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Dienstag, 18. Oktober 2011

Sonntag, 16. Oktober 2011

297. Post. Weitere, einfache Pfeilspitze aus stichbandkeramischem Kontext.
Mehr für eine Zurichtung zu einer funktionierenden Pfeilspitze braucht es nicht und weniger geht nicht:

Links, im Vergleich mit einer schon vorgestellten Pfeilspitze aus mittelneolithischen Zusammenhängen (rechts) gleich langen Spitze, diesmal aus grauer Hornsteinvarietät. Wenige, formgebende Retuschen sind an einer Klinge als Grundform aus geführt worden, deren Basis wie die der etwas aufwändiger hergestellten weißen Schwester, leicht konkav ausgebildet ist. Die schon vorgestellte Spitze hat eine Basismodifikation nach ventral, während die einfachere eine Modifikation der Basis nach dorsal aufweist. Da die Basis im Pfeilschaft befestigt war, war die Modifikation eine praktische, die im Zusammenhang mit der Schäftungsart notwendig war.
Nach ventral ist die neue Pfeilspitze überhaupt nicht modifiziert, weist lediglich rezente Beschädigungen auf. Funde dort zu belassen, wo sie in ihrem Kontext erhalten bleiben, heißt auch solche Beschädigungen bis zum völligen Verlust in Kauf zu nehmen. Umstände, durch die sich Sammler vor allem als Retter der archäologischen Objekte verstehen. Aus arachäologischer Sicht ist es opportun immer möglichst viel Kontext zu einem Fund zu eruieren. Einzelfunden ohne Kontext wird wenig Aussagekraft zu gemessen. Doch: Welchen Kontext kann durch eine ( dem Gebrauch nach weit herum kommende Spitze...) verlieren? Welche Dokumentation -außer der Einmessung des Fundortes in der Fläche- könnte noch angezeigt sein? Jedes beschädigte Fundstück ist ein Argument für die Absammlung der Flächen. Ein Medial- oder Spitzen-Bruchstück dieser einfachen Pfeilspitze wäre ohne die Basis nicht als Pfeilspitzenfragment zu erkennen.
Zweimal die gleiche Zurichtung an der Basis der Pfeilbewehrung: links nach ventral und rechts nach dorsal retuschiert.

Sonntag, 9. Oktober 2011

296. Post. Kratzer aus Bohnerzhornstein und eine Pfeilspitze der Stichbandkeramik.
Aus Sonderbuch (SOND.005.Grund) liegen vor allem auffällig viele Bohrer vor, die hier schon vorgestellt wurden. Aus den Kratzerfunden stechen vor allem solche mit ortsfremdem Rohmaterial hervor, wie der unten stehende Abschlagkratzer aus Bohnerzhornstein.

Die Kratzerkappe/stirn erscheint mit auffälliger Politur, obgleich die Kanten der feinen Retuschen nicht durch Gebrauch verrundet erscheinen. Der Kratzer weist wie viele auch zusätzlich eine laterale Retusche, hier links auf. Die rechte Lateralkante ist unmodifiziert.
Eine langschmale Pfeilspitze aus stichbandkeramischem (mittelneolithischem) Kontext. Ähnlich der langschmalen Klingen von diesem Fundort, erscheint auch dieses Projektil auffällig lang. Nach dorsal etwas mehr als nach ventral sind im Spitzenbereich die Retuschen partiell flächig, ansonsten umlaufend als formgebende Kantenretuschen angelegt. Die Basis ist weitgehend gerade mit einer leicht konkaven Retusche nach ventral. Das Proximalende der Grundform liegt im Spitzenbereich des Projektils. Der rosa Schimmer entlang einer Lateralkante ventral ist eine natürliche Bänderung im fast reinweißen Hornstein, wie er auf der Blaubeurer Alb vorkommt.

oben links: feine rosafarbene Bänderung/ Sprenkel.

Modifizierte Klinge

295. Post. Ein links lateral retuschiertes Distalfragment einer Klinge,

mit steilen Retuschen nach dorsal. Auffällig ist, dass die rechte Lateralseite noch Kortex aufweist und nicht retuschiert ist. Ich neige dazu, es als unfertige Spitzklinge, bzw. als Bohrer an zu sprechen, der seine Funktion noch nicht erfüllen konnte. Das Fragment weist noch eine Länge von 45 mm auf. Ich vermute jungneolithischen Kontext. Ein Fund vom selben Acker wie die Artefakte aus Post 294.
294. Post. Bandkeramische Pfeilspitze und Kratzer, finden sich auf einem Acker, der offensichtlich mehrere Zeithorizonte umfasst. Vor allem die jungneolithischen Pfeilspitzen die hier schon vorgestellt wurden können aufgrund der hohen Frequenz kein Zufall sein. Aber auch wenig Keramikreste und die abgebildete Pfeilspitze sprechen dafür, dass es hier auch eine älterneolithische Komponente geben muss. Die Kratzer, die in verschiedenen Größen vorkommen sind aus verschiedenen Zeithorizonten möglich.
oben und unten eine wohl bandkeramische, also altneolithische Pfeilspitze, beschädigt, mit gerader Basis, lediglich kanten retuschiert. Ein Fundbeleg, der dafür spricht, dass Funde abgelesen werden sollten, da die Beschädigung rezent durch ein Ackergerät entstanden sein dürfte.

Kratzerkappen aus verschiedenen Varietäten des Hornsteins, wie er im nahen Borgerhau im Neolithikum ab gebaut wurde. Müsste aus dem lokalen Vorkommen geschlagen worden sein. Die reinweiße bis graue Variante kommt dort sehr häufig vor, während die bräunliche Einfärbung durch Verwitterungslehm (Bohnerz) seltener auftritt und auch ein Import sein kann.

