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Montag, 10. November 2014

527. Post. Typen machen den Unterschied...

Älter neolithischer Bohrer als Datierungshilfe für eine neue Siedlung.

Die Artefakttypen unterscheiden sich in den verschiedenen Zeithorizonten zumindest tendenziell, wenn nicht aufgrund ihres ausschließlichen Auftretens. Während auf den mittelneolitischen Siedlungen bei den Bohrern eher Kleinformen mit Schulter dominieren, kommen auf den älteren Siedlungen der LBK um Sonderbuch vor allem  langschmale Exemplare vor, zwangsläufig aus Klingengrundformen.

Linke Lateralkante mit der Ventralfläche oben
Neuer Beleg einer neu entdeckten Siedlung, die schon vor gestellt wurde: 

https://www.blogger.com/blogger.g?blogID=5486790017099944322#editor/target=post;postID=2119728863198074226;onPublishedMenu=posts;onClosedMenu=posts;postNum=11;src=postname


Nach zwei eindeutigen Pfeilspitzen und etwas Keramik der LBK, erschien nach dem Pflügen nun auch ein sehr passender Bohrer, der in den selben Zeithorizont weist. Die neuen Siedlungen beim Blauberg geben sich zu erkennen...
Linke Laterale mit der Dorsalfläche. Alle Retuschen gehen nach dorsal

Dorsalfläche mit den Klingennegativen der voran gegangenen Ablösungen

Ventralfläche mit deutlicher Schlagmarke,  ohne Bulbus

Rechte Lateralkante
Polituren, die Hinweise auf eine Schäftung geben, sind nicht zu erkennen. Die unregelmäßigen Retuschen sind durch Gebrauch entstanden und die ursprüngliche Zurichtung (Formgebungsretuschen) somit nicht mehr vorhanden. So ein Bohrer schärft sich gewissermaßen durch den Gebrauch selbst nach, indem kleine Ausbrüche immer wieder eine scharfe Kante erzeugen. Die kinetische Energie (Druck durch Drehung) muss dabei gezielt von ventral nach dorsal ein gewirkt haben, da keinerlei Ausbrüche nach ventral entstanden sind.

Welcome visitors from Malaysia. 

Donnerstag, 30. Oktober 2014

526. Post. Das "archäologische Jahr" in Sonderbuch 2014

Wie jedes Jahr versuche ich eine kleine Zusammenfassung der Erkenntnisse eines Jahres zu verdichten und zu resümieren...

denn in ungezählten Stunden der Geländebegehung gibt es, wie nur der regelmäßige Leser weiß, Neuigkeiten, die das Dunkel der frühen Besiedelungsentwicklung weiter erhellen. Sollen private Sammlungen jedoch in wissenschaftliche Auswertungen einfließen, braucht es aber zwangsläufig bedeutende und einmalige Funde. Nur sie wecken das Interesse der chronisch unterversorgten Landesarchäologie.  

Verschwindend sind so die Neufunde z.B. gegen die spektakuläre Museumseröffnung des Urmu in Blaubeuren, über den auch UMGEPFLÜGT berichtet. Es ist die große, bedeutende Anlaufstelle im Raum, der die Interessenten der Urgeschichte anzieht und in Zukunft anziehen wird. Es ist der Ort, an dem sich Wissenschaft und interessierte Laien begegnen können und wo die ersten Kunstwerke der Menschheit im Original Wissenschaftler und Laien gleichermaßen anziehen und anziehen werden und wo es Originale an dem Ort zu bestaunen gibt, wo sie einst niedergelegt wurden und sich bis heute erhalten haben, Archäologisches Erbe als Sachquelle zur Natur- und Kulturgeschichte der Menschheit im Kontext der Denkmale als Orte der Erinnerung, die Höhlen mit ihren naturräumlichen und topographischen Eigenarten, Artefakte im Kontext des Bodendenkmals, eines Bodendenkmalensembles und eines größeren Denkmalbereichs, eine Einheit mit der Bodendenkmallandschaft, die auf dem Wege ist, Anerkennung als Weltkulturerbestätte zu erfahren. 

Verschwindend also fast, was quasi "darum herum geschah und vor allem danach". Ausgehend vom mittleren Paläolithikum hat sich hier der Mensch aufgehalten, gelebt, gesiedelt und Vieles hält der Ackerboden noch verborgen.

Auf der Suche nach dem Mittelpaläolithikum bis hin zum Mesolithikum fanden sich weitere, neue Anhaltspunkte im Kontext der neolithischen Siedlungen, ohne jedoch zentrale Fundstellen zu Erkennen zu geben, die weiterhin fehlen. An zahlreichen Fundstellen weist der Oberboden eine nur geringe Mächtigkeit auf, weshalb sich der Pflughorizont ebenso "gering tiefgründig" zeigt. Der Landwirt hat kein gesteigertes Interesse, auf die nur in geringer Tiefe liegenden Kalksteine des Juramassenkalks zu stoßen. In Börslingen erwies sich dies geradezu als Glücksfall und dort haben sich im Umfeld der Lonetalhöhlen Hornstein-Abbaustellen in nur geringer Tiefe von kaum 30cm unversehrt und unangetastet erhalten können. Die dünne Humusschicht sorgte dafür, dass an dieser Stelle bis in die Neuzeit hinein nur eine Beweidung durch Schafe, und erst mit dem Aufkommen der künstlichen Stickstoffdüngung eine intensive Bewirtschaftung möglich war.

