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Donnerstag, 9. August 2012

400. Post. Experimentelle Archäologie.

Lesesteinhaufen bieten immer wieder die Chance Rohmaterial zu gewinnen, das ansonsten bestenfalls als Auffüllmaterial an fremder Stelle Wiederverwendung findet. Es ist erstaunlich, wie das Material, das unter Steinschlägern nur als "bergfrisch" die besten Schlageigenschaften besitzen soll, auch durch lange Zeit der Lagerung im Pflughorizont und auf den Oberflächen seine Spaltbarkeit behält. 

siehe: Eine wohlfeile Materialquelle:
http://lesefunde.blogspot.de/2012/06/370post-lesesteinhaufen.html

Beispiel für ein modernes Artefakt, mit dem Geweihschlägel (Hirsch) frei in der Hand geschlagen:



Unerlässlich: Kenntlichmachung!- Ein neu erzeugtes Gerät muss als solches zweifelsfrei erkennbar sein und bleiben.

447. Einzelpost

399. Post. Neues aus dem HOHLE FELS.

Erwartungsgemäß konnte im Hohle Fels der Aufenthalt des Neandertalers belegt werden...

Wer zum Pressetermin Spektakuläres erwartet hat, wurde "enttäuscht". Funde wie die der Venus, die schon bald die "Hauptvitrine" des Blaubeurer Urgeschichtlichen Museums zieren wird waren nicht zu erwarten, weil das Archäologenteam unter Grabungsleiterin Maria Malina in tiefere Schichten vorgedrungen ist. Diese sind also wesentlich älter als jene, in denen frühe Kunst wie "die Venus" oder Musikinstrumente wie die Geierknochenflöte zu erwarten gewesen wären. Jene Schichten wurden in der Zeit des modernen Menschen vor 40 000 Jahren hinterlassen. 

Gegraben wurde dieses Jahr in Bereichen, die die Zeit vor 60 000 bis 70 000 Jahren belegen. Jene Zeit also, in der in Europa der Neandertaler lebte,  Menschen, die sich nach der ersten Auswanderungswelle ( out -of -Africa-Theorie) weiterentwickelten und irgendwann von der Bildfläche verschwanden. Nach der zweiten Auswanderungswelle, so die wissenschaftlichen Erkenntnisse, kam ein fortgeschrittenes evolutionäres Erfolgsmodell aus dem schwarzen Kontinent das sich bis heute behaupten konnte. Durch die Zeitüberschneidung, also dem zeitgleichen Auftreten gelten Begegnungen als sehr wahrscheinlich. 

Mehr als allgemeine Informationen zu Neanderthaler und modernem Menschen, die Urspünge der Kunst und den kulturellen  Hinerlassenschaften der ersten Höhlenbewohner kamen bei der Vorstellung der Funde nicht zur Sprache. Die Geräte, Werkzeuge, Waffen der Neanderthaler, also der Zeit des Mittelpaläolithikum unterscheiden sich von späteren Gerätschaften durch ihre Herstellungsweise. Prof Conard sprach in diesem Zusammenhang davon, dass die Werkzeuge eher grob und einfach bearbeitet erscheinen. Derlei Aussagen führten in der Vergangenheit dazu, den Neanderthaler als eine ebenso grobe und einfache Erscheinung zu interpretieren. Alle Theorien außer der Unterscheidung in der Art der Steinbearbeitung haben sich in der Zwischenzeit jedoch überwiegend als haltlos erwiesen. Viele Fragen zu dieser Kultur sind weiterhin offen und die Forschung kann theoretisch durch die Grabung im Hohle Fels wieder ein Stück weiter kommen. Prof. Conard als verantwortlicher Leiter der Ausgrabungen bezeichnet die Grabungsergebnisse als "solide".

