, sind also Rostspuren. Das Silexmaterial ist härter als Stahl bzw. Eisen und so hat auch der Pflug auf die Dauer das Nachsehen, wenn man so will- er wird im Dauerkontakt mit den Hornsteinen stumpf. Der Schaden an den Artefakten ist jedoch ungleich größer.

Von links nach rechts: 1. Klingenkern mit noch vorhandenem Rücken. Der Kernfuß ist noch rund. 2.v.li. Klingenkern rundum ohne Rücken mit durchgehender Abbaufläche,der Kernfuß ist spitz auslaufend, die Klingen wurden durch geschlagen. . 3.v.li. Klingenkern, rundum abgebaut, der Kernfuß ist rund und trägt noch Kortex. 4. 4.v.li. Klingenkern ohne Rücken, rundum abgebaut und spitz zulaufen. 5. Klingenkern, rundum abgebaut ohne Rücken bzw. Kortexreste, spitz zulaufend. Ganz rechts:  Kingenkern rundum abgebaut, spitz zulaufend, ohne Kortex bzw. Rücken. 

Oben 1 mit Steckenbleibern, der Abbau wurde eingestellt. Der Rücken ist links im Bild erkennbar

oben 2. Wenige Steckenbleiber, aber auf gegeben.

oben 3, Nur noch der Kernfuß trägt Kortex.

oben 3 Rückseite

oben 4. Keinerlei Kortexreste

oben 5.

oben 5 mit Kortexrest (Rückenrest) mittig

oben 6, Klingenkern ohne Kortexreste.
Alle Kerne stammen aus neolithischem Kontext. Stichbandkeramik ist archäologisch nachgewiesen. Eine bandkeramische Komponente ist auf dieser Siedlung sehr wahrscheinlich. 

Sonntag, 28. April 2013

450. Neuzeitlicher Lesefund. Kurioses.

Heute möchte ich dem Blog- untertitel gemäß einen weiteren der wenigen neuzeitlichen Lesefunde einstellen, wie sie ebenfalls auf den Oferflächen vorkommen. 
Darf ich vorstellen:
Was zunächst wie der Boden einer Getränkedose aussah, entpuppte sich als Taschenuhr. Ein schmerzlicher Verlust dürfte es gewesen sein, als der Bauer diesen feststellte.

Da das Gehäuse versilbert ist, ließ sich der hintere Gehäusedeckel  noch problemlos öffnen. Ersten Einschätzungen nach handelt es sich um eine Schweizer Taschenuhr vor 1900.
"REMONTOIR, CYLINDRE 6 RUBIS" .ist auf dem Gehäusedeckel frei Hand (?) eingraviert. Nach der Reinigung wird noch ein Detailfoto dazu folgen. Remontoir steht für Kronenaufzug und 6 Rubis=Rubine= steht für 6 Lagersteine.  Die Taschen- oder besser schwäbisch "Sackuhr" war früher gerne etwas, was man zum ersten Mal bei der Konfirmation als Geschenk sein Eigen nennen durfte. Eine Art Initiationsritus als Aufnahme in die Welt der Erwachsenen, die den Beschenkten lange begleitet hatte. Hoffentlich hat der Stundenschlag der  Kirchturmuhr von Sonderbuch den Verlierer damals rechtzeitig zum Vesper gerufen...Für gewöhnlich wurden die Uhren an einer Kette, verbunden mit der Weste getragen. Der Bauer war aber wohl im Blauhemd und nicht mit der Sonntagsweste unterwegs. (SOND008)

Nach der ersten Reinigung:
der Rahmen erscheint aus massivem Silber.
Staubdeckel (Innendeckel) versilbertes Kupfer

Das Innenleben... mit erstaunlichem Erhaltungszustand.



Die beiden äußeren Sprungdeckel (?) vielleicht ebenfalls aus Silber, fehlen. Mit ihnen kamen auch das Zifferblatt und die Zeiger abhanden.

449. Funktion: Bohrer.

Die Ansprache von modifizierten Artefakten nach ihrer Funktion ist meist unzweifelhaft bei Bohrern gegeben.
Oft lösen in Foren die Ansprachen von modifizierten Artefakten, etwa bei Schabern oder Kratzern Diskussionen aus, weil ihre tradierten, ursprünglichen Bezeichnungen mal nach Funktion (Bohren, schaben, kratzen), mal nach Erscheinungsbild (Schuhleistenkeil...) getroffen wurden. Eine einheitliche Morphologie hat sich noch nicht wirklich durchgehend durch gesetzt. Oft sind die Funktionen fließend und lassen verschiedene Interpretationen zu, beispielsweise, wenn Kratzer noch zusätzliche Lateralretuschen aufweisen in der Weise, über die Schaber definiert werden. Prof. Dr. Kind hat in dem Band "Steinartefakte", erschienen im Kerns Verlag, auf diese Problematik ebenfalls sehr anschaulich hin gewiesen. 
Nach den Projektilen, den Pfeilbewehrungen, sind es vor allem die Bohrer, die wenig Interpretationsspielraum zu lassen. Lediglich zwischen diesen beiden Kategorien scheinen manchmal die Grenzen zu fließen. Bohrer werden seit Mitte des 19. Jh. beschrieben. 