Professor Harald Floss hat, nach den Professoren Müller-Beck und Conard im Fundmaterial der Sonderbucher Absammlungen mittelpaläolithische Artefakte (Werkzeuge des Neandertalers) identifiziert. Eine angekündigte Konsultation meiner Sammlung durch Professor Harald Floss hat zu meiner ganz besonderen Freude Ende November statt gefunden. Die Oberflächenfunde des Paläolithikums scheinen spätestens seit den Funden in Börslingen in den engeren Fokus der Wissenschaft gerückt zu sein. So scheint zumindest was das Mittelpaläolithikum angeht, das Interesse der Universität Tübingen und forschenden Archäologen größer zu sein als das der Landesarchäologen und ihren Behörden. Für neue Funde und Fundstellen finden Sammler oft eher die richtigen Worte als das richtige Ohr. 

Ähnliches gilt vielleicht für zwei neue Fundstellen auf Sonderbucher Markung, die zu vergleichsweise später Zeit unter den Pflug genommen wurden. Bis in die Neuzeit hinein befand sich hier Wald. Die neuen Siedlungsstellen liegen in Nähe der Hornstein-Lagerstätte am Blauberg und es zeichnet sich ab, dass um diese Lagerstätte sich ebenfalls - wie beim Borgerhau - Siedlungen gebildet haben. Dabei waren die Lagerstätten sicher  e i n  Gunstfaktor für die Wahl von Siedlungsflächen, der wird aber wohl neben der Eignung für die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen und zugunsten von Wasserversorgung zurückstehen. Wieder sehr auffällig ist, dass sich die Siedlungsstellen um natürliche Erdfälle gruppieren, wie auch an anderen Stellen auf den Gemarkungen Asch, Sonderbuch und Wippingen. Viehhaltung war sicher ohne Wasserstellen nicht möglich und es bleibt für mich die spannende Frage offen, ob diese Dolinen/ Erdfälle als natürliche Wasserspeicher eine Bedeutung gehabt haben könnten. Eine unweit davon, unterhalb gelegenes Flurstück heißt heute noch aus nach vollziehbaren Gründen "Teich" und dürfte - inzwischen "trocken gefallen" - die höher liegenden Flurstücke wohl heute noch entwässern. Über Brunnen und Wasserversorgung gibt es vergleichsweise wenig Forschung. Zu den Fundmeldungen gibt es noch keine Rückmeldungen von der zuständigen Denkmalbehörde. Auch die sicher in die Zeit des Neandertalers zu datierenden Werkzeuge wurden im Bereich eines noch bestehenden und mehrerer schon länger zugeschütteter Erdfälle gefunden. Ein Lagerplatz an alten Wasserstellen ist ein zu verlockender Gedanke und wäre durch Grabung leicht zu überprüfen.

Eine kleine, neu erkannte Lagerstätte zwischen dem Borgerhau und den Sonderbucher Siedlungen zeigt, dass neben den ergiebigen Pingen im heutigen Borgerhau auch kleinere Vorkommen aus gebeutet wurden und vielleicht auch das Auflesen von Hornsteinen in den Feldern der Neolithiker eine gewisse, untergeordnete Rolle gespielt haben könnte. Überhaupt wird durch Einzelfunde zwischen den zentralen Fundpunkten (Siedlungen) deutlich, dass es wichtig ist auch auf diese vermeintlich leeren Zwischenräume ein Augenmerk zu richten. Absammlungen spiegeln sehr subjektive Vorgehensweisen wider. und es ist nicht verwunderlich, dass von Orten die am intensivsten begangen werden auch die meisten Funde vorliegen. Die meisten Sammler beschränken sich bei den Absammlungen auf die Siedlungen, die Bereiche von Häusern, wo die meisten Funde zu erwarten sind. Die Peripherie und Aktivitätszonen, die sich darum herum entwickelten werden dabei oft zu Unrecht vernachlässigt. Ernsthafte Feldforschung aber kann sich unmöglich nur auf schon bekannte Siedlungsstellen und dort auf möglichst attraktive Fundbelege fokussieren.
In der Nähe von Ascher Siedlungen fand sich diesen Frühsommer ein großes Fragment einer Axt auf einer Stelle, die sonst (noch) keine weiteren Anhaltspunkt für einen längeren Aufenthalt der neolithischen Bauern zeigte. Ein Fundbeleg für die vorangestellte Ausführung.