Eine These, für die es Anhaltspunkte gibt ist die, dass sich der anatomisch moderne Mensch mit seinen Verwandten, den Neanderthalern vermischte und diesen Nachweis auch archäologisch zu untermauern ist ein Ziel der Forschung. Im Hohle Fels, so scheint es kommt man diesem Beweis wohl nicht näher, da die Stratigrafie der Höhle den Beweis nicht liefern kann. Zwischen den Aufenthalten des Neandertalers und denen des modernen Menschen liegt eine "fundleere Schicht", die nur Bärenknochen führt, also eine noch nicht näher bestimmte Zeit zwischen letztem Aufenthalt des Neandertalers und dem Erscheinen des Homo sapiens vergangen sein muss. 
Der Höhlengrund wurde noch nicht erreicht und Messungen nach liegen noch ca. 2,5 Meter Erdschichten unter dem diesjährigen Grabungsniveau.
Parallel hierzu wurden Flächen in der Zeit zwischen 31 000 bis 25 000 vor heute geöffnet.( Zeit des Gravettien)  Hier wurde nach Angaben "ein Amulett" gefunden, das nicht näher bezeichnet wird. Wenn sensationelle Ergebnisse aus den Grabungen des Hohle Fels zu Tage kommen lesen wir das zwischenzeitlich nicht mehr zuerst in der lokalen Presse, sondern im englischsprachigen "NATURE " Das Wissenschaftsmagazin berichtete in der Vergangenheit immer als erstes darüber. Die Funde sind von hohem, internationalem Interesse und deshalb ist das auch sehr angemessen. Sollten also doch spektakuläre Erkenntnisse gewonnen worden sein, muss man wohl das Erscheinen "im Nature" abwarten. 
Faustkeilblatt von der Blaubeurer Alb, Sonderbuch
 ( Mittelpaläolithikum, Neanderthaler )
Oberflächenfund 2011 


Mittwoch, 8. August 2012

398. Post. Lagerstätten und Entfernungen zu Siedlungen...

Auf Wippinger Markung befindet sich nur 200m von der Rohmaterialquelle im Borgerhau entfernt ein Siedlungsplatz, auf dem noch kein wissenschaftlicher Rohmaterialvergleich stattfand, zeitlich ist er ebenfalls noch nicht sicher ansprechbar, scheint aber sowohl frühneolithische, wie auch mittelneolithische Komponenten zu zeigen. Wenige Keramikscherben könnten der LBK, der Linienbandkeramik zugehörig sein. 
Auf einer begrenzten Fläche erscheinen relativ groß stückige Artefakte der Grundproduktion:


Die Kortex des Rohmaterials auf WIPP005 erscheint mit abgerollter Rinde aus sekundärer Lagerstätte, wie die des Borgerhau.

Montag, 6. August 2012

397. Post. Beobachtungen an Ascher Lagerstätte.

Vor wenigen Jahren konnte eine Lagerstätte von Hornstein dem Denkmalamt gemeldet werden, das sich vom Material des nahen Borgerhau zu unterscheiden scheint.


Eine grobe Absammlung einer vermutlichen Lagerstätte aus Asch. Auffällig: die raue Kortex der Knollen. 

Grobzerlegung, Grundproduktion, angetestete Knollen..


auch hier wie bei der Lagerstätte Halde: pinker Hornstein.


 Die Kortex ist es, die hier besonders auffällt: Die sandpapierartig rauhen Rindenflächen belegen vermutlich, daß das Rohstück keine natürliche Verlagerung erfahren hat. ( bei der die Kortex abgerollt wäre) Ähnliches kennt man vom Jurahornstein der südöstlichen Frankenalb aus der Sesselfelsgrotte. Er muss also unweit des Ortes der Entstehung an die Oberfläche gelangt sein. Möglicherweise also eine primäre Residuallagerstätte, hervorgegangen aus der chemischen Verwitterung des Muttergesteins vor Ort. 
 Auf ähnliche Weise treten auf vielen Äckern vereinzelt Hornsteine an die Oberfläche, die keine artifiziellen Veränderungen aufweisen. Erst eine gewisse Anhäufung- Vorkommen- wurde auffällig und als Rohstoffquelle interessant. Möglicherweise hat außer dem Abbau durch Pingen auch das Klauben, Auflesen von Material auf den neolithischen Äckern eine gewisse Rolle gespielt. 
Die Situation ist somit anders an dieser Stelle wie in den Pingen des Borgerhau. Sie liegt aber nicht weit davon entfernt. Die Entstehung ist aber die selbe. Damit eine solche chemische Verwitterung aus dem Muttergestein geschehen kann, muß der silexführende Gesteinskörper erst trocken gefallen sein, so dass sich eine Pflanzendecke bilden kann, welche die zur Lösung notwendigen Huminsäuren bereitstellt. Zurück blieben die unlösbaren Bestandteile des Mutteresteins, feintonige Substanzen, verdichtet zu Lehm und darin eingebettet die Kieselbildungen. Auch die Rohknollen der vorgestellten Lagerstätte zeigen teilweise Strukturunterschiede gegen das Innere der Knollen. Das Rohmaterial im Borgerhau ist verlagert und hat eine sekundäre Lagerstätte gebildet.


