Powered By Blogger

Samstag, 22. September 2012

415. Post. Lange LBK-Klingen

Selten kommen aus dem Pfluhorizont nicht zerbrochene , lange Klingen. Kleinere Klingen haben dagegen relativ gute Chancen von landwirtschaftlichen Maschinen verschont zu bleiben.

Die beiden vorgestellten Klingen ( Klingendefinition: Abtrennungen, die mindestens zweimal so lange wie breit sind, werden als Klingen definiert.) weisen eine Originallänge von 65mm und 68mm auf. Da sie frisch aus dem Kolluvium bzw. aus einer Grube gepflügt wurden, sind sie nur leicht beschädigt und weisen scharfe Lateralkanten auf. Die schmalere der beiden Klingen stammt von BÖTT2, einer Linienbandkeramischen Siedlung bei Bollingen in der Nähe der Autobahn. Die etwas breitere Klinge stammt von SOND8 bei Sonderbuch, ebenfalls von einer Linienbandkeramischen Siedlung. Die Schlagflächenreste belegen eine weiche Schlagtechnik, etwa einem Schlagintstrument und einem Geweihzwischenstück. Gezielte Abtrennungen sind für serielle Klingenproduktion nur mittels dieser Punchtechnik zu bewerkstelligen. Der Schlagpunkt kann in Ruhe festgelegt werden, während im freien Schlag die Trefferquote einen Kern schnell ruiniert, zumal der Schlagwinkel eine entscheidende Rolle spielt.  
Eine Lateralkante der unteren Klinge zeigt vielleicht Gebrauchsspuren. Eine Verwendung als "Messer" ist in beiden Fällen denkbar. Glanz ist bei beiden nicht zu erkennen.

Die Ventralseiten der Klingen. Die breitere weist am Distalende Kortex auf

links: die Proximalenden mit dem jeweiligen Schlagflächenrest

Auch ohne Modifikationen (Retuschen) brauchbare, fertige Werkzeuge. Der Anteil an unretuschierten Klingen ist in der Zeit der Linienbandkeramik relativ hoch. 

Mittwoch, 19. September 2012

414.Post. Getemperter Kern aus Hornstein.

Den typischen Glanz von getempertem Hornstein zeigt dieser bei Sonderbuch (Breite) gefundene Kern, an dem ursprünglich lange Klingen geschlagen und nach einigen letzten unglücklichen Versuchen auf gegeben wurde.





Eisenanteile werden für das Verfärben ins Rötliche, Mangananteile in das Verfärben ins Graue verantwortlich gemacht. Hitzebehandlungen des Rohmaterials wurde vor allem im Frühmesolithikum (Beuronien) vor genommen, kommt aber auch in neolithischen Zusammenhängen noch vor aus dem dieser Kern stammt.

413. Post. Ein ungewöhnlicher Kratzer aus Asch.

Für gewöhnlich zeichnet sich der Kratzer durch eine konvexe Kratzerkappe aus, die nach dorsal modifiziert ist. Für die Herstellung von Kratzern eignen sich sowohl Klingen, als auch Abschläge. Für gewöhnlich wird deren Distalende modifiziert. So auch bei dem vor gestellten Stück im Vergleich mit einem Klingenkratzer.
Dem Steinschläger ist es nicht gelungen, die Retuschen durch zu schlagen. Die Bruchausdehnung blieb unvollkommen und blieben stecken. Dennoch ist eine feine, regelmäßige Kratzerkappe entstanden. 

Profil: unten rechts die Kratzerretuschen, alle steckengebliebene hindges. 


links im Vergleich ein Klingenkratzer, bei dem die Retuschen nicht stecken blieben. 

412. Post. Keramik vom Ascher Brennerhäule.

Keramik sind die Leitfossilien der Archäologie und nicht selten werden ganze Kulturen und Kulturgruppen nach der Keramik benannt. (Beispiele: Linienbandkeramik, Stichbandkeramik, usw.) Wenn keine stratifizierten Funde vorliegen, liefern Keramikscherben somit nicht selten die einzigen datierbaren Belege auf den Oberflächen. Im Umfeld des Ascher Brennerhäule gibt es bislang sehr wenig keramische Belege, alle stammen von den Oberflächen. Der Pflughorizont lässt jedoch keine dauerhafte Erhaltung zu und es ist notwendig, sie entsprechend ein zu messen und zu bergen. Maschinelle Bearbeitung und Frost sorgen sonst in kurzer Zeit für Totalverlust. 
NEU ist ein Fragment eines Gefäßrandes. Die Grundform des Randabschlusses ist rund und leicht nach außen umgeschlagen. Das Gefäß, zu dem er gehörte, entstand noch nicht auf der Töpferscheibe. Das Randprofil kommt bei verschiedenen neolithischen Kulturen vor. Der reduzierend gebrannte Scherben ist etwas rau, die Oberfläche jedoch sorgsam geglättet. Im Bruch und auf den Oberflächen sind mit bloßem Auge Glimmer und Bohnerzkügelchen zu erkennen. Die Randscherbe wurde nur vorsichtig mit klarem Wasser von anhaftender Erde befreit. 








die Bruchfläche

Das Keramikfragment ging als Fundmeldung zur Denkmalpflege nach Tübingen. Etwaige nähere Bestimmungen werden nach gepostet.