Eine weitere, neue Fundstelle, dem ersten Anschein nach frühneolithisch, gab sich auf Wippinger Markung Nordöstlich des Ortes zwischen dem Lauter- und dem Blautal zu erkennen. Gegen Ende des Bergsporns öffnet sich das Tal nach Ulm, der Donau hin, ein Ort, der auch in jüngerer Zeit territorialgeschichtlich/ strategisch immer wieder von Bedeutung war. So haben die Einwohner von Wippingen nicht nur im 30jährigen Krieg, sondern auch davor und danach wohl sehr gelitten. Die Oberamtsbeschreibung von 1830 berichtet, dass während der Belagerung von Ulm 1704 der Ort starke Einquartierungen hatte und vor der "Höchstädter Schlacht das ganze vereinigte Heer durchzog mit dem Prinz von Savoyen und dem Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg, die in Wippingen ihr Nachtquartier bezogen" (spanischer Erbfolgekrieg,
http://www.blindheim.de/schlacht1704/index.html / )
Heute versperrt die Bewaldung der Talhänge weitgehend die Sicht, aber ein freier Blick auf das Ulmer Münster ist von der neolithischen Siedlungsstelle aus gut möglich. Ein weiterer, guter Sichtkontakt muss zu der nahen Siedlung des Höfermahd bestanden haben, deren Existenz schon sehr viel länger bekannt ist und nach Aussagen eines Bauern schon in den 1950er Jahren von einem "Ulmer Lehrer" begangen worden sein soll. Die neue Siedlung erstreckt sich über mehrere Felder, kann jedoch nicht genau eruiert werden, da ein Besitzer eines Ackers die Prospektionen nicht duldet, was zu respektieren ist. Spornlagen, bei denen in diesem Falle zwei Nebenflüsse der Donau zustreben, waren immer wieder bevorzugte Lagen für Lagerplätze und Siedlungen. Auch von dieser Fundmeldung (Erstmeldung) gibt es bislang noch keine Rückmeldung von der zuständigen Denkmalbehörde.

Dies ist dann auch die Gelegenheit allen übrigen Landwirten der Blaubeurer Alb für die Duldung der Begehungen und das sehr gute Einvernehmen auch in diesem Jahr besonders zu danken. Die Bevölkerung zeigt sich wie die Landbesitzer interessiert und versöhnlich.  Lassen Sie es mich mit den Worten des Obersteuerrats von Memminger der Oberamtsbeschreibung von 1830 sagen: "Der Charakter (der Einwohner) ist im Allgemeinen, wie überhaupt bey den Alpenbewohnern, gutartig und friedfertig. Rechts- und andere Streitigkeiten, Verunglimpfungen, Schlägereien und dergleichen kommen selten vor, nur der vormals elchingische Ort Tomerdingen macht in dieser Beziehung eine unvorteilhafte Ausnahme..." Ich gehe davon aus, dass die Bewohner von Tomerdingen inzwischen vollständig rehabilitiert sind. Das Interesse an den Bodendenkmalen ist bei der ansässigen Bevölkerung ungebrochen groß und eine zweite Auflage einer Ausstellung wurde mehrfach angefragt, ist jedoch nicht vor gesehen. Das blog entstand als Fortsetzung der Ausstellung vom Jahre 2004 und soll auch so verstanden werden. Der zeitliche Aufwand, Einzelartefakte aus einem System aus zu scheren und hinterher wieder in das System zurück zu führen , wäre unverhältnismäßig aufwändig, zumal die neuerlich erfassten Geodaten (Einmessung in der Fläche)  in der Zuordnung verloren gehen könnten. Das wäre nur möglich, wenn die Artefakte schon eine endgültige Beschriftung erfahren hätten, was aber noch nicht der Fall ist. Entscheidend wird dafür sein, wo die Sammlung nach Abschluss ihren Platz finden wird. Zudem spiegelt das blog nahezu ausschließlich die lokale, hauptsächlich neolithische Geschichte der Blaubeurer Alb, die in keinem Museum zu finden ist.