oben und unten: Ein Klingenkern aus dem Bereich der Lagerstätte, bislang der einzige.










Abschläge vom Bereich der vermuteten Lagerstätte.
Die Fundentwicklung dieser Stelle muss ab gewartet werden. Zweifellos wird es notwendig sein, das gesamte Fundaufkommen ein zu messen. 
Auch bei Wippingen erscheinen ähnliche Vorkommen, die ich bislang als Lagerstätte einstufe. Eine archäologische Untersuchung hat dort keine Gruben die auf einen Abbau schließen lassen gefunden. 

Freitag, 3. August 2012

396. Post. Neues Aufnahmeverfahren der Oberflächenfunde. Start in die Saison 2012/2013


Nachdem nun die meisten Artefakte auf den Oberflächen verbleiben, werden bemerkenswerte Einzelfunde ein gemessen.


Ein Klingenkern 



zwei Klingenkerne, die selben Koordinaten mit GPS erfasst.



schweißtreibende Logistik und entschleunigtes Absammeln. Jeder Einzelfund verlangt nun viel Zeit.


Das Verweilen bei der Aufnahme an einem Ort zeitigte - durch genaueres Hinsehen-  das Erkennen einer Silbermünze.

Oberflächen- Münzfund, Maximilian vom Jahre 1625.- 2 Silberkreuzer, SOLI.DEO.GLORIA.(=Nur Gott gebührt die Ehre) M.C.P.R.V.B.D.S.R.I.A.E.E.; Bayerns Rautenbanner 18mm ;1.01 g Silber. Ein sogenannter Halbbatzen.

So findet sich halt auch mal ein "Batzen Geld", wenn auch nur einen halben.  Die Münze stammt somit aus der Zeit des 30jährigen Krieges (1618 - 1648) in dem es um die Hegemonie in Deutschland und Europa ging, der aber auch zugleich ein Religionskrieg war. In Teilen Süddeutschlands überlebten nur ein Drittel der Bevölkerung und die Not war groß. Sonderbuch lag in Schutt und Asche. 





Mittwoch, 1. August 2012

395. Post. Neues von Jung's "Heimathirschen..."

Die Sicht eines "Heimathirsches" wurde als Pressestimme bei Waxmann.com aufgenommen. Selbstironie...
http://www.waxmann.com/index.php?id=buecher&no_cache=1&tx_p2waxmann_pi1%5Boberkategorie%5D=OKA100026&tx_p2waxmann_pi1%5Bunterkategorie%5D=UKA100148&tx_p2waxmann_pi1%5Bbuch%5D=BUC120700
Empfehlenswerte Literatur. Geeignet, sich selbst nicht all zu wichtig zu nehmen.

394. Neues von der "survey" (Knipper, Schreg, Fisher, Harris et al )

Es gibt neue Forschungsergebnisse des archäologischen Projektes
 -zur Hornsteinnutzung und Besiedlung auf der Blaubeurer Alb- (um Sonderbuch/Asch/Wippingen,) 
die Rainer Schreg in seinem blog ARCHAEOLOGIK heute vorstellt.
link: 
http://archaeologik.blogspot.de/2012/08/untersuchungen-zur-hornsteinnutzung-auf.html
Bemerkenswert ist, dass es offenbar gelungen ist eine neue Lagerstätte zu entdecken.

Edit: Die Lagerstätte ist seit Jahren bekannt, aber noch nicht wissenschaftlich publiziert. In nächster Nähe konnten vor Jahren bei der Anlegung eines Kabelgrabens Artefakte geborgen werden.