Montag, 3. Oktober 2011

Das achäologische Jahr in Sonderbuch

293. Post. Das archäologische Jahr in Sonderbuch...

ist gekennzeichnet durch eine Reduzierung der Absammlungen der Fundflächen, wofür in diesem Jahr vor allem auch die Wetterverhältnisse gesorgt haben. Der November, eigentlich der niederschlagreichste Monat im Jahr war so trocken wie die letzten 58 Jahre nicht mehr.


Es erfolgte ein gewisses Umdenken, da große Sammlungen die Denkmalpfelge auch vor Probleme stellen können, da es meist kein Personal dafür gibt, diese in einer Form zu übernehmen, dass sie der Wissenschaft auch Nutzen bringen. Oft gehen ganze Sammlungen unter, weil die Erben sich nicht dafür interessieren, oder nicht rechtzeitig Verfügungen für den Verbleib getroffen wurden.


Mit dem Interesse von seiten der Eberhardt-Karls-Universtität Tübingen besteht die Hoffnung, dass zumindest Teile der Sonderbucher Sammlung zu wissenschaftlichen Untersuchungen heran gezogen werden. Sie ist aber auch so umfangreich, dass sie für die Untersuchungen der survey um Fisher, Knipper, Harris, et.al. nicht berücksichtigt wurden.

Da sehr viele Funde noch gereinigt, beschriftet und magaziniert werden müssen, war in diesem Jahr verstärkt Zeit dafür aufgewendet worden. Bemerkenswerte Einzelfunde und damit verbundene Erkenntnisse werden auch weiterhin in diesem blog gepostet. Denkmalpflege "quo vadis?" fragt man sich, wenn man sich die bundesweiten Entwicklungen anschaut. Schon sind wir so weit, dass die wirtschaftlichen Belange die mit Bodeneingriffen verbunden sind einen Rechtsniederschlag in den Denkmalschutzgesetzen finden soll (Schleswig-Holstein) In Ungarn sorgt ein neues Gesetz dafür, dass eine 30-Tages-Frist für archäologische Untersuchungen das Minimum darstellen, das für Bodendenkmale zur Verfügung stehen soll, was auch für laufende Grabungen gilt.

Derartige Probleme stellen sich auf der Blaubeurer Alb noch nicht und es ist nach wie vor möglich in Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde Oberflächenfunde zu sichern. Aus vielerlei Gründen geschah dies in diesem Jahr hauptsächlich auf Flächen, die mittelpaläolithische Funde erwarten lassen.

Die Jahrestagung der Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern fand in Blaubeuren statt und eine Exkursion sollte auch auf die Blaubeurer Alb führen. Das Ziel war die keltische Viereckschanze von Sonderbuch. Ein weiteres Ziel, die Pingen im Borgerhau, musste aus zeitlichen Gründen leider ausfallen, obwohl die Ausgräber an dieser Exkursion teil nahmen. Da weitere Untersuchungen eine Frage der Zeit sind und von persönlichen Motiven geprägt sein wird ( was Verzicht auf Freizeit bedeutet und auch möglichst nichts kosten darf) ist es noch unklar ob und wann und mit welchen Fragestellungen es weiter gehen kann. Auf allen Fundstellen um den Borgerhau- Siedlungen, Schlagplätze, etc. gibt es jedoch noch viele, ungeklärte Fragen, zu deren Erhellung auch die Oberflächenfunde beitragen können.

Zum Thema Oberflächenfunde noch ein interessanter Link:
http://quaternary-science.publiss.net/system/articles/pdfas/88/original_vol06_no1_a17.pdf?1284107328

Sonntag, 18. September 2011

292.Post. Ein großer Abschlagkratzer aus Jurahornstein.
- die Begehungen sind bis auf Weiteres eingestellt. Vorgestellt werden nunmehr gereinigte und magazinierte Altfunde.
Die Ventralseite des Abschlags: Der Kern von dem er ab geschlagen wurde hat außen eine feine und innen eine grobkörnige Textur. Der Abschlag ist 60mm lang und 40mm breit. Der Schlagflächenrest liegt oben. Die Schlagfläche war für diesen Abschlag präpariert.
Dorsalseite mit Klingennegativ.
Die Kantenretusche nach dorsal ausgeführt, wurde im reinweißen Bereich der Rohknolle angebracht, die direkt unter der Kortex, der Rinde liegt.

Ein verworfener Kern vom Borgerhau: im Bild unten die Kortex, mittig das randliche, feinkörnige Material, oben das innere des Kerns, das keine sehr feinen Geräte zulässt.

292.Post.Ein großer Abschlagkratzer aus Jurahornstein,
zeigt deutlich, warum oft große Kernsteine verworfen wurden. Das hochwertiger Material liegt direkt unter der Kortex, während die Kerne nach innen grobkörniger werden. Der Abschlag zeigt auf der Ventralseite die unhomogene Textur. Im Randbereich konnte am feinkörnigen, dichten Material eine feine Retusche umlaufend an gebracht werden. Der Kernstein, der das auch zeigt, ist Material vom Borgerhau. Um also einen feinen Kratzer oder Ähnliches her zu stellen, wurde ein entsprechender Abschlag aus dem Randbereich benötigt. Es gibt jedoch natürlich auch sehr viele Artefakte aus dem grobkörnigeren Material im Übergang zu Kieselkalk und verkieseltem Kalk.


Herzliche Grüße nach Indonesien! Der malaiisch-polynesische Sprachzweig hat mehrere hundert Regionalsprachen, deshalb für die ersten Besuche aus Indonesien ein englisches : welcome to my blog!