Klopfkugel aus Kern, Kratzer und Schlagstein aus LBK-Zusammenhängen, Oktober 2014
Ein auffällig gesteigertes Interesse des blogs UMGEPFLÜGT zeigt sich durch zahlreiche Zugriffe im Bereich der Metallfunde und dem Thema "Sondengänger", der Suche nach Relikten der Geschichte mit Hilfe einer Metallsonde. Im blog wurden nie Sondenfunde, vor gestellt, sondern ausschließlich Lesefunde, die Ergebnisse der klassischen Prospektionsmethode, die ohne technische Hilfsmittel auskommt und keine Bodeneingriffe vornimmt. Aber auch die Wegnahme von Teilen von Denkmalen wie Steinartefakte oder Keramikscherben verlangt zwingend die Dokumentation und in jedem Falle auch die Fundmeldung. Systematische Suche setzt immer eine Genehmigung voraus. In das durch flyer beworbene Ehrenamt als Ehrenamtlich Beauftragter kommt man schwer bis gar nicht und vermutlich kommt die Überalterung der "Heimathirsche" daher , dass das Interesse von jungen Leuten in diesem Bereich nicht wahrgenommen oder ignoriert wird. In meinem Falle vergingen auch schon dreißig Jahre, ohne dieses Ziel zu erreichen. Wenn man den langen Atem nicht verliert, entspricht man irgendwann wirklich dem hohen Durchschnittsalter, den Ehrenamtliche meist aufweisen. Um überhaupt als Laie den Status eines ehrenamtlichen Mitarbeiters zu erlangen, hilft am ehesten der Kauf einer Sonde und die Absolvierung einer relativ kurzen Schulung und Sie sind dabei. Spezielle Vorkenntnisse ( etwa archäologische) sind dazu nicht notwendig.  Das Prozedere ist relativ einfach und jedermann über die offiziellen Internetseiten der Baden württembergischen Denkmalpflege zugänglich. Der Einsatz von Metallsonden beschränkt sich in Baden Württemberg derzeit auf überplante Flächen und ist mit Einzelgenehmigungen verbunden, die der legitimierte Sondengänger auch vorlegen kann. Sondengehen ohne Auftrag der Denkmalpflege ist auch weiterhin mit strengen Einschränkungen und Verboten verbunden. Öffentliche Diskussionen und neue Denkansätze lassen hier in Zukunft möglicherweise weitergehende Veränderungen erwarten, da Verbote alleine nicht aus zu reichen scheinen. Der Feldbegeher alter Schule empfindet den Einsatz der Metallsonde meist als "unsportlich" und der Fokus allein auf Metallfunde wird einer gründlichen Prospektion nicht ausreichend gerecht, zumal über Metalle nur ein Bruchteil von Denkmalen erkannt werden kann. Der Schaden, den ein Eingriff in intakte Befunde beispielsweise wegen der Bergung eines neuzeitlichen, unbedeutenden Projektils in den oben beschriebenen ungestörten Befunden einer urgeschichtlichen Stätte an zu richten vermag, ist offensichtlich und kontraproduktiv. Sicherlich sind nicht alle Flächen derart sensibel, doch nicht umsonst definiert der Gesetzgeber in Baden Württemberg auch Denkmale als solche, die noch nicht erkannt sind, setzt zu deren Auffindung und Suche Genehmigungen voraus und stellt sie präventiv unter Schutz. Melden Sie daher zufällige Funde der Ortsverwaltung, den Denkmal -Behörden oder einem ehrenamtlich Beauftragten der Denkmalpflege. In der Regel werden Fundstellen in die Denkmalliste ein getragen und genießen dann auch einen besonderen Schutz, über den es internationale Übereinkünfte gibt. Durch die neuerliche Einbeziehung von Sondengängern in der Baden Württembergischen Denkmlapflege werden alle Altersgruppen, erfreulicher weise aber auch Jüngere an gesprochen und ein bezogen, was über die Affinität zu einem technischen Gerät erfolgt und somit ein hoffentlich geeignetes Vehikel werden kann, prinzipiell Geschichtsinteressierte für die Belange der Denkmalpflege und der Archäologie zu sensibilisieren und sie so konstruktiv ein zu binden. Der persönliche, finanzielle und zeitliche Aufwand den die Hobbyisten hier jetzt schon investieren ist nicht unerheblich und da ich an diesen Prospektions- und Schulungsmaßnahmen seit einem Jahr teil nehme, ist es wie für viele andere auch, die einfachste Möglichkeit sich ehrenamtlich für die Sache Denkmalpflege im Rahmen eines landesweiten Programms ein zu setzen. Die Prospektionen ( Suche nach Metallgegenständen auf überplanten Flächen und Dokumentation derselben, heißt einmessen in der Fläche) erfolgen nach Einzelaufträgen. Nach Abschluss der Schulung (April 2015) werde ich dafür in unserem Raum - also meist auf Baustellen bzw. zukünftigen Baustellen im Auftrag des Referatsleiters in Tübingen ein gesetzt. Die Zusage hier wurde bereits ausgesprochen. Die Ergebnisse werden nicht in diesem Rahmen veröffentlicht. UMGEPFLÜGT zeigt weiterhin nur reine Lesefunde des Sammlers.

Zwar kann man konsequenter Weise, wie bei mir oft zu lesen und zu hören ist, alle archäologischen Relikte als Erbe der Menschheit ansprechen und es gibt Archäologen, die trotzdem längst nicht alles für erhaltenswert halten, weil nach ihrer Meinung nicht alles für immer erhalten werden kann und Selektionsmaßnahmen bis hin zur Vernichtung der stetig anwachsenden Menge an Bodendenkmälern und Fundstücken notwendig machen soll. Wer seine Geschichte verliert, verliert seine Identität. Das gilt für den Einzelnen ebenso wie für einen Ort, eine Region, als auch für ein ganzes Land. Bodendenkmäler sind Zeugnisse, Belege und fassbare Orte der Erinnerung an unsere Vorfahren, vor Ort, wichtig für das Selbstverständnis der heutigen Bewohner. Regionale, kleine Museen wie sie zahlreich in den letzten Jahren entstanden sind erscheinen deshalb sinnvoll, weil sie Identität zu stiften vermögen. Sie ermöglichen den direkten Zugang zur Geschichte und wecken Neugier, Interesse und Verständnis, machen Geschichte fassbar und anfassbar, bildet unsere Kinder sorgsam und verantwortungsvoll damit um zu gehen und die Verantwortung dereinst zu übernehmen und weiter zu tragen. Jakob Grimm wird der Satz zu geschrieben: "Wer seine Heimat liebt, muss sie auch verstehen wollen, und wer sie verstehen will, der muss überall in ihre Geschichte einzudringen versuchen"