411. Post. Fundbeleg aus dem 3. Reich.

Kurioses liefert die Augensonde und doch echte Belege der lokalen Partizipation an der Welt-Geschichte,
wie diesen Anhänger aus gelblichem Glas. Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_von_Bismarck
Beleg für die Haussammlungen des Winterhilfswerks in den 1930er Jahren.

Beleg für das WHW-Winterhilfswerk des 3. Reiches.
 Otto von Bismarck ( 1815 bis 1898) war von 1867 bis 1871 Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes. Von 1871 bis 1890 erster Reichskanzler des Deutschen Reiches. 1890 wurde er von WilhelmII entlassen. Im Deutsch-französischen Krieg von 1870/71 war er, oft der "Eiserne Kanzler" genannt, als  treibende Kraft an der Gründung des Deutschen Reiches beteiligt.
Vor allem nach seiner Entlassung setzte in Deutschland eine beispiellose Bismarck-Verehrung ein, die sich nach dem Tode noch verstärkte. (Siehe Bismarck-Felsen in Blaubeuren.) Sein Konterfei war auf vielen Alltagsgegenständen zu finden ( selbst auf Nachttöpfen) und schlug sich sogar auf eine Zubereitungsart von Heringsfilets nieder. Nach Aussagen des letzten Besitzers der Sonderbucher Gaststätte GERMANIA waren Bismarckheringe neben Rauchfleisch die einzigen Speisen, die zu Bier und Apfelmost gereicht wurden.

Diese Glasanhänger gab es in verschiedenen Farben, wie rosa, hellgrün, dunkelgrün etc. und außer Otto von Bismarck zierten sie auch andere "Große Deutsche" der Geschichte: wie Beethoven, Frank v. Lembach, Holbein, Joh. Seb.Bach, Heinrich der Löwe, Adolf Menzel, Freiherr von Stein,...etc. Eine Art "Quittung" für mehr oder weniger "freiwillige Spenden." Allgemein werden diese Stücke als "Abzeichen" auch gesammelt.

Über die Haussammlungen für das Winterhilfswerk, lesen Sie bei  WIKIPEDIA:

http://de.wikipedia.org/wiki/Winterhilfswerk_des_Deutschen_Volkes

Asch. Brennerhäule.

410. Post. Grobe Spitze

Aus neolithischem Kontext stammt diese 57mm lange Spitze. 
Asch.Brennerhäule.
Die Grundform ist ein Abschlag, mit linsenförmigem Schlagflächenrest und steckengebliebenen, voraus gegangenen Abschlagsversuchen im dorsalen Proximalbereich. 

Der Abschlag war wohl bereits abschließend formgebend. Die anschließend an gebrachten, beidseitigen  Lateralretuschen (Modifikationen) beziehen die Spitze, das Proximalende, nicht ein und ließen den Schlagflächenrest stehen, wie das oft an Pfeilspitzen zu beobachten ist. Leichte Polituren auf der Ventralseite und am breiten  Distalende belegen den Gebrauch, bzw. vielleicht auch eine Schäftung. Eine Ansprache nach der Funktion des Artefakts ist schwierig. Eine Verwendung als Projektil kommt wegen der Größe und des Gewichtes kaum in Frage. Die Spitze wiegt 12,7 Gramm. (Dass wesentlich schwerere Geschosse zum Fliegen gebracht wurden, beweisen erst später die Metallprojektile des Mittelalters) Alle Retuschen sind nach dorsal aus geführt mit Ausnahme weniger am Distalende. Möglicherweise lag hier aber das Funktionsende, da die Politur hier deutlich zu erkennen ist. Ein ungewöhnlicher und bislang einmaliger Fundbeleg. Die Gletschermumie des Hauslabjoch führte eine ähnlich kurze Spitze als Dolch geschäftet mit sich. 




Montag, 17. September 2012

409. Post. Jagd nach patiniertem Gestein.

Nach wie vor sind die Begehungen und deshalb auch Bergungen (-Absammlungen) nahezu eingestellt. Die Saison 2012/2013 startet jedoch mit guten Fundbedingungen, vor allem auch auf den Flurstücken, die ein prioritäres Augenmerk verdienen. 
Vorgestellt werden deshalb in erster Linie Fundbelege, die in vergangenen Jahren gemacht werden konnten, aber jetzt erst einer Reinigung und Begutachtung unterzogen werden. Neu jedoch ist ein patinierter Hornstein aus dem Umfeld des unlängst auf gefundenen Faustkeilblattes, der in Post 260 http://lesefunde.blogspot.de/2011/05/260.html    in Verbindung mit einem ähnlich patinierten Hornstein   vorgestellt wurde. Auch die Zerlegung des Neufundes könnte aufgrund der intensiven Patina durchaus ebenfalls in den Zeitraum des Mittelpaläolithikums passen.  :
Nur geringe, rezente Schrammen ließen den Hornstein erkennen.