Der Großteil aller Bohrer jedoch lässt sich seit vor allem jung paläolithischen Zeiten bis zum Ende der Steinzeit relativ gut bestimmen. Vorher folgen sie keiner bestimmten Systematik. Im Jungpaläolithikum sind sie noch ein akzessorischer Bestandteil von Inventaren und spielen keine vorherrschende Rolle. Das verstärkte Aufkommen von Behausungen, Kleidung und Gegenständen mit Loch oder Löchern wie Perlen, Anhänger, Schmuckschnecken, Nadeln, Rondelle, Lochstäbe und Harpunenbasen stehen damit in Zusammenhang. 
Was jedoch in der Regel ohne wirkliche Beantwortung bleibt ist die Frage,   w a s  letzlich damit bei dem vermehrten Aufkommen im Neolithikum gebohrt wurde, besonders wenn an Fundstellen wie auf Sonderbuch Grund eine auffällig hohe Fundfrequenz dieser Artefakte erscheint und sie eine markante Rolle gespielt haben müssen. Eine deutliche Vorliebe für eine bestimmte Grundform lässt sich auch erkennen, da für die Herstellung überwiegend Klingen verwendet wurden. Nahe liegend ist, dass die zu durchbohrenden Materialien wohl organischer Natur waren und deshalb in aller Regel ohne Erhaltung geblieben sind. 
Sicherheit geben in neuerer Zeit die Gebrauchsspurenanalysen. Mikrogebrauchsspuren sind überwiegend an Bohrern aus bandkeramischen Inventaren fest gestellt worden. Hier ist das Bohren von Holz und Haut belegt. Wichtige Erkenntnis ist auch, dass nicht immer die Spitze entscheidend also die Bohrfunktion von Bedeutung war, sondern damit auch Löcher in Holz ausgeweitet wurden. Dem gemäß befinden sich die Gebrauchsspuren an den lateralen Kanten des Artefakts. Die Kanten scheinen oftmals sehr viel mehr in Gebrauch gewesen zu sein, vielleicht aber auch ein Hinweis darauf, dass sie entweder nicht immer geschäftet waren, oder man die Stücke erst zu Bohrern umarbeitete, nachdem die Kanten nicht mehr zu gebrauchen waren.
neue Bohrer aus Sonderbuch:

Nahezu 100 Bohrer sind mittlerweile auf einer einzigen Fundstelle erfasst worden. Die hohe Zahl fiel sowohl bei einer archäologischen Untersuchung (Grabung) auf, als auch durch Lesefunde. Sie scheinen damit gleichermaßen in Gruben gelangt  als auch auf den Oberflächen zurück geblieben zu sein. Die Häuser der Stichbandkeramik weisen noch Längen bis zu 40m auf. Bohrer finden sich auf der gesamten Siedlungsfläche und es ist nach meinem Eindruck nicht von Aktivitäszonen aus zu gehen an denen sie konzentriert auftreten.  Nur Einzeleinmessungen könnten  das sicher belegen.

Sehr feine, kleine Bohrer einer Fundstelle, die neben der Stichbandkeramik auch linienbandkeramische Komponenten aufweist.
Die frühe Linienbandkeramik ist in Bezug auf die Keramik, den Hausbau und das Werkzeuginventar noch relativ einheitlich. Die Stichbandkeramik, die auf Flur Grund nachgewiesen wurde datiert zwischen 4900 - 4500 vor Christus und ist schon stark regionalisiert. Ist das erhöhte Aufkommen von Bohrern der Sonderbucher Siedlung auch ein regionales Spezifikum?

Nach der gängigen Morphologie weisen Bohrer definitionsgemäß zwei retuschierte Kanten auf, die sich in einer deutlichen Spitze treffen. Die Retusche ist meist dorsal angebracht, kann aber auch ventral oder alternierend angelegt worden sein. (Zit: Die Silexgeräte der Linienbandkeramik, des frühen Mittelneolithikums und der Rössener Kultur,  Birgit Gehlen in Steinartefakte, Kerns Verlag)