Blaubeuren und seine Täler, die Höhlen, aber auch die Hochflächen der Alb bergen noch zahlreiche Fundstellen als beredte Zeugen unserer Geschichte, für die wir heute Verantwortung tragen. Verantwortung heißt, sie zu schützen, wo es notwendig ist auch zu bergen, und sie zu vermitteln. Verantwortung heißt, sie unseren Kindern zu übergeben. Die, wie sie gern genannt werden möchte "Hauptstadt der Urgeschichte" hat für den Zeitraum des Paläolithikums, der Frühzeit menschlichen Kulturschaffens, diese Verantwortung übernommen und trägt sie in das Bewusstsein der Bevölkerung, denn nur dort fest verankert hat unser Erbe die Chance in die Zeit moderner Herausforderungen hinein zu überdauern. Ich persönlich wünschte mir, dass auch andere Zeiträume der lokalen Geschichte vor Ort in dieser Weise fassbar und "anfassbar" erhalten werden könnten. Doch wenn sie erfasst sind, behalten sie auch im langen Dornröschenschlaf der Depots ihre Aussagen für die Nachwelt.
Jedem Menschen erschließt sich Geschichte anders bis gar nicht. Möglichst alle primären Quellen zu erhalten mag ein nicht zu erreichendes Ideal darstellen, aber ohne ein Ideal, ohne ein Ziel wird alles, was wir nicht immer unangetastet vorfinden noch mehr zum Fragment, schon weil es unmöglich scheint etwas Altes zu erhalten ohne etwas Neues zu schaffen. Für Manche mögen die Relikte der Vergangenheit nüchtern zu analysierende Objekte sein, auf die sich ein wissenschaftlich nüchterner Wissensdurst gründet, für die anderen erschließen sie sich auch emotional, über Herz und Seele. Man darf das gerne belächeln, aber es geht nichts über jenen Moment, in dem der Zufall dem Finder ein Artefakt in die Hände spielt, das zuletzt vor vielen Tausend Jahren ein Mensch in der Hand gehalten hat. Es ist sogar Leben in den Steinen, die zu uns sprechen. Wir stehen auf den Schultern unserer Ahnen.


Eintauchen in einen Brunnen aus Zeit,
sich verlieren zwischen Generationen,
dem Labyrinth von Geschlechtern folgen,
das Irrlicht des Anfangs suchen.

Kriege erleben und Hungersnöte,
Seuchen und Feuersbrünste.
Dabei wie Gott sein,
ergriffen und unbeteiligt,
mit dem Wissen
von Jahrtausenden.

Tiefer und tiefer steigen,
um jene zu treffen,
die als erste den Boden bestellten,
der sie später verschlang
und mich trägt.
Ihre und meine
geborgte Heimat
auf Zeit.     (W. Somplatzki.)


Mit freundlicher Genehmigung des Autors W. Somplatzki.

Welcome Visitors form China.

Montag, 27. Oktober 2014

525. Post. Der "wilde Feuerstein, den die Bauern Stahlfresser nennen..."

In einer Ortsbeschreibung von Blaubeuren und Umgebung des Pfarrers Jeremias Höslin von 1798 heißt es:

"...achatartige, bunte Feuersteine werden auf hiesigen Feldern gesammelt, die nachher zu Flinten- und Pistolensteinen geschliffen werden. Unreiner Achat wird aller Orten angetroffen, den die Bauern wilden Feuerstein und Stahlfresser nennen...."

"...(Hornsteine)...werden von den Bauern Stahlfresser genannt, weil sie durch ihre Härte gemeiniglich etwas von dem (Anmerkung:Feuer)-Stahl abreissen..."Jeremias Höslin 1798

Feuerstahl /(Replik Frank Trommer)  und Hornstein ( Fundort: Wirtschaft zur Germania, Sonderbuch, Beim Umbau unter dem Stallgebäude gefunden) 
Da tauchen verschiedene Begriffe auf, die einer Erklärung bedürfen. 

Unter den "achatartigen Feuersteinen" ist sicherlich der hier in primären Residuallagerstätten aus gepflügte und in sekundären Lagerstätten (Borgerhau) anstehende Hornstein gemeint, der schon in der Steinzeit hier Verwendung fand. Sie erscheinen bunt, durch ihre Entstehung als Sedimentgestein, durch Bänderungen verschiedenartiger Ablagerungen auf dem Meeresgrund und Einschlüsse bei der Sedimentation. Irgendwann im Verlaufe der Bronzezeit verlor der Werkstoff seine Bedeutung mehr und mehr als Rohstoff zur Werkzeugherstellung, nicht aber durch seine Eigenschaft bzw. Eignung zum Feuerschlagen, und wie Höslin beschreibt wohl auch durch seine Verwendung in Steinschlossgewehren.  Höslin beschreibt die markanten Rohstoffe noch an anderer Stelle, als "Geschiebe vom Kieselgeschlechte wie: Feuersteine, Hornsteine, Achatsteine, die sich überall auf den Feldern der Alp zerstreut (finden), namentlich zu Seißen, Asch, und Sunderbuch..."
Neben den im großen Stil eingehandelten Feuersteinen zum Feuerschlagen und Flintensteinen für die Steinschlossgewehre wurden die weniger "schusshaltigen" vor Ort wohl kaum in den Gebrauch für militärische Zwecke geflossen, also verkauft und verhandelt worden sein. Zum Feuerschlagen mit dem Feuerstahl dürften sie aber sicherlich aus gereicht haben, waren kostenlos frei und in großem Maße auf den Feldern verfügbar und so manches ausgepflügte Artefakt dürfte hier unerkannt schon in frühen Zeiten ein unrühmliches Ende als "Feuerstein zum Funkenlösen" oder als Flintenstein gefunden haben, da Höslin die Gewinnung  des Materials mittels Absammlung von den Feldern beschreibt. 

Was nun die Annahme betrifft, hier seien die "Achate" zu Pistolensteinen geschliffen worden, dürfte sich der Chronist wohl irren. Vielleicht hat Höslin die speckig glänzenden, im feuchten Zustand und bei härteren, dichteren Materialien sogar spiegelnden Flächen fälschlicherweise als "Schliff" interpretiert. Für einen zivilen Einsatz können die sicher minderwertigeren, quasi wohlfeilen Flintensteine im Gegensatz der im großen Stil verhandelten französischen Steine  durchaus aus gereicht haben. Auch im zivilen Einsatz wurden Flinten gebraucht, z.B. waren schon dem Namen nach der Waldschütz und der Feldschütz, mit Schusswaffen aus gerüstet, die über die Ordnung in den Fluren wachten, Ebenso waren sie für Jagdwaffen notwendig. Entsprechende Verdachtsstücke sind aus Oberflächenfunden bislang nicht erkannt worden. Der Hinweis ist auf jeden Fall ein interessantes, historisches Dokument lokaler Hornsteinnutzung bis in die Neuzeit hinein. 
Der Feuerstahl ( oft auch Feuereisen) zum Feuer/Funken-schlagen hielt sich ebenfalls sehr lange und verschwand erst mit dem Aufkommen des Schwefel- oder Zündhölzchens. Der Feuerstahl nutzte sich beim Gebrauch an dem harten Kieselgestein ab, der wohl zu dem landläufigen Namen Stahlfresser führte. Das wiederum spannt einen Bogen bis in die heutige Zeit:
Während einer Begehungspause unterhielt ich mich mit einem Landwirt, dem das begangene Feld gehört über den Hornstein und er war überrascht, welche Härte das Material doch hat und kam zu dem Schluss, dass es wohl den herumliegenden Hornsteinen geschuldet sein muss, dass sich die Messer seiner Kreiselegge so schnell abnutzen, ja einkürzen und er nicht unerfreut darüber sei, wenn diese "Stahlfresser" von den Oberflächen ab gelesen werden weil sie jedwedes Eisen- und Stahlgerät auf die Dauer verstumpfen.


Oben: Neolithische Kratzer aus Hornstein ( "wilder Feuerstein") und Flintensteine französischer Provenienz (Meusnes)
Links beginnend: Kratzer, Flintenstein, Kratzer, Flintenstein, Kratzer, Flintenstein. Noch ist kein eindeutiges Belegstück eines Sonderbucher Flintensteins bekannt. Was auf den Feldern aufgesammelt und dazu verarbeitet wurde, ging irgendwann wohl auch wieder verloren. Vielleicht versteckt sich so ein Stein irgendwo zwischen den Hunderten von Kratzern von Sonderbucher Äckern...
Höslin beschreibt die Gewinnung von Hornstein zur Verarbeitung zu Flintensteinen in der Ortsbeschreibung von Sonderbuch. Wer die Verhältnisse, im Besonderen die Fundfrequenz und die großflächigen, wenn auch oft nur sporadischen Vorkommen  hier auf der Blaubeurer und Ulmer Alb kennt kann sich gut vorstellen, dass dies auch für andere Alborte hier gelten wird und insbesondere in Zeiten geringer Erwerbsmöglichkeiten Bedeutung gehabt haben mag.

Montag, 29. September 2014

524. Post. Ein ungewöhnliches Kerngerät

Stark an die Sicheln des Baiersdorfer Plattenhornsteins erinnert ein neues Kerngerät aus Wippingen...

und damit aus einem Siedlungsareal, das an unmittelbare Hornsteinvorkommen stößt. Auf den Oberflächen und im Kontext der Lagerstätte erscheinen Artefakte unterschiedlicher Zeitstellungen, was spätestens dem Umstand geschuldet ist, dass die anstehenden Rohmaterialien über längere Zeiträume die Menschen anzog. So sind bei Grabungen auch verlagerte mittelpaläolithische Komponenten erfasst worden.

 Die Grundform ist ein ungewöhnlicher "Fladen" aus grauem, etwas grobkörnigem Hornstein, der beidseitig noch Kortex trägt.
Eine Längsseite, quasi "Laterale" ist bifaziell mit teilweise in die Fläche greifenden Retuschen modifiziert.

Die "Spitze" täuscht. Links oben befindet sich Kortex. 

Die Rückseite ist bis auf die Kantenretusche ebenfalls mit Kortex bedeckt.


Der Rücken, ein glatter Bruch, zeigt die dünne, fladenförmige Erscheinungsform und den beidseitigen Kortex

An dieser Stelle scheint das Stück vielleicht vom Rohstück getrennt worden zu sein. Es ist das Gegenstück zu der weiter oben gezeigten "Spitze"

Die Schneide nach der einen

und nach der anderen Seite. Im ursprünglich geraden Kantenverlauf fällt ein - vielleicht  rezenter Schaden der ursprünglichen Schneide auf. Da das Stück keinen Kontakt mit landwirtschaftlichen Geräten (fehlender Rost) und eine durchgehende Gleichmäßigkeit der Oberflächen aufweist, ist schwer zu sagen, ob der Schaden durch Gebrauch oder rezente Eingriffe entstand. In der Regel unterscheiden sich frische Brüche auch farblich, da die Oberfläche verwittert. Möglicherweise wurde das Artefakt frisch , also jüngst aus dem Kolluvium oder einem intakten Befund gepflügt und zeigt uns diesen Unterschied nicht. Allerdings fehlt auch jedweder metallische Glanz, den ein frischer Kontakt für gewöhnlich hinterlassen kann.
Ein Gerät aus dem Formenkreis des ( wenn der Schaden alt ist stoßenden) Schnitts, wie schon erwähnt, erinnert es an die neolithischen Sicheln ( "ziehender Skalpellschnitt") aus Baiersdorf, wäre aber hier bisher ein Novum. Die Crux ist, dass sich das Artefakt, so es denn eine Sichel sein sollte, morphologisch nicht von mittelpaläolithischen Biface-Geräten unterscheidet.

Welcome, first visitors from Irak. 

523. Post. Und weiter geht's...

...in westlicher Richtung, ausgehend vom Flurstück: (Post 515)

http://lesefunde.blogspot.de/2014/06/515-post-neue-fundstelle-nahe-blauberg.html

Erste Funde auf einem bereits wieder eingesäten Acker:

Fragmentierte Pfeilspitze. Das Proximalende der Grundform bildet für gewöhnlich die Spitze der Projektile, das hier rezent der Bodenbearbeitung zum Opfer gefallen ist. Entscheiden für die Datierung ist sie jedoch nicht.
Mit der ersten Pfeilspitze, unilateral, bifaziell Kanten retuschiert und mit konkaver Basis, nähern wir uns zeitlich dem schon in der Umgebung Festgestellten./ Eher älterneolithisch erscheint auch diese Pfeilspitze. In späteren Zeitstellungen erscheinen Pfeilspitzen dieser Art flächig retuschiert. Siehe die Pfeilspitzen von Post 516.
Klingenkern, Klüfte durchziehen den Kern, der deshalb vorzeitig verworfen wurde.
Im Umfeld "unversiegbarer Ressourcen" quasi direkt vor der Haustür, ist das Gewicht der Restkerne entsprechend hoch und belegt einen großzügigen Umgang.
Alle aufgenommenen Fundstücke im Bereich der Lagerstätte Blauberg werden mittels Hand-GPS in der Fläche ein gemessen. Interessant wäre, aus welchen Provenienzen sich die Rohmaterialquellen zusammen setzen und ob ein Schwerpunkt durch den nahen Blauberg erkennbar ist..

Oben und unten: Abschlag mit hoher Lateralretusche und von Gebrauchsspuren überprägter Kratzerkappe.
Die Lateralretusche, Grundform Abschlag.

Mittwoch, 24. September 2014

522. Post. Eine (u.a.mittel-)paläolithische Komponente im Neolithischen Siedlungsgebiet...

...konnte auf einem ausgedehnten Siedlungskomplex bei Wippingen ausgemacht werden.


Die mittelpaläolithischen und wohl auch paläolithischen  Funde kamen dabei nicht aus Befunden und gelten als verlagert. Älterneolithische Artefakte weisen auf der Blaubeurer Alb meist keinerlei Verwitterungserscheinungen ("Patina") auf. Anders dagegen Artefakte aus älteren Zeitstellungen. So gilt auch ein gewisses Augenmerk entsprechenden Verdachts"fällen".


In diesem Areal fallen immer wieder, vor allem gegen Ende der Hochfläche im Bereich der Talkante "archaisch wirkende Artefakte" auf, die in einem Kontext einer Primären Residuallagerstätte auf der Oberfläche erscheinen.
Ältere Artefakte aus Hornstein erscheinen dabei ungewöhnlich stark verwittert, oft ledergelb in einer Weise, die sich von den gelb bis rötlich-braunen Varietäten des Bohnerzhornsteins unterscheidet, dessen farblich geprägten Erscheinungsformen seinerseits durch Eisenoxideinlagerungen während der Sekundärlagerung erworben wurden, also schon im Rohmaterial vorhanden sind. Das gilt auch für das an der Oberfläche erscheinende, oft intentionell zerlegte Rohmaterial dort.

Die Unterscheidung setzt einen Anschliff voraus, wenn nicht eine rezente Beschädigung die ursprüngliche Rohmaterialerscheinung während der Herstellung des Artefaktes erkennen lässt.

Einer der "üblichen Verdächtigten"....:heute Neu...

Dorsalseite eines großen Abschlages aus Wippingen.
Ein unilateral retuschierter Abschlag. Das Distalende (oben) war intensiv in Gebrauch und zeigt deutliche Gebrauchsspuren. Die linke Laterale weist unbeschädigte und nicht durch Gebrauch überprägte Retuschen auf. 
Rechtslateral zeigt das Artefakt grobe Retuschen. Hier hat an einer Stelle ein rezenter Eingriff - wohl durch eine Landmaschine - einen Blick auf das ursprünglich hellere Material geschaffen.
Das zerrüttete Distalende,  Eine Art "Kratzerende mit nasenförmigen  Vorsprüngen" zeugt von intensivem Gebrauch

Die Ventralseite lässt den harten, direkten Schlag erkennen, wofür der Bulbus, die Schlagmarke, aber vor allem auch der Schlagflächenrest sprechen. Die Schlagtechnik ist für das gesamte Paläolithikum, aber auch für die Herstellung grober Grundformen im Neolithikum typisch.
Im gesamten Fundkomplex wird immer wieder deutlich, dass das Areal - durch vielerlei Faktoren begünstigt -  über sehr lange Zeit ein begehrter Siedlungsplatz gewesen sein muss. Einzelfundeinmesssungen sind unerlässlich. Vor allem die letzten Siedlungsphasen erscheinen naturgemäß auf den Oberflächen. Die starken Erdbewegungen durch kolluviale Vorgänge lassen aber auch vermuten, dass die ältesten Oberflächen nicht mehr vorhanden sind. Diese Erdbewegungen sorgen neben den landwirtschaftlichen Eingriffen dafür, dass alle Zeitstellungen auf den Oberflächen streuen.

Mittwoch, 3. September 2014

521. Post. Und es geht weiter...

Neue Funde auf der Blaubeurer Alb.

Der Letzte Post ist zwar schon eine ganze Weile her, doch Vieles ist inzwischen passiert.

Alle Fundstellen liegen derzeit durch die Bodenbearbeitung nach einer durchschnittlich guten bis sehr guten Ernte zumindest teilweise wieder offen. Ein Sommer, der dieses Jahr für die eher Wärme liebenden Vertreter unserer Spezies die Erwartungen nicht erfüllt, bescherte in den letzten Tagen den frisch bearbeiteten Flächen jedoch eine kräftige "Dusche" - die beste Voraussetzungen für Prospektionen schafft.
Einzelfundeinmessung auf einer neolithischen Siedlungsfläche. Eine Stelle, die wie es aussieht Funde aus unterschiedlichen Zeithorizonten liefert. Da neben älter neolithischen Artefakten auch jüngere Zeitstellungen an den Oberflächen erscheinen, muss man befürchten, dass zumindest die jüngsten Laufhorizonte zerstört sind und sich bereits im Pflughorizont bewegen. Ihre Verteilung in der Fläche ist damit die letzte Impression und entsprechend zu behandelnder  Nachweis der jüngsten Zeitstellung auf dieser Fläche und im Befund vielleicht nicht mehr erfassbar. 

Unilateral retuschierter  "Klingenkratzer," der vielleicht ursprünglich noch etwas länger war, weil das Proximalende mit dem Bulbus fehlt. Morphologisch erfüllt die Grundform  durch ihr Länge-Breiten-Verhältnis die Definition einer Lamelle. Hier war nicht nur die Kratzerkappe am Distalende der Grundform, sondern auch beide Lateralen Funktonsenden bzw. Arbeitskanten.

Rohmaterial (noch) unbekannter Provenienz. Importiertes Rohmaterial ( hier ein Kern) liefert schon an sich wichtige Informationen über Verbindungen zu Lagerstätten, die sehr weit weg liegen können. Angesichts der üppigen Rohmaterialversorgung direkt vor Ort (Hornstein) wird es für das Auftreten eines alternativen Rohstoffes aber noch andere Gründe geben als bloße Materialbeschaffung.